Wirtschaft
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Montag, 05. März 2018

Strafzölle noch diese Woche: Berlin warnt Trump vor Auto-Handelskrieg

Das Szenario eines eskalierenden Zollkonflikts zwischen Europa und den USA nimmt immer konkretere Formen an. Was mit Trumps Vorhaben, Stahlimporte zu besteuern, begann, bedroht inzwischen auch US-Whiskeyproduzenten und deutsche Autobauer.

Die Bundesregierung hat die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump kritisiert, Autos aus der EU im Gegenzug zu EU-Maßnahmen mit Einfuhrzöllen zu belegen. Die Bundesregierung lehne solche Strafzölle ab, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Das gilt auch für die Ankündigung von US-Präsident Trump, Einfuhrsteuern auf Fahrzeuge von EU-Herstellern zu erheben." Berlin lehne solche Maßnahmen ab.

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"Das sind Maßnahmen, die die internationalen Handelsströme empfindlich treffen würden", betonte Seibert. Sie würden die Arbeitnehmer und Verbraucher auf beiden Seiten des Atlantiks treffen. Es mache nur wenig Sinn, die Zölle auf einzelne Produkte zu vergleichen, die Teil eines "austarierten Paketes" im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO seien. Die Bundesregierung wolle abwarten, was tatsächlich von der US-Regierung beschlossen werde, und dies dann mit den EU-Partnern bewerten.

"Wir wollen keine Zuspitzung, und schon gar nicht wollen wir so etwas wie einen Handelskrieg", hob der Regierungssprecher hervor. Er könne aber nicht einschätzen, "wie nah oder fern wir von einem Handelskrieg sind".

Trump hatte zuvor seine Entschlossenheit bekräftigt, trotz drohender Gegenmaßnahmen der Handelspartner Strafzöllen auf Stahl und Aluminium zu verhängen. "Unsere Stahl- und Aluminiumindustrie ist tot. Entschuldigung, es ist Zeit das zu ändern", schrieb Trump auf Twitter. "Wir sind bei fast allen Handelsverträgen auf der Verliererseite. Unsere Freunde und Feinde haben die USA jahrelang übervorteilt."

Trumps Minister spielt Folgen herunter

Zuvor hatte der US-Präsident auch gedroht, Strafzölle auch auf europäische Autos zu erheben. Er reagierte damit wiederum auf die Warnung der EU, sie werde auf die Stahl- und Aluminiumzölle mit Gegenmaßnahmen antworten. Dabei wurden unter anderem Whiskey- und Motorradhersteller als mögliche Ziele genannt.

US-Regierungsmitglieder bekräftigten, die Zölle sollten noch diese Woche in Kraft treten. Trumps Wirtschaftsberater Peter Navarro sagte im US-Sender CNN, es werde keine Ausnahmen für bestimmte Länder geben. Ausnahmen für einzelne Unternehmen "von Fall zu Fall" dagegen seien denkbar.

Handelsminister Wilbur Ross spielte die Folgen von Gegenzöllen im Sender ABC herunter: "Sicherlich wird es einige Gegenmaßnahmen geben, aber das Ausmaß ist eher unbedeutend."

Die Europäer etwa hätten gedroht, US-Produkte im Wert von drei Milliarden Dollar mit Strafzöllen zu belegen - das sei "ein kleiner, kleiner Anteil von einem Prozent" der US-Wirtschaft, sagte Ross. Ein einzelnes Unternehmen könne "für eine kurze Zeit" betroffen sein von den Gegenmaßnahmen, aber "insgesamt wird das nicht viel mehr als ein Rundungsfehler sein".

Quelle: n-tv.de