Wirtschaft

Zyklus hat Gipfel überschritten Berliner Mieten sinken deutlich

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Während der Neubau boomt, lässt der Zuzug in die Großstädte nach.

(Foto: imago images / Ulli Winkler)

Das Angebot steigt, die Nachfrage in den Metropolen geht dagegen zurück: In Berlin sinken die Angebotsmieten zum ersten Mal seit langem im Jahresverlauf deutlich. Wenn die Politik nun besonnen bleibt, könnte das die Trendwende auf dem Wohnungsmarkt sein.

Die Angebotsmieten in Berlin sinken spürbar. Laut Daten des Beratungsunternehmens Empirica gingen die in Inseraten verlangten Mieten im dritten Quartal knapp vier Prozent gegenüber ihrem Allzeithoch ein Jahr zuvor zurück. In anderen Metropolen wie Hamburg und München zeichnet sich demzufolge zumindest eine Stagnation ab. Laut Empirica-Chef Rainer Braun deutet damit alles auf eine Trendwende auf den Wohnungsmärkten in deutschen Großstädten hin. "Dieser Zyklus der Mietsteigerungen hat seinen Gipfel überschritten", sagte Braun n-tv.de.

Für eine Standard-Neubauwohnung mit 60 bis 80 Quadratmetern mit guter Ausstattung wurden in der Hauptstadt im dritten Quartal 2019 im Durchschnitt 12,32 Euro pro Quadratmeter verlangt, für eine Bestandswohnung 9,91 Euro. Das sind 45 Cent beziehungsweise 36 Cent weniger als ein Jahr zuvor.

Als Grund für den Rückgang nach knapp eineinhalb Jahrzehnten ununterbrochenem Mietenanstieg macht Braun unter anderem die anziehende Neubautätigkeit aus. So seien in Berlin in den vergangenen Jahren jeweils mehr als 10.000 neue Wohnungen fertiggestellt worden. Anfang des Jahrzehnts hatte diese Zahl noch bei nur rund 3000 gelegen. Zudem lasse der Zuzug sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland nach, während immer mehr Menschen in das Umland der Städte oder an ganz andere Orte auswichen. Politische Maßnahmen wie Mietpreisbremse oder der geplante Mietendeckel in Berlin hätten in dem in die Statistik eingegangenen Zeitraum noch keine Rolle gespielt, so Braun.

Spürbares Überangebot möglich

"Bei dem erreichten Preisniveau ziehen etwa viele junge Familien aus Berlin ins Umland", sagte Braun. "Studenten beispielsweise überlegen sich, gleich woanders zu studieren." Entsprechend stiegen die Mieten in sogenannten Schwarmstädten im Umfeld der Metropolen oder in Ausweichstädten wie Schwerin, Pforzheim und Flensburg ungebrochen weiter. Während die Angebotsmieten in den kreisfreien Städten im vergangenen Quartal durchschnittlich um 0,3 Prozent fielen, stiegen sie in den Landkreisen um 0,8 Prozent an.

Auch die Kaufpreise für Eigenheime ziehen laut den Empirica-Daten weiter kräftig an und koppeln sich damit von den Mieten immer weiter ab. Grund hierfür sind laut Braun vor allem die extrem niedrigen Zinsen.

Laut Braun könnten die Mieten in Zukunft durchaus stärker zurückgehen. "Es sind viele Bauprojekte in den Städten in der Pipeline", sagte Braun. Wenn diese auf dem Markt kommen und die Nachfrage gleichzeitig weiter nachlasse, könnte es zu einem spürbaren Überangebot an Wohnungen kommen. Mit einem massiven Leerstand etwa in den Metropolen rechnet Braun aber nicht. "Es gibt ja viele Leute, die ins Umland gezogen sind und dann wiederkommen würden."

Braun forderte die Politik vor allem in Berlin auf, angesichts der fallenden Mieten von umstrittenen Regulierungsmaßnahmen wie dem geplanten Mietendeckel abzusehen. "Investoren sind bei vielen in der Pipeline befindlichen Bauvorhaben schon auf dem Absprung", warnt Braun. Das könne die sich abzeichnende nachhaltige Entspannung auf dem Wohnungsmarkt zunichte machen.

Quelle: n-tv.de

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