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Privatermittler begeht Suizid Khan-Affäre wird für Credit Suisse schmutzig

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Die Bank räumt ein: Die Affäre Khan ist ein "schwerwiegender Reputationsschaden".

(Foto: REUTERS)

Die irre Überwachung eines scheidenden Topmanagers bei der Credit Suisse nimmt eine tragische Wendung: Die dilettantische und völlig überflüssige Aktion fordert ein Todesopfer. Es handelt sich um den Mittelsmann zwischen Bank und Detektei.

Es ist der traurige Tiefpunkt in dem völlig absurden "Spionage"-Krimi in der beschaulichen Schweiz: Laut dem Finanzblog Inside Paradeplatz ist eine der Schlüsselfiguren tot. Angeblich handelt es sich um einen Sicherheitsexperten. Er soll den Auftrag erhalten haben, den scheidenden Topmanager Iqbal Khan bei der Credit Suisse beschatten zu lassen.

Credit Suisse
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Wie es heißt, nahm sich der Mann, der nur T. genannt wird, und der offenbar als Vermittler zwischen Bank und Detektei Investigo fungierte, bereits am vergangenen Dienstag - eine Woche nach Auffliegen der Überwachungsaktion - das Leben. Das bestätigt auch der Anwalt der Detektei sowie der Verwaltungratspräsident der Credit Suisse, Urs Rohner.

Die Beschattungsaffäre nahm ihren Lauf, als ein leitender Manager der Credit Suisse offenbar den Verdacht hegte, Khan könnte Mitarbeiter abwerben. Der Vermögensverwalter wollte zum Konkurrenzinstitut UBS wechseln. Dass in solchen Fällen Aufträge über Mittelsmänner an Detekteien vergeben werden, ist in der Branche angeblich üblich. T. soll in der Sicherheitsbranche einen guten Ruf genossen haben.

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Laut einer nicht genannten Quelle, die der Blog zitiert, soll T., nachdem die Beschattung aufgeflogen und die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen hatte, um seine berufliche Zukunft gefürchtet haben. Sollte die Credit Suisse ihn als Mitschuldigen und Versager darstellen, wäre das möglicherweise existenzbedrohend für ihn geworden. T. war den Angaben zufolge eine Einmannfirma.

Die Befürchtungen sollen sich für ihn bewahrheitet haben, als das Schweizer Geldhaus öffentlich betonte, professionell gehandelt zu haben. Am 24. September - eine Woche nach Auffliegen der Operation - übergab das Institut den Medien Ausschnitte eines Memos der Sicherheitsfirma Investigo. Wenig später hätte die Presse auch Hinweise auf die Identität von T. gehabt, heißt es weiter. Aus welcher Quelle, ist unbekannt. Schon nach den ersten Medienanrufen habe T. es nicht mehr ausgehalten und sich das Leben genommen.

"T. fühlte sich einfach schuldig, dass die ganze Aktion in sich zusammengefallen war", zitiert der Blog die unbekannte Quelle. Der Sicherheitsmann habe hohe Ansprüche an sich und seine Arbeit gehabt. "Er hat die Aufträge immer minutiös vorbereitet und jedes Detail hundertfach hinterfragt und korrigiert." Hinweise darauf, dass die Bank T. bedrängt habe, gebe es nicht, heißt es weiter.

Einer war's, die anderen wussten von nichts

Die Credit Suisse bemüht sich derweil um Schadensbegrenzung: COO Pierre-Olivier Bouée, nach Bank-Angaben der einzige in die Beschattung Eingeweihte, verlässt das Unternehmen. Er habe die alleinige Verantwortung "für diese Angelegenheit" übernommen und seinen Rücktritt erklärt, teilte die Schweizer Großbank am Morgen mit.

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Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner (M.) erklärt vor der Presse, dass CEO Tidjane Thiam keine Rolle in den peinlichen Ereignissen gespielt habe.

(Foto: REUTERS)

Bouée habe ausgesagt, dass er die Interessen der Bank schützen wollte. Er habe die Überwachung am 29. August - genau dem Tag, an dem die UBS die Anstellung von Khan öffentlich bekannt gab - alleine entschieden und weder mit dem CEO noch mit irgendeinem anderen Vorstand, dem Präsidenten des Verwaltungsrats oder dem Vorsitzenden des Audit Committee besprochen.

Der Verwaltungsrat distanzierte sich von dem Alleingang Bouées mit den Worten: Er sei "der Ansicht, dass der Auftrag zur Überwachung von Iqbal Khan falsch und unverhältnismäßig war und zu einem schwerwiegenden Reputationsschaden für die Bank geführt hat". Wegen des Todesfalls des "externen Sicherheitsexperten" äußerte Präsident Rohner Trauer und Betroffenheit. Darüber hinaus wollte sich er sich nicht zu dem Vorfall äußern.

Auch der Sicherheitschef der Bank trat mit sofortiger Wirkung zurück. Bankchef Tidjane Thiam wurde dagegen ausdrücklich entlastet. Das Gremium sprach ihm das Vertrauen aus. Außerdem bestellte er James B. Walker mit sofortiger Wirkung zum neuen COO.  Die Züricher Staatsanwaltschaft leitete derweil eine Untersuchung ein: "Wie üblich bei Todesfällen untersuchen Staatsanwaltschaft und Polizei die Umstände des Todesfalls", erklärte ein Sprecher. Anzeichen für eine Dritteinwirkung gebe es nach derzeitigen Erkenntnissen nicht.

Khan, dessen Kündigung der Stein des Anstoßes für diese völlig entgleiste Affäre gab, arbeitet seit heute wie geplant für die Konkurrentin UBS. Dort tritt er die Nachfolge von Ex-Commerzbank-Chef Martin Blessing als Co-Chef der Sparte Global Wealth Management an.

Rat und Nothilfe bei Suizid-Gefahr und Depressionen

  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116-123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Quelle: n-tv.de, ddi

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