Wirtschaft

Spionagekrimi bei Credit Suisse Bank hetzte "Schlägertypen" auf Ex-Manager

RTS2ILL1 (1).jpg

Trügerisches Idyll mit Tram: der Paradeplatz in Zürich mit den Zentralen von Credit Suisse und UBS.

(Foto: REUTERS)

Ein eskalierender Nachbarschaftsstreit über Baulärm und Bäume, bedrohliche Privatdetektive und Handgreiflichkeiten in der Innenstadt. Der Streit zwischen zwei Spitzenmanagern bei Credit Suisse erschüttert das beschauliche Zürich.

Es geschieht mitten in der Zürcher Innenstadt. Iqbal Khan, bis vor kurzem Star-Manager bei der Großbank Credit Suisse, ist mit seiner Frau im Auto unterwegs. Er hat das Gefühl, dass ein Wagen ihnen folgt. Um sicher zu sein, fährt Khan rechts ran. Tatsächlich: Auch das Auto hinter ihm hält nur wenig entfernt. Der Fahrer - wie der Banker später schildert, ein furchteinflößender, glatzköpfiger Mann - steigt aus. Er tut, als wolle er zu einem Café, wartet dort. Darüber, was dann folgt, gehen die Schilderungen auseinader: Auf jeden Fall steigt auch Khan aus, fotografiert seinen Verfolger und dessen Auto. Es kommt zu Handgreiflichkeiten.

Bei der herbeigerufenen Polizei gibt der Banker zu Protokoll, er habe um Leib und Leben seiner Familie gefürchtet. Er habe gedacht, der Glatzkopf und zwei weitere "tätowierte Schlägertypen" in dessen Wagen seien Verbrecher, möglicherweise Entführer. Tatsächlich sind es Mitarbeiter einer Zürcher Detektei. Sie sind Khan im Auftrag seines ehemaligen Arbeitgebers Credit Suisse auf den Fersen.

Die offenbar reichlich unprofessionellen Privatdetektive werden von der Polizei festgenommen. Doch wer die  Verantwortung für ihren Einsatz trägt, ist bis heute unklar. Formell segnete wohl Pierre-Olivier Bouée, der Chief Operating Officer der Credit Suisse, die Maßnahme ab. Laut Darstellung der Bank ging es bei der Überwachung darum, ob Khan illegal Mitarbeiter abwerbe. Denn Khan, einer der größten Shooting Stars der Schweizer Bankszene und ehemaliger Chef der Credit-Suisse-Vermögensverwaltung, hatte kurz nach seinem Ausscheiden bekannt gegeben, dass er zum Rivalen UBS wechseln werde.

Doch die Schweizer Medien spekulierten sofort, dass die Spionage-Aktion von ganz oben, von Credit-Suisse-Boss Tidjane Thiam ausgegangen sei. Und auch am offiziellen Motiv gibt es Zweifel. Denn zwischen Khan und seinem Ex-Chef war offenbar seit Monaten ein Streit eskaliert, dessen Ursprung so unglaublich erscheint, wie der Vorfall in der Zürcher Innenstadt.

Baulärm, Bäume und ein getrübter Seeblick

Anfang des Jahres soll es bei einem Abendessen mit mehreren Credit-Suisse-Spitzenmanagern in Thiams Villa im Nobelviertel Herrliberg zu einem heftigen Streit gekommen sein. Der Chef habe sich über den Lärm beklagt, den ein seit mittlerweile zwei Jahren anhaltender Umbau von Khans direkt nebenan liegendem Anwesen verursache. Zudem habe dieser Bäume gepflanzt, die Thiams Sicht auf den Zürichsee beeinträchtigten. Unter Einfluss von reichlich Alkohol eskalierte der Streit so weit, dass Khans Ehefrau die beiden Alphatiere trennen muss, um eine Prügelei zu verhindern. Thiam soll Khan unter anderem vorgeworfen haben, seine Freundin beleidigt zu haben. Khan beschwert sich später offiziell beim Verwaltungsrat der Bank, Thiam habe ihn bedroht.

Nach dem Zwischenfall ist klar, dass bei Credit Suisse kein Platz mehr für beide ist. Khan, der schon länger wegen ausbleibender Beförderungen unzufrieden gewesen sein soll, reicht seine Kündigung ein. Nach außenhin bewahren die beiden Streithähne eine freundliche Fassade. Doch hinter den Kullisen brodelt es weiter. Zeitweise heuert Khan privat Sicherheitsleute zum Schutz vor seinem eigenen Chef an. Doch Mitte September, wenige Wochen bevor er seinen neuen Job bei UBS antreten soll, fühlt er sich wieder sicher - bis er in der Zürcher Innenstadt den Wagen hinter sich entdeckt.

In den Schweizer Medien führt die "unwürdige" Affäre zu einem Aufschrei. Kommentatoren rufen Thiam wegen seines mutmaßlich unprofessionellen Verhaltens zum Rücktritt auf und stellen auch infrage, ob Khan nach dieser Auseinandersetzung noch für eine Führungsposition bei UBS geeignet ist. Doch inzwischen scheint klar: Die Karriere der beiden ist kaum gefährdert. Vor der entscheidenden Sitzung des Credit-Suisse-Aufsichtsrats stellen sich mehrere Großaktionäre demonstrativ hinter den Bankchef und betonten dessen Verdienste beim grundlegenden Umbau des Instituts in den vergangenen drei Jahren. Auch Khans Talent als "Regenmacher", als Ausnahmemanager, der in wenigen Jahren Neukunden mit Zigmilliarden Franken Anlagegeldern für seine Bank einwarb, wiegt für seinen neuen Arbeitgeber offenbar mehr als sein möglicherweise durch die Affäre ramponiertes Ansehen. Schon morgen, am ersten Oktober, soll er bei UBS anfangen.

Quelle: ntv.de