Wirtschaft

ETF-Start befeuert den Kurs Bitcoin-Fans feiern Börsen-Premiere

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Der Bitcoin-Kurs fährt mitunter Achterbahn, derzeit liegt er knapp unter seinem Rekordhoch.

(Foto: PantherMedia / Andrey Nyrkov)

Bitcoin flirtet mit dem Rekordhoch. Investoren fiebern dem Debüt des ersten börsennotierten US-Fonds der Kryptowährung entgegen und hoffen, dass dadurch noch mehr Geld in den Sektor fließt.

Die einen sehen in Bitcoin die Zukunft des Finanzsystems, die anderen eine Mischung aus Geldwaschanlage und Tulpenzwiebel-Hype. Fest steht: Mit dem Krypto-Projekt wird eifrig gezockt und es ist längst im Establishment angekommen. Nun erreicht Bitcoin einen neuen Meilenstein. In den USA geht heute der erste börsennotierte Bitcoin-Fonds an den Start. Damit können Anleger auf den Kurs spekulieren, ohne ein digitales Krypto-Wallet zu eröffnen. Im Vorfeld sprang der Bitcoin-Kurs auf knapp 63.000 Dollar und liegt damit nur noch knapp unter dem bisher erreichten Höchststand von fast 65.00 Dollar.

In Europa und Kanada sind Bitcoin-ETFs schon auf dem Markt. Dennoch gilt das Debüt in den USA als Meilenstein auf dem Weg der Kryptowährungen zu einer akzeptieren Anlageklasse. Weitere Anbieter stünden mit ihren Produkten bereits in den Startlöchern, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Dies öffnet das Tor für Billionen Dollar potenzieller Investitionen in diesen Sektor."

Sofern die Börsenaufsicht SEC nicht in letzter Minute einschreitet, wird ab Nachmittag der ProShares Bitcoin Strategy ETF gehandelt. Er investiert allerdings nicht direkt in die Kryptowährung, sondern in schon seit einigen Jahren verfügbare Bitcoin-Terminkontrakte und bildet damit die Kursentwicklung ab.

Die steigende Futures-Nachfrage werde sich im Kurs der Cyber-Devise selbst niederschlagen, sagen etwa die Analysten des Research-Hauses Arcane voraus. Der neue ETF würde eine jahrelange Kampagne für die US-Zulassung eines Bitcoin-ETFs beenden, die 2013 begann und bei der zahlreiche Anträge von der SEC abgelehnt wurden.

Anbieter des Bitcoin ETF ist das Unternehmen ProShares, das eigenen Angaben zufolge Investments in Höhe von 65 Milliarden Dollar verwaltet. Vergleichbar ist das neue Produkt mit Rohstoff-ETFS, die auch auf den sogenannten Futures-Märkten beruhen. Das liegt vor allem daran, dass es bei den meisten Rohstoffen unpraktisch ist, sie zu lagern. Statt also Ölfässer für den tagesaktuellen Preis am Kassamarkt zu kaufen, bietet es sich für Investoren an, ihr Geld in Terminkontrakte zu stecken.

Achtung, Contango!

Krypto-ETFs, die ebenfalls auf Futures beruhen, stellen Anleger damit vor ein Problem, das typisch für Rohstoff-ETFs ist - das sogenannte Contango. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein unerfreulicher Effekt. Er tritt auf, wenn der Preis für eine Lieferung in der Zukunft (Terminkurs) höher als der aktuelle Kassakurs ist. Das ist eine völlig normale Situation am Markt.

Futures spiegeln den künftigen Preis wider und sind eine Abnahmeverpflichtung einer bestimmten Menge zu einem festen Termin. ETF-Anbieter wollen allerdings nur die Preisentwicklung abbilden und haben nicht vor, tatsächlich etwa Öl zu kaufen. Deshalb verkaufen sie vor Ende der Laufzeit die Terminkontrakte und ersetzen sie durch Papiere mit längerer Laufzeit. In einer Contango-Situation sind diese Papiere teurer, Anleger müssen also entsprechende Verluste hinnehmen.

Es kann allerdings auch zum gegenteiligen Effekt kommen, der "Backwardation". Dieser Effekt tritt auf, wenn sinkende Preise erwartet werden. Was nichts daran ändert: So richtig weiß niemand, wie sich der Futures-Markt entwickelt. Zu welchen Absurditäten er fähig ist, war im April 2020 eindrucksvoll zu sehen: Der Ölpreis stürzte in den negativen Bereich. Das heißt, Verkäufer waren bereit, Geld zu bezahlen, damit ihnen jemand ihr Öl abnimmt.

Auch wenn das eine Extremsituation war, stellt sich die Frage, warum ETF-Anbieter ihr Investment nicht mit Bitcoins hinterlegen. Die Antwort: Sie dürfen es nicht. Die SEC begründet das Verbot damit, dass der Bitcoin-Markt - im Gegensatz zum Markt mit Bitcoin-Futures - nicht reguliert ist. Die US-Börsenaufsicht kann keine Krypto-Handelsplätze kontrollieren, die nicht als Börsen in den USA registriert sind. Die SEC betont, diese Handelsplätze seien anfällig für Betrug und Manipulation, weil die Aufsichtsbehörden keinen Einblick haben, woher Bitcoins kommen und wie die Preise ermittelt werden.

Quelle: ntv.de, mit rts/DJ

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