Wirtschaft

"Wale" herrschen über Währung Bitcoin-Futures crashen Börsen-Website

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Unter der Oberfläche: Was die Bitcoin-"Wale", die rund 40 Prozent der Währung kontrollieren, vorhaben, ist für Außenstehende nicht vorhersehbar.

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Mit dem Handel regulierter Derivate an einer offiziellen Börse beginnt ein neues Zeitalter für Bitcoin. Ob das für Anleger eine bessere Ära wird, ist zweifelhaft. Kritiker warnen vor Manipulationen und verweisen unter anderem auf den Einfluss der 1000 Bitcoin-"Wale".

Der erste Handelstag bietet einen Vorgeschmack, wie ein regulierter Handel mit Bitcoin-Produkten aussieht: Der Future - der Terminkontrakt für den Kauf eines Bitcoins im Januar - schoss von 15.000 auf zeitweise über 18.000 US-Dollar, um bis zum heutigen Morgen wieder auf unter 17.500 Dollar zu sinken. Allein in den ersten vier Stunden wurde der Handel zweimal von einem Sicherheitsmechanismus der Chicagoer Derivatebörse unterbrochen.

Solche Abschaltmechanismen unterbrechen den Handel immer dann automatisch, wenn die Kursausschläge zu groß werden. Unfreiwillig ging auch die Website der Börse zwischenzeitlich vom Netz. Das große Interesse am Bitcoin überstieg die Kapazität der sonst nahezu ausschließlich auf Besuche von Fachpublikum ausgerichteten Server.

Das erste Bitcoin-Produkt einer regulierten Börse gilt als Beginn einer neuen Ära. Futures werden traditionell als Instrumente zur Absicherung gegen Volatilität betrachtet. Zudem werden damit für vor allem für viele institutionelle Anleger erstmals Investitionen in die anonyme und unregulierte Kryptowährung möglich.

Die Nachrichten vom Wochenende werfen allerdings weitere Zweifel auf, wie riskant solche Investitionen sind. Kurzfristig jedenfalls blieb nicht nur der Bitcoin so volatil wie eh und je. Auch die neuen Futures schwankten am ersten Handelstag um rund 25 Prozent. Viele Händler weisen dabei darauf hin, dass sich die stabilisierende Wirkung der Termingeschäfte erst langfristig zeigen werde. Bei den derzeitigen Kursausschlägen handle es sich um Kinderkrankheiten, die mit der Zeit und einer steigenden Zahl von Marktteilnehmern verschwinden werden.

1000 Personen kontrollieren 40 Prozent der Bitcoin

Kritiker jedoch fürchten, dass bei den neuen Futures grundsätzlich das Risiko von Manipulationen bestehe, denn der dahinter stehende Wert, der Bitcoin, sei und bleibe manipulierbar. Die größte Gefahr wird in "Bang the Settlement"-Manipulationen gesehen. Das heißt, Betrüger könnten den Bitcoin-Kurs gezielt zum Fälligkeitstag eines Terminkontraktes in die von ihnen gewünschte Richtung lenken.

Diese Befürchtung wird unter anderem von einer Analyse des Finanz-Informationsdienstes Bloomberg vom Wochenende gestützt. Demzufolge kontrolliert eine relativ kleine Gruppe von nur etwa 1000 Personen rund 40 Prozent aller Bitcoin. Die meisten dieser sogenannten "Wale" sind seit der Anfangszeit der Digitalwährung dabei und haben große Mengen Bitcoin entweder selbst geschürft oder schon vor Jahren zum Kurs weniger Dollar gekauft.

Die Entwicklung von Bitcoin liegt weitgehend in den Händen der "Wale". Zieht man die rund 20 Prozent der Kryptomünzen ab, die Schätzungen zufolge herrenlos sind, kontrollieren sie sogar etwa die Hälfte der handelbaren Währungseinheiten. Zudem können sie sich untereinander koordinieren. Denn als Pioniere der Digitalwährung stehen viele von ihnen untereinander - persönlich oder unter Pseudonymen über das Netz - in Kontakt. Und da Bitcoin selbst nicht reguliert ist, ist eine solche Koordination anders als bei anderen Anlageklassen nicht verboten. So könnte bereits eine kleine Gruppe von "Walen" den Bitcoin-Kurs kurzfristig in jede beliebige Richtung schicken.

Quelle: n-tv.de, mbo

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