Wirtschaft

Krisenjet 737 Max Boeing rechnet mit Flugverbot bis Sommer

Seit fast einem Jahr bleiben weltweit Flugzeuge des Modells 737 Max am Boden. Hersteller Boeing erwartet, dass dies auch noch eine Weile so bleibt. Medienberichten zufolge geht der Konzern davon aus, dass eine Flugerlaubnis nicht vor Juni oder Juli erteilt wird. Anleger reagieren sofort.

Boeing geht davon aus, dass das Flugverbot für den Krisenjet 737 Max noch mehrere Monate andauert. Derzeit gehe der Konzern davon aus, dass die Flugzeuge "ab Mitte 2020" wieder starten dürften, erklärte das Unternehmen. Dies sei die bestmögliche Schätzung angesichts des laufenden Verfahrens für eine Wiederzulassung der Flugzeuge.

Boeing
Boeing 162,00

Zuvor hatten US-Medien berichtet, dass der US-Luftfahrtkonzern nicht damit rechne, dass die Baureihe vor Juni oder Juli wieder zugelassen wird. Der Hersteller habe bislang mit einem Start einige Monate früher gerechnet. Die 737 Max darf nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten seit Mitte März 2019 nicht mehr abheben - das Verbot gilt weltweit. Als entscheidende Ursache der verheerenden Unglücke gilt eine fehlerhafte Steuerungsautomatik der Flugzeuge.

US-Fluggesellschaften hatten sich bereits auf einen Ausfall bis mindestens in den Juni eingestellt. Trotzdem reagierten die Börsen auf die Mitteilung. Bereits nach ersten Medienberichten, die Aufhebung des Flugverbots könne sich weiter verzögern, sank der Kurs der Boeing-Aktie in New York drastisch. Die Aktie wurde deswegen vorübergehend aus dem Handel genommen. Boeing teilte mit, Kunden und Zulieferer über wahrscheinliche weitere Verzögerungen bei der Wiederzulassung der 737 Max informiert zu haben. Grund sei auch die "rigorose Prüfung" der Aufsichtsbehörden. Weitere Informationen will Boeing beim Quartalsbericht kommende Woche liefern.

"Höchster Zertifizierungsstandard" nötig

Die FAA gab in einer Stellungnahme bekannt, dass Boeings 737 Max die "höchsten Zertifizierungsstandards" erfüllen müsse, um wieder zugelassen zu werden. Beim Prüfungsprozess kooperiere die Behörde mit anderen internationalen Regulierern. "Wir haben keinen Zeitplan festgelegt, wann diese Arbeiten fertiggestellt werden", so die FAA.

*Datenschutz

Erst Ende vergangener Woche hatte Boeing bei der 737 Max ein neues Software-Problem entdeckt. Derzeit würden "notwendige Updates" und Änderungen vorgenommen, teilte der Konzern am Freitag mit. Sowohl die US-Flugaufsichtsbehörde FFA als auch Kunden und Zulieferer seien darüber informiert worden. Die Sicherheit und die Übereinstimmung mit den behördlichen Vorgaben habe "höchste Priorität", bevor der Maschinentyp wieder in Betrieb gehen könne, hieß es. Weitere Angaben machte Boeing nicht.

Für den Flugzeugbauer ist der Ausfall der 737 Max eine enorme Belastung, die hohe Sonderkosten und Imageschäden verursacht hat. Der Flugzeugtyp war bis zu den Abstürzen Boeings bestverkauftes Modell und einer der wichtigsten Gewinnbringer. Aufgrund der hohen Ungewissheit hinsichtlich der Wiederzulassung wurde die Produktion des Jets jüngst bis auf weiteres ausgesetzt. Im Dezember hatte Boeing im Zuge des 737-Max-Debakels Vorstandschef Dennis Muilenburg gefeuert, dessen Krisenmanagement für Kritik gesorgt hatte.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP