Wirtschaft

Notsignal am Immobilienmarkt Brexit-Angst löst Fonds-Alarm aus

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Der britische Einzelhandel schwächelt. Das bekommen längst auch schwere Immobilienfonds zu spüren.

(Foto: imago images/Jochen Tack)

In Großbritannien geht weiter die Angst vor dem Brexit um. Auch der britische Einzelhandel gerät zunehmend unter Druck. Anleger, die ihr Geld auf Verkaufsflächen gewettet haben, ziehen sich zurück. Vorzeige-Fonds brechen der Reihe nach ein.

In Großbritannien fliehen Investoren scharenweise aus dem Immobilienmarkt. Ein schwacher Einzelhandel und der drohende Brexit bringen zuletzt sogar eines der Flaggschiffe des Anbieters M&G in Bedrängnis und zwingen ihn, einen 2,5 Milliarden Pfund (rund 3 Milliarden Euro) schweren kommerziellen Immobilienfonds auf Eis zu legen. Die Fondsmanager konnten einfach nicht schnell genug ihre Gebäude verkaufen, um Anlegern das zurückgeforderte Geld auszuzahlen, heißt es. Durch die vorübergehende Stilllegung will sich M&G jetzt Zeit verschaffen.

"Die britischen Immobilienfonds spüren die Konsequenzen der politischen Unsicherheiten, die sowohl auf den Brexit als auch auf die potenziellen Auswirkungen der bevorstehenden Wahlen zurückzuführen sind", zitiert der Finanznachrichtensender CNBC den Vermögensverwalter Frasanara Filia. Schließlich hat auch der britische Einzelhandel mit dem Online-Geschäft einen großen Herausforderer: Kunden gehen immer seltener in traditionelle Geschäfte.

Sturz des Immobilienfonds unvermeidlich?

Infolgedessen schließen Einzelhändler entweder ihre Läden oder versuchen, niedrigere Mieten auszuhandeln. Auch darum überlegen es sich Investoren gut, ob sie ihr Geld in gewerbliche Immobilienfonds stecken. Weil sich abgestoßene Immobilien derzeit schlecht verkaufen lassen, fehlt es dem Sektor, in dem Vermögenswerte generell nicht schnell gekauft oder verkauft werden können, schlicht an Liquidität.

M&G war auf der Insel einer der größten Immobilienfonds seiner Art und hatte insgesamt in 91 britische Gewerbeimmobilien investiert. Im Portfolio befanden sich unter anderem auch Einkaufszentren und andere Einzelhandelsflächen sowie reine Büroimmobilien. Die Entscheidung von M&G fiel, nachdem Investoren ihr Geld aufgrund der Bedenken über den Brexit und die Zukunft des Einzelhandels abgezogen hatten.

Laut Einzelhandels-Experten war der Sturz des Immobilienfonds unvermeidlich. "Die Probleme von M&G sind das erste Anzeichen dafür, dass Immobilienfonds den Schmerz spüren, den Einzelhändler seit Jahren empfinden", zitiert der "Guardian" Jonathan de Mello von dem auf Einzelhandelsimmobilien spezialisierten Beraterhaus Harper Dennis Hobbs. Die Aussetzung sei eine verzweifelte Maßnahme, die nur kurzfristig helfe. Es sei sehr wahrscheinlich, dass die Anleger bei Wiederaufnahme des Handels noch schneller aussteigen werden.

Sollte der Fonds endgültig geschlossen werden, müssten die Manager womöglich andere Vermögenswerte aus ihren Beständen verkaufen, um wieder an ausreichend Mittel zu kommen, um den Forderungen der Anleger nachzukommen. Solange der Fondsanbieter bei Kasse bleibt, ist das Geld der Anleger also nicht komplett weg. Auf die erhofften Wertsteigerungen müssen Fondsanleger aber wohl größtenteils verzichten. Im Fall eines Ausverkaufs bekommen Anleger in der Regel weniger raus als sie investiert haben.

Auch Konkurrenz ist in Schwierigkeiten

Dass M&G längst keine Ausnahme ist, zeigen auch die knapp 57 Millionen Pfund, die in der vergangenen Woche insgesamt aus britischen Immobilienfonds abgezogen worden sind. Die Angst vor Nachahmern wächst: "Eine Aussetzung kann einen Dominoeffekt auslösen, da andere Investoren sich Sorgen machen, dass sie keinen Zugang zu ihrem Geld haben", sagte Darius McDermott von Chelsea Financial Services dem "Guardian".

Denn auch die Konkurrenz gerät in immer größere Schwierigkeiten. Insgesamt sieben Immobilienfonds sind seit der Brexit-Abstimmung 2016 ausgesetzt worden, berichtet die "Financial Times". Erst Anfang des Jahres löste die Aussetzung des Branchenschwergewichts Neil Woodford Bedenken über schwer zu verkaufende Vermögenswerte aus.

Quelle: ntv.de, jki