Wirtschaft

Trump als "Cheerleader" in Davos "Bringt eure Jobs in die USA!"

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Alpenidyll: Trump mit Schweizer Musikern in Davos.

(Foto: REUTERS)

Donald Trump trifft auf die globale Elite in Davos. Kommt es zum Eklat oder zur Versöhnung? Der populistische Präsident vermeidet beides und erklärt, warum seine nationalistische Interessenpolitik doch allen nütze.

"Ich bin ein Cheerleader für mein Land", erklärt Donald Trump nach seiner Rede selbst und gibt damit die treffendste Analyse seines Auftritts beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Der US-Präsident ist nicht - wie teils befürchtet, teils erhofft - mit einer politischen Botschaft gekommen, sondern in erster Linie mit einer Werbebotschaft für sich und für sein Land. "Jetzt ist der beste Zeitpunkt, in den USA zu investieren", wiederholt er mehrfach.

Heftig war darüber spekuliert worden, was der populistische US-Präsident den 3000 Vertretern der globalen liberalen Elite sagen würde. Trumpft er ähnlich aggressiv auf wie bei seiner Amtsantrittsrede vor einem Jahr und reibt den Globalisierungsanhängern die vermeintlichen und tatsächlichen Erfolge seines nationalistischen Kurses unter die Nase? Für diesen Fall sollen angeblich einige Teilnehmer des Forums schon vor der Rede angekündigt haben, Trump demonstrativ den Rücken zuzudrehen oder den Saal zu verlassen.

In anderen Berichten hatte es dagegen geheißen, Trump habe eine versöhnliche Botschaft und werde seine bisherige Absage an multilaterale Zusammenarbeit relativieren. Er werde sogar eine Rückkehr zum Pariser Weltklimaabkommen in Aussicht stellen, berichteten Medien unter Berufung auf Mitarbeiter Trumps. Nachdem seine Regierung in den vergangenen Tagen mehrere Strafzölle erlassen und sein Handelsminister sogar offen von "Handelskriegen" gesprochen hatte, waren besonders Trumps Äußerungen zum Thema Handel mit Spannung erwartet worden.

Doch Trump enttäuscht sowohl die, die Krawall erwartet, als auch diejenigen, die sich politische Entspannungssignale erhofft hatten. Seine Ausführungen zu Handel und Globalisierung beschränken sich weitgehend auf die bekannte Formel, freier Welthandel sei gut, aber müsse eben "fair und gegenseitig" sein. Solange die US-Interessen darin gewahrt würden, stünde seine Regierung auch bereit für multilaterale Handelsabkommen wie die Transpazifische Partnerschaft. "Amerika zuerst" bedeute nicht "Amerika allein", so Trump.

Seitenhieb mit Fehler

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und andere Staatschefs hatten an selber Stelle in den vergangenen Tagen ausführlich erklärt, warum vertiefte globale Zusammenarbeit im Moment wichtiger sei denn je. Trump geht darauf nicht direkt ein, führt aber aus, dass seine nationalistische Interessenpolitik doch für die ganze Welt das Beste sei. Schließlich nützten die Forschungen von US-Spitzenwissenschaftlern doch allen Menschen auf der Welt. Und aufgrund des - von ihm ermöglichten - enormen Wirtschaftswachstums in den USA Jobs entstünden Jobs auch in anderen Ländern, erläutert Trump, um kurz darauf die anwesenden Unternehmensbosse unverhohlen aufzufordern: "Bringt eure Unternehmen, eure Jobs und eure Investitionen in die USA!"

Nur am Ende in einem aus zwei Fragen und zwei Antworten bestehenden kurzen Gespräch mit Davos-Chef Klaus Schwab kann Trump sich einen Seitenhieb auf sein liberales Publikum nicht verkneifen - ebenso wenig wie eine seiner typischen Übertreibungen. Um 50 Prozent seien die Börsenkurse seit seiner Wahl gestiegen, behauptet Trump. Dagegen wären sie um 50 Prozent gefallen, wenn seine Gegner gewonnen hätten, "die einige von Ihnen unterstützt haben". Es dauert nur wenige Minuten, bis die ersten Trump so verhassten US-Medien melden: Nicht um die Hälfte, sondern um ein Drittel ist zum Beispiel der Aktienindex S&P 500 seit November 2016 gestiegen.

Quelle: ntv.de

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