Wirtschaft

Nicht mit Unternehmen abgestimmtBritischer Milliardär will Hugo Boss feindlich übernehmen

11.06.2026, 10:44 Uhr
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Die von Mike Ashley kontrollierte britische Frasers Group hat nach und nach bei Hugo Boss aufgestockt. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Hugo Boss steckt mitten in einer Neuausrichtung. Die geänderte Strategie soll die Effizienz verbessern. Nun greift der britische Milliardär Mike Ashley nach dem schwäbischen Modekonzern. Das Unternehmen ist davon offenbar wenig begeistert.

Bei Hugo Boss könnte ein Übernahmeangebot des britischen Milliardärs Mike Ashley für Aufmerksamkeit sorgen. Die Frasers Group, ein von Ashley beherrschter britischer Textilien-, Schuh- und Sporthändler, bietet den Aktionären des deutschen Premium-Bekleidungsunternehmens 38,00 Euro in bar je Aktie. Die Offerte sei jedoch nicht mit dem Unternehmen abgestimmt, teilte Hugo Boss mit und betonte in einer Mitteilung die geringe Prämie von rund 4 Prozent auf den jüngsten Schlusskurs.

Nach dem Angebot griffen die Anleger zu, die Papiere stiegen in der Spitze um sieben Prozent auf 39 Euro. Nach Ansicht der Analysten von Metzler erscheint das Übernahmeangebot der Frasers Group für Hugo Boss von 38 Euro in bar je Aktie jedoch wenig überzeugend. Sie rechnen aber nicht damit, dass Gegenangebote kommen werden. Metzler sieht 38 Euro für die nächste Zeit als Untergrenze für die Bewertung an, auch wenn der Weg für weitere Kursgewinne zum jetzigen Zeitpunkt unklar erscheine.

Ein Händler merkt zur Reaktion von Hugo Boss an: "Es ist auffallend, wie sie die Mini-Übernahmeprämie zitieren, ohne sie direkt noch zu kommentieren". Boss signalisiere damit jedoch unmissverständlich, dass sie "lächerlich gering" sei. Noch vor einem Jahr habe die Aktie im Schnitt um 42 Euro gehandelt, davor in Bereichen von 50 oder zeitweise über 60 Euro. Der Markt spekuliere auf ein erhöhtes Gebot, meint der Händler.

Derzeit hält Frasers 26,1 Prozent direkt an Hugo Boss, außerdem signifikante Optionen auf weitere Aktien. Die Briten hatten sich nach eigenen Angaben dazu entschieden, das Übernahmeangebot zu lancieren, um weitere Investitionen in den Konzern zu erleichtern. Bei Überschreiten der Schwelle von 30 Prozent wäre ein Pflichtangebot fällig geworden.

Frasers macht Kehrtwende

Die Frasers Group hatte ihren Anteil an dem Metzinger Modekonzern in der Vergangenheit kontinuierlich ausgebaut und vor einem Jahr die Schwelle von 25 Prozent überschritten. Zudem zeigte sich der Großaktionär Ende November mit der Arbeit von Boss-Aufsichtsratschef Stephan Sturm unzufrieden und kündigte an, ihn nicht mehr zu unterstützen.

Die Kehrtwende kam dann jedoch am Dienstag. Die Frasers Group teilte mit, dass sie ihre Position in Bezug auf Stephan Sturm, den ehemaligen Chef von Fresenius, neu bewertet habe. Nunmehr wolle die Gesellschaft Sturm in seiner Funktion als Vorsitzender des Aufsichtsrats von Hugo Boss unterstützen.

Der vor mehr als 100 Jahren gegründete schwäbische Textilkonzern steckt mitten in einer Neuausrichtung. Hugo Boss hatte im Dezember angekündigt, das Sortiment und den Vertrieb in den nächsten drei Jahren grundlegend umzubauen und dafür 2026 sinkende Umsätze und Gewinne in Kauf zu nehmen. Die neue Strategie mit dem Namen "Claim 5 Touchdown" solle die Effizienz verbessern und "den Weg für nachhaltiges, profitables Wachstum" ebnen.

Die Frasers Group ist in Deutschland keine Unbekannte: Sie hatte in der Vergangenheit bereits die Fühler nach der Kette SportScheck ausgestreckt, die dann aber an den italienischen Sportfachhändler Cisalfa ging. Erst Anfang März hatte Frasers den Einstieg beim Herzogenauracher Sportartikelhersteller Puma bekannt gegeben. Der Unternehmer Ashley hatte 1982 sein erstes Sportgeschäft im britischen Maidenhead eröffnet. Ende der 90er-Jahre waren es schon rund 100 Läden. Seitdem hat er sein Imperium über den Verkauf von Sportartikeln hinaus ausgebaut und setzt auf weltweit bekannte Luxus-Marken.

Quelle: ntv.de, gut/DJ/rts

Übernahmen und FusionenModeHugo Boss AG