Wirtschaft

Corona verschärft Preisauftrieb Bundesbank fürchtet Immobilienblase

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Luxus-Wohnungen in Berlin-Schöneberg: Die Bundesbank sieht eine Preisüberbewertung von bis zu 30 Prozent.

(Foto: picture alliance / Wolfram Steinberg)

Ausgangssperre, zu Hause bleiben, andere Menschen meiden: Spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie ist jedem klar, wie erstrebenswert die eigene Behausung sein kann. Die Bundesbank ist von diesem Trend jedoch alarmiert und fürchtet eine weiter wachsende Preisblase bei Immobilien.

Im Corona-Jahr 2020 hat sich der Trend zu überhöhten Immobilienpreisen vor allem in deutschen Großstädten nach Einschätzung der Bundesbank noch verschärft. Es gebe Anzeichen dafür, dass "die markanten Preisübertreibungen auf den städtischen Wohnungsmärkten während der Coronavirus-Pandemie ... etwas zunahmen", warnte die Notenbank in ihrem Monatsbericht Februar. "Aktuellen Schätzergebnissen zufolge lagen die Preise in den Städten nach wie vor zwischen 15 Prozent und 30 Prozent über dem Wert, der durch demografische und wirtschaftliche Fundamentalfaktoren angezeigt ist."

Der breit angelegte, kräftige Preisauftrieb bei Wohnimmobilien in Deutschland setzte sich während der Coronavirus-Pandemie fort, wie die Bundesbank feststellte. "Dabei deutet sich an, dass die Regionen außerhalb der Städte weiter an Attraktivität gewannen." Die Bundesbank verwies unter anderem auf Zahlen des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (vdp) wonach sich die Preise für Wohneigentum im vergangenen Jahr um 7,5 (Vorjahr: 6,75) Prozent erhöhten. Das Statistische Bundesamt hatte bereits Ende Dezember über einen kräftigen Anstieg der Immobilienpreise berichtet. Nach Einschätzung der Bundesbank könnte sich "der Stellenwert von Wohneigentum in den Konsumplänen der privaten Haushalte aufgrund der Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie dauerhaft erhöht haben".

Trend zur Großwohnung ausgebremst

Die Preisanstiege der vergangenen Jahre auf dem Immobilienmarkt haben nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) den langfristigen Trend zu größeren Wohnungen bereits spürbar verlangsamt. Unter Mieterhaushalten in den Großstädten ging die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf im vergangenen Jahrzehnt sogar zurück, wie eine IW-Studie ergab. Berechnungen der Ökonomen auf Basis des sozio-oekonomischen Panels zeigen allerdings große Unterschiede in der Verteilung des Wohnraums. Eigentümer wohnen demnach im Schnitt in 125 Quadratmeter großen Wohnungen, Mieter dagegen auf 75 Quadratmetern - pro Kopf sind es bei Eigentümern 48 Quadratmeter Fläche und bei Mietern 35 Quadratmeter.

Trotz steigender Preise sind Eigentumswohnungen laut einer weiteren IW-Studie in einigen deutschen Großstädten aber genau genommen sogar erschwinglicher geworden. Grund seien gesunkene Zinsen, die Hypothekenkredite billiger machten und den Effekt steigender Preise überkompensierten, erklärte die IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. Jedoch könnten viele Haushalte davon nicht profitieren, weil sie zu wenig Eigenkapital für den Immobilienkauf und die dabei fälligen Nebenkosten wie Notar und Grunderwerbssteuer besäßen.

Sinkende Zinsen machen Kauf erschwinglich

Für das Papier im Auftrag des Düsseldorfer Immobilienkonzerns LEG wurden die Preise für Wohneigentum in 50 Großstädten hierzulande analysiert. In 38 der betrachteten 50 Großstädte seien die Amortisationszeiten für ein Hypothekendarlehen zwischen 2011 und 2020 gesunken, wenn man die Differenz von Miete und Finanzierungskosten als Tilgung ansetze, so die IW-Experten. Je niedriger die Zinslast, desto mehr können Käufer von ihrem Kredit abbezahlen, was ihnen einen Vorteil gegenüber Mietern verschaffen kann.

In 12 Großstädten hat sich dagegen das Verhältnis von Kaufpreis, Miete und Zins verschlechtert, darunter Berlin, Augsburg, Mainz und Hamburg. Doch insgesamt sei die Erschwinglichkeit von Wohneigentum gestiegen, so Voigtländer. In fast der Hälfte der Großstädte könne Wohneigentum binnen 35 Jahren abbezahlt werden kann, ohne stärker als ein Mieter belastet zu sein.

Quelle: ntv.de, mau/dpa