Wirtschaft

Merkel auf der Kloschüssel "Charlie Hebdo" wirbt um deutsche Leser

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Ab dem 1. Dezember soll die deutsche Ausgabe starten.

(Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Merkel, die eine Satirezeitung auf den stillen Örtchen liest - damit wirbt "Charlie Hebdo"-Chef Riss um einen erfolgreichen Markteintritt in Deutschland. Die Zeitung brauche mehr "Verbündete" gegen Kritik von Politikern und Religionsvertretern.

"Charlie Hebdo"-Chef Riss will deutsche Leser für den nicht immer unumstrittenen Humor der bekannten französischen Satirezeitung gewinnen. "Ich will den Deutschen zeigen, dass auch sie 'Charlie Hebdo' verstehen und darüber lachen können", sagte Riss vor dem Start der deutschen Ausgabe der Zeitung.

Im ironischen, "ein wenig zynischen" Humor der Satirezeitung gebe es eine "universelle Dimension", sagte der Karikaturist, der mit richtigem Namen Laurent Sourisseau heißt. "Er ist nicht typisch Französisch. Ein Amerikaner kann ihn verstehen, ein Deutscher kann ihn verstehen. Wir reden ja nicht Chinesisch."

Zugleich ist Riss auf Kritik an den bissigen, manchmal derben Karikaturen der Satirezeitung gefasst: "Nicht jeder wird 'Charlie Hebdo' mögen, wie auch in Frankreich nicht jeder 'Charlie Hebdo' mag."

Die Satirezeitung, die im Januar 2015 Ziel eines islamistischen Anschlags wurde, startet am Donnerstag eine deutsche Ausgabe. Sie soll mit einer Startauflage von zunächst 200.000 Exemplaren in den Handel kommen. Für die wöchentlich erscheinende deutsche Version - Kaufpreis vier Euro - werden vor allem Texte und Karikaturen des französischen Originals übersetzt. Vorgesehen sind aber auch eigene Inhalte.

"Für uns ist das ein Experiment", sagte Riss in Paris. "Wir wollen versuchen, uns eine Leserschaft im Ausland aufzubauen."

Deutsche Leser als "Verbündete"

Angesichts der Kritik von Politikern und Religionsvertretern, der sich die Satirezeitung wegen ihrer Karikaturen immer wieder ausgesetzt sieht, wolle er deutsche Leser als "Verbündete" gewinnen: "Ich hätte gerne, dass jeder Leser 'Charlie Hebdo' verteidigt. Ich will, dass wir nicht mehr alleine sind. Manchmal fühlen wir uns sehr allein gelassen, auch wenn viele uns unterstützt haben."

Die Satirezeitung hatte nach dem Anschlag vom 7. Januar 2015 mit zwölf Toten eine riesige Welle der Solidarität erfahren. Immer wieder ist "Charlie Hebdo" aber auch für seine Karikaturen scharf kritisiert worden.

Das Werbeplakat zur Markteinführung von "Charlie Hebdo" in Deutschland dürfte für Wirbel sorgen: Eine Karikatur von Riss zeigt Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer Kloschüssel sitzend mit einem Exemplar der Satirezeitung in den Händen. Titel: "Charlie Hebdo wirkt befreiend."

Quelle: ntv.de, ddi/AFP