US-Startup mit MilliardenverlustChef von E-Autobauer verdient mehr als 400 Millionen Dollar

Die Vergütung von Robert Joseph "RJ" Scaringe im vergangenen Jahr ist eine der höchsten aller Zeiten für einen Unternehmenschef. Dabei verdient der von ihm gegründete E-Autobauer Rivian 2025 unterm Strich kein Geld - wie in den Jahren zuvor. Wenn der Aktienkurs kräftig steigt, könnte Scaringe sogar mehrere Milliarden verdienen.
Die bisherige Erfolgsbilanz des amerikanischen E-Autobauers Rivian ist überschaubar: Etwas mehr als 42.000 Autos verkaufte das kalifornische Startup, zu dessen größten Anteilseignern der deutsche Volkswagen-Konzern gehört, im vergangenen Jahr. Zwar erwirtschaftete Rivian erstmals einen bescheidenen Bruttogewinn, unterm Strich verbrannte das Unternehmen allerdings wie jedes Jahr seit seiner Gründung 2009 Geld. 2025 lag der Verlust bei 3,6 Milliarden Dollar. In einer Kategorie allerdings stellt Rivian alle Platzhirsche der Autobranche in den Schatten: Wie aus einer Meldung des Unternehmens an die US-Finanzaufsicht hervorgeht, belief sich die Vergütung für den Gründer und Chef von Rivian, Robert Joseph "RJ" Scaringe, auf mehr als 400 Millionen Dollar.
Das ist nicht nur mehr als das 50-fache des Chefgehalts bei Rivians deutschem Partner, dem VW-Konzern, der immerhin mehr als 200 Mal so viele Autos verkauft. Selbst für amerikanische Konzerne, deren Spitzengehälter deutlich höher sind als in Deutschland, ist Scaringes Vergütung extrem. Die CEOs beispielsweise von Ford und General Motors verdienten im vergangenen Jahr etwas unter 30 Millionen Dollar.
Scaringes Vergütung bestand 2025 den Angaben zufolge aus einem Grundgehalt von 1,1 Millionen Dollar sowie einem Bonus von einer Million Dollar. Dazu erhielt er Aktien für mehr als 26 Millionen Dollar und Optionen mit einem aktuellen Gegenwert von 373 Millionen Dollar. Diese Optionen ermöglichen Scaringe, künftig Rivian-Aktien zum Kurs von rund 15 Dollar zu kaufen. Aktuell notieren die Papiere bei 16,70. Allerdings muss das Unternehmen unter seiner Führung in den kommenden Jahren ehrgeizige Ziele bei Umsatz, Gewinn und beim Aktienkurs erreichen, bevor Scaringe seine Optionen ausüben darf.
Die maximale Zahl an Aktien kann Scaringe bekommen, wenn deren Kurs bis 2032 auf mindestens 140 Dollar steigt. Dann würde der Wert aller Optionen mehr als vier Milliarden Dollar betragen. Dieses extreme Vergütungspaket hatte Rivian im vergangenen November eingeführt. Es soll nach Angaben des Unternehmens dafür sorgen, dass der Gründer an seine Firma gebunden und einer maximalen Steigerung des Börsenwerts verpflichtet bleibt.
Vorbild für die Regelung war offenbar die Regelung, die Tesla kurz zuvor eingeführt hatte. Die Vergütung von Elon Musk ist ähnlich aufgebaut, allerdings sind die Ziele und der Wert der in Aussicht gestellten Aktienoptionen extremer. Der jetzt schon reichste Mensch aller Zeiten könnte bis zu einer Billion Dollar erhalten, wenn er den Börsenwert von Tesla auf 8,5 Billionen Dollar hochschraubt – so hoch wurde noch nie ein Unternehmen bewertet.
Bislang ist die Entwicklung der Rivian-Aktie alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Kurz nach dem Börsengang 2021 stieg der Kurs auf über 130 Dollar, um dann zweitweise auf unter 10 Dollar abzustürzen. Aktuell notiert sie bei 16,70 Dollar. Doch auch wenn es der Rivian-Gründer nicht schafft, die ehrgeizigen Kursziele zu erreichen, kann er mit Gehaltssteigerungen rechnen. Sein Grundgehalt soll sich schon in diesem Jahr auf zwei Millionen Dollar verdoppeln, die Bonuszahlung soll auf 1,7 Millionen Dollar steigen.