Wirtschaft

Neuer Kalter Krieg im Pazifik? China pumpt Milliarden ins Militär

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Einsatzfähig an jedem einzelnen Punkt der Erdoberfläche: Kein Staat der Welt gibt mehr Geld für das Militär aus als die Vereinigten Staaten.

(Foto: REUTERS)

Die militärische Weltkarte verändert sich dramatisch. Mit gewaltigen Summen treiben aufstrebende Mächte in geopolitischen Spannungszonen einen neuen Rüstungswettlauf voran. Studien belegen: China holt rapide auf. Die Nummer 1 bleibt unangefochten.

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Unangenehme Wahrheit: Der neue Rüstungswettlauf am Golf und im Fernen Osten sichert über Exportprodukte wie den "Leopard II" auch deutsche Arbeitsplätze.

(Foto: dpa)

Trotz großer Rüstungsanstrengungen in China bleiben die USA nach Einschätzung des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) auf absehbare Zeit die mit Abstand stärkste Militärmacht der Welt.

China unternehme allerdings erhebliche Anstrengungen, seine militärische Schlagkraft auszuweiten, betonte der Generaldirektor des Instituts, John Chipman. Er verwies dazu unter anderem auf den Bau von Flugzeugträgern, mit dem Peking die Rolle einer führenden Seemacht im Pazifik anstrebt.

Mit Militärausgaben im Umfang von 112 Milliarden Dollar kommt China im aktuellen IISS-Bericht auf den zweitgrößten Rüstungsetat der Welt. Die Studie befasst sich unter dem Titel "Die militärische Balance 2014" mit der Verteilung militärischer Macht in den verschiedenen strategischen Regionen rund um den Erdball. Die IISS-Analyse stützt sich dabei auf eine Auswertung der Rüstungsaktivitäten in 171 Ländern.

Drohnen, Stealth-Jets und Flugzeugträger

Von einer Machtbalance im Sinne eines militärischen Gleichgewichts kann dabei keine Rede sein: Gemessen an den jährlichen Ausgaben im Verteidigungshaushalt liegen die Vereinigten Staaten mit ihren weltweit aktiven Hightech-Streitkräften allen anderen Groß- und Regionalmächten unangefochten weit voraus.

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Chinesischer Ehrgeiz: Peking pumpte zuletzt mehr als 100 Milliarden Dollar in die Modernisierung der Streitkräfte.

(Foto: REUTERS)

Der Studie zufolge haben die Rüstungsausgaben der weltgrößten Wirtschaftsmacht zuletzt ein Volumen von mehr als 600 Milliarden Dollar erreicht. Dagegen erscheinen die 112 Milliarden Dollar, mit denen China Armee, Luftwaffe und Marine aufrüstet, beinahe gering.

Sorgen bereitet den Beobachtern vielmehr die Dynamik, mit der die Machthaber in Peking ihre Rüstungsausgaben ausweiten. Allein in den zehn Jahren von 2001 bis 2011 stiegen die Militärausgaben im chinesischen Staatshaushalt um fast 190 Prozent an.

Dem Bericht zufolge bestätigt sich die Tendenz, dass die asiatischen Länder insgesamt ihre Militärausgaben stetig ausbauen. Demnach stiegen die Ausgaben effektiv, also nach Herausrechnung der Inflation, zwischen 2010 und 2013 auf dem asiatischen Kontinent insgesamt um 11,6 Prozent.

Neben China sind es insbesondere Länder wie Japan, Singapur und Südkorea, die sich nicht zuletzt durch die Drohgebärden ihrer Nachbarn in Gefahr sehen. In Europa sanken die Ausgaben im gleichen Zeitraum hingegen um 2,5 Prozent.

Der automatisierte Krieg

Eine ganz andere Entwicklung aus der militärischen Luftfahrt dürfte unterdessen das Gesicht des Krieges für immer verändern. Unbemannte Kampfflugzeuge, sogenannte Drohnen, werden aufgrund des technischen Fortschritts immer kostengünstiger und nach Einschätzung der IISS-Experten auch immer häufiger zu militärischen Zwecken eingesetzt werden.

Damit gewinnen auch die rechtlichen und ethischen Diskussionen über den Einsatz der Flugkörper an Schärfe, erklärten die Rüstungsforscher des britischen Instituts. Demnach werden die Flugsysteme immer kleiner, was den finanziellen Aufwand in der Produktion ebenso reduziert wie die anfallenden Abschreibungen im Fall eines Verlusts.

Ungeklärte Rechtsfragen

Künftig können sich damit nicht nur nur hochgerüstete westliche Staaten Drohnen leisten, sondern auch finanzschwächere Länder, Unternehmen oder sogar Privatpersonen, wie der Bericht hervorhebt. Der "Military Balance 2014"-Report sieht vor diesem Hintergrund schwierige Diskussionen über den Einsatz der Drohnen. Dass eine "tödliche Aktion von einer Maschine entschieden" werde, bleibe eine Grenze, welche die Gesetzgebung und die Öffentlichkeit "wahrscheinlich nicht bereit sein werden zu überschreiten".

Das Beratungsunternehmen IHS, Herausgeber von Fachpublikationen wie "Jane's Defence Weekly", geht davon aus, dass die weltweiten Militärausgaben 2014 erstmals seit fünf Jahren wieder ansteigen werden. Die Verteidigungsbudgets dürften auf insgesamt 1,55 Billionen Dollar (1,15 Billionen Euro) anwachsen, erklärte das Beratungsunternehmen IHS. Dies ist zwar nur ein sehr geringer Anstieg um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr; es ist aber der erste Anstieg seit 2009.

IHS-Daten bestätigen IISS-Trend

"Russland, Asien und der Nahe Osten werden die Motoren des für dieses Jahr erwarteten Wachstums", prognostizierte Paul Burton von der IHS-Verteidigungssparte Jane's. So will Russland seine Militärausgaben über die kommenden drei Jahre um 44 Prozent erhöhen.

China wird demnach 2015 für die Verteidigung mehr ausgeben als Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen. In den Berechnungen der IHS Studie kam China 2013 auf einen Verteidigungshaushalt von 139 Milliarden Dollar. Peking steht damit auch in der IHS-Rangfolge hinter den USA (582 Milliarden Dollar) auf Platz zwei.

Chancen für deutsche Exporteure

Auch im Nahen Osten seien die Militärausgaben seit 2011 stark angestiegen, heißt es in der IHS-Studie weiter. Insbesondere in Saudi-Arabien und Oman seien größere Rüstungsanstrengungen zu beobachten. Saudi-Arabien dürfte Deutschland demnach in diesem Jahr bei den Militärausgaben überrunden und auf Platz 8 landen.

Einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Ausgaben dürften saudische Militärplaner nach dem Willen der Bundesregierung nach Deutschland überweisen. Die deutsche Rüstungsindustrie ist auf zahlungskräftige Exportpartner angewiesen und bemüht sich um entsprechende Kontakte.

IHS Jane's wertet für seinen Bericht die Verteidigungsbudgets von 77 Staaten aus, die zusammen für 97 Prozent der weltweiten Militärausgaben stehen.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa

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