Wirtschaft
Freitag, 17. Oktober 2014

Längste Schnellzugstrecke der Welt: China und Russland planen Superbahn

Bislang dauert die Bahnfahrt zwischen Moskau und Peking sechs Tage. Das wollen China und Russland ändern - sie planen einen Schnellzug, der nicht mal zwei Tage brauchen würde. Ein symbolisches Projekt für die ohnehin eng verbundenen Länder.

Ein China Railway High-speed-Zug (CRH): China ist das Land mit dem größten Netz an Schnellzugverbindungen.
Ein China Railway High-speed-Zug (CRH): China ist das Land mit dem größten Netz an Schnellzugverbindungen.(Foto: picture alliance / dpa)

Russland und China erwägen einem Medienbericht zufolge den Bau einer Schnellzugstrecke zwischen ihren Hauptstädten Moskau und Peking. Die Fahrtzeit zwischen den beiden Metropolen könnte so von sechs auf weniger als zwei Tage reduziert werden, berichteten chinesische Medien. Es wäre die längste Schnellzugverbindung der Welt und ein starkes Symbol für den Schulterschluss beider Nationen.

Chinas Regierungschef Li Keqiang hatte Anfang der Woche Moskau besucht, wo er von seinem Kollegen Dmitri Medwedew und Präsident Wladimir Putin empfangen wurde. Bei dem Besuch hätten beide Seiten ein Memorandum unterzeichnet, in dem China sein Interesse am Bau einer Schnellzugtrasse zwischen Moskau und Kasan bekundet, berichtete der staatliche chinesische Fernsehsender CCTV. Putin hatte bereits im vergangenen Jahr eine Schnellzugstrecke in die Hauptstadt der ölreichen Republik Tatarstan angekündigt. Doch dann versandeten die Pläne wegen zu hoher Kosten.

Derzeit zwei Züge je Woche

Sollte nun China die rund 800 Kilometer lange Strecke errichten, könnte dies die erste Etappe der mehr als 7000 Kilometer langen Strecke von Moskau nach Peking werden. Derzeit fahren pro Woche zwei Züge auf der 1954 eröffneten Direktverbindung zwischen beiden Hauptstädten. Dabei rollen die Züge über die Strecke der transsibirischen Eisenbahn, die sich im Osten aufteilt. Ein Gleis führt weiter in die russische Pazifikmetropole Wladiwostok. Ein anderes führt über die mongolische Hauptstadt Ulan Bator in Richtung Süden nach China.

Binnen fünf Jahren könnte der Bau zu schaffen sein, schrieb die "Beijing Times" unter Berufung auf den Eisenbahnexperten Wang Mengshu. Einer Studie zufolge würde der Streckenkilometer etwa 33 Millionen Dollar kosten, berichtete die Zeitung. Die gesamte Strecke würde demnach mit 230 Milliarden Dollar (rund 180 Milliarden Euro) zu Buche schlagen.

Größtes Netz an Schnellzugverbindungen weltweit

China ist das Land mit dem größten Netz an Schnellzugverbindungen weltweit und will das Streckennetz bis zum Jahr 2020 auf 16.000 Kilometer ausbauen. Mit mehr als 2000 Kilometern ist derzeit die Verbindung zwischen Peking und Guangzhou die längste Schnellzugverbindung der Welt. Mit seiner Schnellzugkompetenz ist China ein echter Konkurrent für westliche Firmen wie Siemens, Alstom und Bombardier, denn auch Peking will die Technologie ins Ausland exportieren.

Eine Strecke quer über den eurasischen Kontinent passt da ins Bild. Putin hatte in diesem Jahr für mehrere Tage China bereist und dabei umfangreiche Kooperationsabkommen unterzeichnet. Die Nachbarstaaten sind wirtschaftlich zunehmend eng verknüpft. Der verstärkte Ostkurs des Kreml wurde auch als Reaktion auf die Wirtschaftssanktionen des Westens wegen des Ukraine-Konflikts interpretiert. Peking wiederum findet in Russland einen Partner mit gigantischen Ressourcen, aber ohne Neigung, Pekings innere Angelegenheiten öffentlich zu kritisieren.

Dutzende Wirtschaftsverträge unterzeichnet

Beim Besuch des chinesischen Regierungschefs Li Keqiang in Moskau Anfang der Woche wurden nach Angaben des russischen Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew rund 40 "wichtige" Wirtschaftsverträge unterzeichnet. Am Montag unterschrieben Li und Medwedew die zwischenstaatlichen Verträge für die Lieferung großer Mengen Erdgas an China ab 2018. Das Geschäft hatten beide Staaten bereits im Mai vereinbart.

Hinter den Abkommen mit dem Nachbarland China steht auch der Wunsch Russlands, seine Ausrichtung im Außenhandel zu verändern. Moskau versucht, sich dabei stärker Richtung Asien und weniger nach Europa zu orientieren. Dies liegt zum einen am stärkeren asiatischen Wirtschaftswachstum, zum anderen hatten sich zuletzt wegen der Ukraine-Krise die Spannungen zwischen dem Westen und Russland deutlich verschärft. Am Dienstag wurde Li von Präsident Wladimir Putin empfangen.

Am ersten Tag seines Besuchs in Moskau wurden neben dem Erdgasgeschäft auch eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen dem russischen Ölkonzern Rosneft und dem chinesischen Unternehmen CNPC beschlossen; ferner der Bau einer Autofabrik in Lipezk rund 500 Kilometer südlich von Moskau.

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Quelle: n-tv.de