Wirtschaft

Krimi beim Film-Konzern Constantin verliert Chef und Aufsichtsrat

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Hahn und Kogel, Verfechter der Neuausrichtung, räumen ihre Posten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit mehr als einem Jahr streiten sich zwei mächtige Investoren um das Herzstück der deutschen Filmindustrie. Constantin hat nicht nur Kinohits wie "Schuh des Manitu" und "Fack ju Göhte" hevorgebracht, sondern auch einen Wirtschaftskrimi in eigener Sache.

Der Machtkampf der zwei verfeindeten Großaktionäre um die Constantin Medien hat einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Auf der Hauptversammlung traten sowohl Vorstandschef Fred Kogel als auch der gesamte Aufsichtsrat um den Vorsitzenden und Constantin-Großaktionär Dieter Hahn zurück. Auf dem Aktionärstreffen müssen nun alle sechs Aufsichtsratsmandate neu vergeben werden.

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Zuvor hatte der ehemalige CEO Bernhard Burgener, der wie Hahn knapp 30 Prozent der Aktien kontrolliert, über seine Gesellschaft Highlight Event und Entertainment in einer Ergänzung zur Tagesordnung gefordert, den Constantin-Aufsichtsrat abzuberufen und Kogel das Vertrauen zu entziehen. Er schlug im Gegenzug eigene Kandidaten für den Aufsichtsrat vor.

Außerdem forderte er die Aktionäre auf, Schadenersatzansprüche gegen Kogel sowie die anderen Vorstände Peter Braunhofer und Olaf Schröder und das ehemalige Vorstandsmitglied Leif Arne Anders wegen Pflichtverletzung geltend zu machen. Sie hätten es versäumt, etwas gegen das Gebaren des damaligen Versammlungsleiters Franz Enderle rund um die Hauptversammlungen im Juli und November 2016 zu unternehmen. 

Streit um Neuausrichtung

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im November 2016 war eine Neuausrichtung von Constantin Medien beschlossen worden. Das traditionsreiche Filmgeschäft sollte verkauft werden, stattdessen wollte man sich auf die Segmente Sport sowie Sport- und Event-Marketing konzentrieren. Allerdings war Burgener, der die Pläne vehement ablehnt, von der Abstimmung ausgeschlossen worden. Der Konzern erklärte das mit einer falschen Stimmrechtsmitteilung. Am Ende musste die Security einschreiten, um die Versammlung durchführen zu können.

Die neue Strategie konnte bislang nicht umgesetzt werden. Stattdessen kam im Juni die Kehrtwende, als Constantin erklärte, den Sender Sport1 zu Geld machen zu wollen. In einem Medienbericht tauchte Axel Springer als Interessent auf. In einer Telefonkonferenz Anfang August sagte Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner jedoch, dass Sport1 "aus heutiger Sicht keine Priorität" für den Konzern habe.

Constantin braucht das Geld dringend. Analysten der DZ Bank merkten in einer Studie Ende Juli an, dass ein erhebliches Risiko für den Fortbestand von Constantin in der Tatsache bestehe, dass das Unternehmen zur Anschlussfinanzierung der Darlehen und Anleihen, die sukzessive in den nächsten Monaten fällig werden, alternative Finanzierungen finden muss. Denn Constantin habe keinen direkten Zugriff auf die Mittel der Tochter Highlight Communications. Diese Tochter, an der Constantin knapp 60 Prozent hält, wird von Burgener geführt.

Darlehensgeber rückt verpfändete Highlight-Aktien nicht heraus

Constantin kann bei Highlight nicht durchgreifen, da die Gesellschaft 24,75 Millionen der insgesamt ausgegebenen 47,25 Millionen Highlight-Aktien an die Stella Finanz AG für ein Darlehen von 36 Millionen Euro verpfändet hat. Constantin würde das Darlehen gerne zurückzahlen, hat den Darlehensbetrag sogar an einen Treuhänder übergeben, Stella verweigert sich jedoch und rückt die Highlight-Aktien nicht heraus.

Die Constantin-Aktie reagierte auf die Meldungen von der Hauptversammlung mit leichten Kursaufschlägen. Grund dürfte die Hoffnung der Anleger sein, dass der Machtkampf nun endlich zu Ende ist und wieder Ruhe einkehrt. Zugleich sagten Händler einschränkend, dass die Verhältnisse und Machtkämpfe bei Constantin zu intransparent und verworren seien, um sich ein detailliertes Bild machen zu können.

Quelle: ntv.de, mbo/DJ