Wirtschaft

"Ein Wettlauf gegen die Zeit" Curevac drückt beim Impfstoff aufs Tempo

Der Curevac Corona-Impfstoff befindet sich seit Juni in der 1. Phase der klinischen Studie.

Der Corona-Impfstoff von Curevac befindet sich seit Juni in der ersten Phase der klinischen Tests.

(Foto: imago images/ULMER Pressebildagentur)

Impfstoffhersteller Curevac gehört zu den großen Hoffnungsträgern in Deutschland. Die Forscher tüfteln zwar noch an der richtigen Dosis. Co-Gründer von der Mülbe schließt dennoch nicht aus, dass zum Jahresende gegen Covid-19 geimpft wird. Eine Notfallzulassung kann es möglich machen.

Curevac-Co-Gründer Florian von der Mülbe ist zufrieden mit den hauseigenen Fortschritten bei der Impfstoffentwicklung gegen Covid-19. Er hofft, dass bereits Ende des Jahres mithilfe einer Notfallzulassung geimpft werden kann. Curevac werde mit seiner innovativen Technologie so oder so aber im Rennen ganz vorne mit dabei sein, ist sich von der Mülbe sicher. Die Produktion wird hochgefahren, auch wenn eine Zulassung nicht absehbar ist, wie er im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) sagt.

Wie die Konkurrenten Moderna und Biontech arbeitet Curevac bei seiner Impfstoffsuche mit dem natürlichen genetischen Botenträger Messenger-RNA. Einer Technologie, "die Informationen von der DNA zu den Eiweißfabriken in der Zelle bringt und sagt, wie sie hergestellt werden soll". Curevac hat nach eigenen Angaben bereits vor 20 Jahren das Potenzial erkannt und angefangen, RNA zu produzieren. Deshalb seien die Produktionsanlagen auch bereits zertifiziert, wie von der Mülbe sagt.

Im Unterschied zur Konkurrenz würden überwiegend chemisch modifizierte Bausteine verwendet. "Unsere RNA entspricht genau dem, was natürlich in der RNA vorkommt". Der jetzige Stand ist in seinen Augen vielversprechend: "Das wird genau die Substanz sein, die dann auch auf den Markt kommen soll, sofern die klinische Entwicklung erfolgreich ist."

Offen ist allerdings die Dosis für eine Covid-19-Impfung, wie der Gründer einräumt. Grundsätzlich arbeite die Curevac-Technologie allerdings mit sehr kleinen Einheiten. Was bedeutet, dass es auch sehr schnell genügend Impfstoff für alle geben dürfte. Im ersten Schritt gelte es nun aber die Tests an Menschen abzuwarten und zu sehen, wie die Probanden auf die ersten Injektionen reagieren, sagt er. "Ein Gremium von unabhängigen Kliniken entscheidet dann, ob man die Dosis in weiteren Tests erhöhen kann." Parallel würden die Phasen 2 und 3 der klinischen Studien vorbereitet, die die Wirkung bei einer größeren Probandenzahl testen wird, so von der Mülbe weiter. Man gehe ein hohes Tempo. Dabei würden die verschiedenen klinischen Entwicklungsphasen aber genau durchschritten.

"Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit"

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Vorausgesetzt die Testergebnisse ließen es zu, seien Impfungen Ende des Jahres durchaus möglich, so von der Mülbe. Den Prozess beschleunigen könnte eine Notfallzulassung. "Die Behörden haben die Möglichkeit, unter Abwägung der Risikolage ein 'conditional approval' zu erteilen, das ist quasi eine Zulassung unter Vorbehalt." Das geschieht, wenn der Nutzen größer ist als das potenzielle Risiko. Gleichzeitig müssten aber auch die Produktionskapazitäten hochgefahren werden, "um das Mittel schnellstmöglich zur Verfügung zu haben. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit."

Helfen sollen bei dem Wettlauf auch die Anlagen, die Tesla-Chef Elon Musk mit seiner Firma Grohman für Curevac entwickelt hat. Sie sind transportabel und können direkt in Krisengebieten eingesetzt werden. Der Vorteil besteht laut von der Mülbe auch darin, dass sie nicht nur gegen Covid eingesetzt werden können.

Nach derzeitigen Erkenntnissen werden zwei Impfungen nötig sein. Die Preise, die die Impfstoffentwickler bislang aufgerufen haben, liegen je Dosis zwischen 15 und 20 Euro. Von der Mülbe will sich für Curevac noch nicht festlegen. Der Preis müsse bezahlbar sein, aber auch widerspiegeln, dass das Unternehmen seit 20 Jahren in die Technologie "extrem viel investiert hat".

Quelle: ntv.de, ddi