Wirtschaft

Ein Cyberpunk-Truck für Riesen Tesla will Geheimnis um E-Pick-up bald lüften

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Elon Musk bei der Vorstellung eines strombetriebenen Sattelschleppers und eines Roadsters.

(Foto: picture alliance / Alexis George)

Vor sechs Jahren spricht Elon Musk erstmals von einem E-Pick-up. Im November kann er den Wagen "höchstwahrscheinlich" präsentieren. Ein "Gänseblümchenmobil" wird der Truck nicht sein, verrät der Tesla-Chef. Fans sind genauso gespannt wie die Konkurrenz.

Ob Elon Musk der große Visionär des 21. Jahrhunderts ist, wie er von seinen Fans gefeiert wird, oder doch nur ein großer Spinner, der Investoren, Fans und Medien an der Nase herumführt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Fest steht: Den Beweis, dass seine Elektroauto-Schmiede erfolgreich wirtschaften kann, ist Musk bislang schuldig geblieben. Das Model 3 war zwar ein guter Versuch, ein massentaugliches E-Auto unters Volk zu bringen. Aber die hohen Erwartungen hat das Modell nicht erfüllt.

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Das soll sich mit dem neuen Modell, das nun am Start ist, ändern. Der angekündigte E-Pick-up soll für das gewünschte Volumen sorgen und die Verkaufszahlen nach oben treiben. Nachdem der Termin für die Präsentation in den vergangenen Monaten mehrmals verschoben wurde, dürfen Fans nun "höchstwahrscheinlich" mit einer Enthüllung im November rechnen. Tesla-Boss Musk bestätigte auf Twitter eine entsprechende Anfrage eines Users, ob der Termin diesmal standhalten werde, mit den Worten "no change" - "keine Änderung".

Die Erwartungen an den Pick-up sind groß. Auf dem Heimatmarkt sichern sich Hersteller wie Ford und GM damit satte Gewinne. Die schweren Fahrzeuge mit offener Ladefläche sind vor allem bei Handwerkern und in der Landwirtschaft gefragt. Der Ford F-150 ist in den USA seit Jahren das meistverkaufte Auto und weltweit eines der Modelle, die absolut gesehen die höchsten Stückzahlen absetzen. Genau von diesem Kuchens will Tesla der Konkurrenz nun ein dickes Stück abjagen.

Handfestes ist bislang über den neuen Pick-up kaum bekannt. Nur einige wenige Details hat Musk verraten. In Sachen Optik protzte er zum Beispiel vor einem Jahr, der Truck werde ein "wirklich futuristisches Design im Cyberpunk-Stil von Blade Runner" haben - eine Anspielung auf den Blockbuster aus den 80er-Jahren. Wie der Wagen in der Realität aussehen soll, überließ er aber größtenteils der Fantasie jedes Einzelnen.

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Immerhin gab er einen kryptischen Mini-Ausschnitt preis - als Antwort auf ein Video mit dem "Blade Runner"-Titelsong. Angeblich zeigt das düstere Bild mit Laser-Strichen die Front des Trucks. Genau genommen könnte es sich allerdings auch um eine Ecke der Ladefläche handeln. Fans, die sich deshalb in eigenen Studien versuchten, wurden von Musk enttäuscht: "Cybertruck sieht überhaupt nicht aus wie das, was im Internet herumschwirrt. Er sieht eher aus wie ein gepanzerter Mannschaftssportwagen aus der Zukunft."

Wichtig war Musk der Preis: Sein Truck soll für unter 50.000 Dollar zu haben sein, wie er im Juni im Podcast "Ride the Lightning" verriet. Denn möglichst viele Menschen sollten sich den Tesla-Pick-up leisten können. Allerdings dürfte der Preis auch nur für die einfache Ausfertigung gelten. Musk machte jedoch noch eine Einschränkung: Für den Geschmack der meisten Menschen werde dieser Pick-up wohl einfach "zu futuristisch" sein. "It won't be for everyone" - "Er wird nicht für jedermann sein".

"Kein Gänseblümchenmobil"

Ansonsten ist über den Tesla-Newcomer bekannt, dass es sich um einen Sechssitzer handeln wird und die Fahrerkabine mehr als geräumig ausfallen soll. Einem User, der sich per Twitter nach den Maßen erkundigte, antwortete Musk: "Das wird kein herziges Gänseblümchenmobil, mein Herr. Der Führerstand wird groß genug, um André the Giant (eine Anspielung auf einen verstorbenen Wrestler mit Riesenwuchs; Anm. d. Red.) Platz zu bieten."

Die Reichweite des Pick-up soll 400 bis 500 Meilen betragen - vielleicht sogar noch mehr. "Besser als ein Ford F150" soll er auch sein. Hier muss erwähnt werden, dass Ford mit einem Prototyp des elektrischen F-150 kürzlich zehn insgesamt 454 Tonnen schwere Eisenbahnwaggons gezogen hat - die Latte liegt also hoch. Auch was die Sportlichkeit des Wagens angeht, konnte sich Musk im Vorfeld das Protzen nicht verkneifen. Er werde einem Porsche 911 durchaus ebenbürtig sein, kündigte er im Interview an. Auch diesen Vergleich muss er erst noch antreten.

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Musk ist einerseits immer wieder gut für Überraschungen und großes Kino, andererseits aber auch für Skandale und Enttäuschungen. Fans hoffen bei der Enthüllung des Trucks auf Ersteres. Der E-Autopionier steht unter gewaltigem Druck, die Herausforderungen werden nicht weniger. Es gibt viele offene Fragen: Kommt das SUV-Model Y im Frühling 2020 oder nicht? Wann fährt Tesla die Produktion in China hoch? Analysten und Investoren rätseln. Der Kursverlauf der Aktie spiegelt gewissermaßen die ständige Hassliebe zu dem Ausnahme-Unternehmer.

Hinzu kommt, dass die Konkurrenz in den vergangenen Jahren nicht geschlafen hat. Die Umsetzung des E-Pickup-Projekts hat lange gedauert. Tatsächlich hat Musk das Wort erstmals vor sechs Jahren in den Mund genommen. Vor drei Jahren gab er die Parole aus, damit das Kerngeschäft der Detroiter Autoriesen angreifen zu wollen. Inzwischen hatte die Konkurrenz aber viel Zeit, sich zu wappnen: GM ist bereit, acht Milliarden Dollar in die Entwicklung von Elektro- und selbstfahrenden Fahrzeugen zu stecken. Bis 2023 will der Konzern weltweit 20 neue E-Wagen auf den Markt bringen.

Zu seinen Pick-up-Plänen schweigt GM zwar bisher. Laut Insidern plant der Konzern aber, solche Fahrzeuge binnen zwei Jahren an den Start zu bringen. Bis zur Serienreife des elektrischen Tesla-Pick-ups sollte es nach offiziellen Angaben fast ebenso lange dauern. Auslieferungen an Kunden sind demnach nicht vor Herbst 2020 angedacht. Es könnte also eng werden. Zumal auch Ford einen radikalen Schwenk bei seinen Pick-ups hin zu Elektro-Trucks vorbereitet, um einen Angriff von Tesla auf seine hochprofitablen Wagen abzuwehren.

Ein konkretes Datum hat Tesla zwar noch nicht angekündigt. Aber allzu lange dürfte es nicht mehr bis zur Enthüllung des E-Trucks dauern. Einen Namen hat das neue Modell übrigens noch nicht. Es bleiben also noch ein paar Wochen für Buchstaben-Spielereien. Hoch im Kurs steht der Buchstabe B. Dass alle bislang gezeigten Tesla-Modelle nebeneinander das Wort S3XY (SEXY) ergeben, ist bekannt. Würde man den Pick-up davor parken, würde daraus "B S3XY". Englisch ausgesprochen ergäbe das "be sexy" (sei sexy). Ob Musk sich diesen Gag entgehen lässt?

Quelle: n-tv.de, ddi

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