Wirtschaft

US-Botschafter droht Wirtschaft DIHK bittet Berlin bei Iran-Geschäft um Hilfe

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Der neue US-Botschafter Richard Grenell nimmt zu Beginn seiner Amtszeit kein Blatt vor den Mund.

(Foto: dpa)

Deutsche Wirtschaftsvertreter fürchten nach dem Ende des Atom-Abkommens um ihre Iran-Geschäfte. Sie fordern Unterstützung aus Berlin und Brüssel. Während der US-Botschafter in Berlin droht, verspricht Frankreichs Präsident Hilfe.

Die deutsche Wirtschaft hat besorgt auf den angekündigten Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran reagiert und die Regierung um Beistand gebeten. "Die jüngste Entscheidung des US-Präsidenten, die Iransanktionen wiederzubeleben, trifft die deutsche Wirtschaft hart", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer. "Angesichts dieser Entwicklung ruft die deutsche Wirtschaft die Bundesregierung und EU dazu auf, die Geschäfte zu sichern."

Der deutsche Export in den Iran habe im vergangenen Jahr nochmals um 16 Prozent zugelegt, teilte der DIHK mit. Das "einseitige Agieren der US-Regierung" stelle diese Geschäfte nunmehr unter einen enormen Vorbehalt. Schon am Dienstagabend hatte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier erklärt, das Wiederaufleben der US-Sanktionen führe zu "enormer Verunsicherung bei der deutschen Wirtschaft".

Für eine entschlossene Unterstützung auf europäischer Ebene für die Wirtschaft will sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einsetzen. Die Europäer würden nach Angaben aus Paris "alles zum Schutz der Interessen" ihrer Unternehmen im Iran tun, verlautete aus dem Umfeld von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Auf Ebene der Europäischen Union werde in Washington interveniert.

Maschinenbauer sehen Teheran am Zug

Kritik handelte sich der neu US-Botschafter Richard Grenell mit seiner Forderung an deutsche Unternehmen ein, die Geschäfte mit dem Iran zu beenden. "Herr Grenell ist ja erst kurz Botschafter in unserem Land und wird sich sicherlich in seine neue Rolle noch einfinden", sagte das Geschäftsführende Vorstandsmitglied der Deutsch-Iranischen Handelskammer, Michael Tockuss. "Ich bin auch sicher, dass unser Auswärtiges Amt ihn darauf hinweisen wird, dass es nicht seine Aufgabe sein kann, deutschen Firmen Anweisungen zu geben oder zu drohen."

Grenell hatte sich am Dienstagabend kurz nach dem von US-Präsident Donald Trump verkündeten Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran über Twitter zu Wort gemeldet. "Deutsche Unternehmen, die im Iran tätig sind, sollten den Betrieb unverzüglich einstellen", schrieb Grenell, der gerade erst sein Amt als US-Botschafter in Deutschland angetreten hat.

Der Siemens-Konzern erklärte, er nehme die Ankündigung aus Washington "zur Kenntnis" und prüfe die Folgen für das eigene Geschäft. Das Unternehmen werde sich stets an alle geltenden Exportregeln halten, versicherte ein Sprecher.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) teilte mit, nun sei Teheran am Zug. "Dort muss entschieden werden, ob man das Nuklearabkommen auch unabhängig von den USA fortsetzen will - was für alle Seiten die beste Lösung wäre", so VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. Solange die EU ihre Sanktionen gegen den Iran nicht wieder aktiviere, sei ein legales Irangeschäft für die deutsche Wirtschaft weiterhin möglich. Der VDMA werde seine Mitglieder dabei weiterhin unterstützen.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/AFP/rts

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