Wirtschaft

"Explosive Entwicklung" DIW warnt vor Immobilienblase

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Die Hauspreise haben sich von möglichen Erträgen der Immobilien weitgehend entkoppelt.

(Foto: imago/Hans Blossey)

Blasen auf dem Immobilienmarkt werden in der Regel erst dann zweifelsfrei erkannt, wenn sie geplatzt sind. Mithilfe künstlicher Intelligenz haben Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ein neues Frühwarnsystem entwickelt. Das schlägt sofort Alarm.

Der Immobilienmarkt in Deutschland ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von Spekulation und nicht mehr von fundamentalen Faktoren getrieben. Die Gefahr einer Preisblase liegt einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge bei über 90 Prozent. In anderen Industrieländern wie den USA, der Schweiz, Japan und Skandinavien ist das Blasen-Risiko demzufolge sogar noch höher.

Welch katastrophale Folgen das Platzen einer Immobilienblase haben kann, hat die große Weltwirtschaftskrise vor gut zehn Jahren gezeigt. Zuvor waren vor allem in den USA die Hauspreise immer weiter gestiegen. Investoren kalkulierten nicht mehr mit den möglichen Erträgen der Immobilien, sondern setzten ausschließlich darauf, durch noch höhere Preissteigerungen beim Weiterverkauf Gewinne zu erzielen. Da ein Großteil dieser Hauskäufe kreditfinanziert war, brachte das Platzen der Blase schließlich den Finanzsektor an den Rand des Zusammenbruchs und riss die gesamte Weltwirtschaft in den Abgrund.

Für Deutschland stünden die Signale aktuell "zumindest auf Gelb", warnt Konstantin Kholodilin, einer der Autoren der DIW-Studie. Es habe "eine explosive Preisentwicklung" gegeben. Zuletzt allerdings hat sich in Deutschland  die Situation etwas entspannt. Die Prognosemodelle der Ökonomen deuten daher darauf hin, dass die Blasenwahrscheinlichkeit bis Ende des Jahres auf 84 Prozent sinken wird. Die Steigerungen bei Mieten und Kaufpreisen in den großen Städten hätten sich etwas verlangsamt. Zudem sind die Immobilienkäufe in Deutschland vergleichsweise solide finanziert: Die Immobilienkredite sind nicht in besorgniserregender Weise angewachsen und meistens gegen kurzfristige Zinsschwankungen abgesichert.

Jetzt muss die Politik handeln

Blasen am Immobilienmarkt zu identifizieren ist schwierig. Sicher kann man sie oft erst im Nachhinein bestimmen, wenn sie geplatzt sind. Die DIW-Ökonomen Kholodilin und Claus Michelsen haben neben Haus- und Mietpreisen viele Wirtschaftsindikatoren wie die Einkommensentwicklung, Zinssätze und Kreditvolumen mithilfe künstlicher Intelligenz zu einem neuen Prognoseverfahren zusammengeführt. Es soll helfen, das Entstehen von Blasen möglichst frühzeitig zu erkennen, um mit politischen Maßnahmen gegenzusteuern.

Das sei auch aktuell - trotz der zu erwartenden leichten Entspannung - dringend notwendig, fordert Michelsen. Die Politik in Deutschland dürfe ihre Hände "nicht in den Schoß legen". Es fehlten auch zehn Jahre nach der Weltwirtschaftskrise klare Regeln für die Behörden wie die Finanzaufsicht Bafin, um in den Markt einzugreifen.

Auch andere Experten sind wegen der Gefahr einer Immobilienblase alarmiert. EZB-Chef Mario Draghi warnte kürzlich vor einer Überhitzung des Immobilienmarktes in Europa. In vielen EU-Ländern gehe der Anstieg der Wohnimmobilienpreise mit Anzeichen einer Überbewertung einher, schrieb Draghi im Jahresbericht des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB). Ein deutlicher Abschwung am Immobilienmarkt könnte Banken und anderen Immobilienfinanzierern Verluste bescheren. In seinem jüngsten "Blasen-Index" warnt das Beratungsunternehmen Empirica vor einem Rückschlagspotenzial bei den Immobilienpreisen von mehr als einem Drittel in den Metropolen und von rund einem Fünftel in ganz Deutschland in Durchschnitt.

Quelle: n-tv.de

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