Wirtschaft

Wer ist wer im Auto-Imperium? Das ist der Porsche-Piëch-Clan

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Die Oberhäupter der beiden Familienzweige: Wolfgang Porsche (l.) und Hans-Michael Piëch.

(Foto: imago/Sven Simon)

Der verstorbene Auto-Ingenieur und Manager Ferdinand Piëch war eine der zentralen Figuren des Porsche-Piëch-Clans. Die Nachkommen des legendären VW- und Porsche-Urahns Ferdinand Porsche bestimmen nach wie vor die Geschicke des größten Auto-Imperiums der Welt. Ein Überblick über die einflussreichsten Familienmitglieder:

Wolfgang Porsche

Der 76-jährige Enkel des Dynastie-Gründers Ferdinand Porsche war der große Gewinner eines Machtkampfes, an dessen Ende sein Cousin Ferdinand Piëch sich schließlich ganz aus den Gremien des VW-Porsche-Konzerns zurückzog. Wolfgang Porsche ist Aufsichtsratschef des Mehrheitsaktionsnärs von Volkswagen, der Familienholding Porsche SE. Zugleich sitzt er in den Aufsichtsräten von Volkswagen und dessen Töchtern Audi sowie des Sportwagenbauers Porsche.

Ferdinand Porsche hatte zwei Kinder: Ferry begründete mit seinen vier Söhnen den Porsche-Zweig der Dynastie. Louise, spätere Piëch, ist mit ihren drei Söhnen und ihrer Tochter Stammmutter des Piëch-Teils des Clans. Ferrys Sohn Wolfgang Porsche ist derzeit unangefochtener Wortführer der Porsche-Familie. Er ist unter anderem auch Hausherr des Schüttguts in Zell am See, das seit 1941 im Besitz des Auto-Clans ist und als Stammsitz gilt.

Christian Porsche

Von Wolfgangs Kindern gilt der 1974 geborene Christian als einflussreichster. Der Facharzt für Neurologie hatte zeitweise Mandate als Aufsichtsrat der VW-Töchter Scania und MAN inne. Wie sein Vater dem "Handelsblatt" erzählte, organisiert Christian Porsche regelmäßig Treffen unter den Erben beider Familienzweige. "Dort trifft sich die vierte Generation zu Vorträgen. Daran nehmen fast alle teil", sagt Wolfgang Porsche.

Stephanie Porsche-Schröder

Die 1978 geborene Designerin ist im Konzern unter anderen als Aufsichtsrätin bei Scania und MAN tätig. Die beiden 1993 beziehungsweise 1996 geborenen Söhne Wolfgang Porsches aus zweiter Ehe, Ferdinand Rudolf und Felix Alexander, haben bislang noch keine Posten im Familien-Konzern.

Ferdinand Oliver Porsche

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Vorreiter der Urenkelgeneration: Ferdinand Oliver Porsche.

(Foto: imago images / Arnulf Hettrich)

Ferdinand Oliver ist der älteste und einflussreichste Sohn des verstorbenen Porsche-Enkels und Piëch-Cousins Ferdinand Alexander, dem Konstrukteur des legendären Porsche 911. Oliver Porsche - wie er auch wegen der verwirrenden Häufigkeit des Vornamens Ferdinand genannt wird - war derjenige, der als erster überhaupt aus der Urenkel-Generation Verantwortung im Unternehmen übernahm. Der studierte Jurist ist seit 1994 zunächst als Geschäftsführer bei Porsche Design, dann als Vorstand beim Autohändler Porsche in Salzburg und inzwischen in diversen Aufsichtsräten, darunter bei der Familienholding Porsche SE, tätig.

Mark Philipp Porsche

Olivers jüngerer Bruder Mark Philipp ist ebenfalls Mitglied in mehreren Aufsichtsräten des VW-Konzerns und Vorständen mehrerer Stiftungen und Gesellschaften der Porsche-Familie.

Gerhard Porsche

Ferdinand Porsches Enkel Gerhard und dessen Sohn Hans zog es in die Landwirtschaft, Tochter Geraldine ist Ärztin. Sie nehmen im Konzern keine aktive Rolle ein. Gerhards jüngste Tochter aus zweiter Ehe, Diana, ist in Österreich bekannt als international erfolgreiche Dressurreiterin. Ihre Mutter Iris Porsche ist Gastronomin und betreibt ein Luxusressort am Mondsee bei Salzburg, das ihren Namen trägt.

Gerhards erste Frau Marlene sorgte für Schlagzeilen, weil sie sich Anfang der 1980er-Jahre scheiden ließ, um mit Ferdinand Piëch zusammenzuleben. Im Zuge der Scheidung nahm sie auch die Hälfte der Unternehmensanteile Gerhards mit.

Daniell Porsche

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Anthroposoph und Gegenentwurf zu Ferdinand Piech: Daniell Porsche.

(Foto: imago stock&people)

Er ist das einzige Kind von Porsche-Enkel Hans-Peter. In der vierten Generation des Clans ist er das einzige Kind und damit Erbe des größten Unternehmensanteils. Als Waldorfpädagoge und Musiktherapeut positionierte er sich schon vor Jahren als Kritiker und Gegenentwurf des strengen "Autokraten" Ferdinand Piëch. Er ist Autor vieler Bücher, darunter "Es gibt noch mehr im Leben als Autos bauen". Sein Vermögen steckte er unter anderem in eine Holding-Gesellschaft, die sich an nachhaltigen und sozial orientierten Unternehmen beteiligt. Lange war ihm wohl deswegen ein Einfluss im Konzern verwehrt. Inzwischen ist Daniell Porsche auch in mehreren VW-Gremien, darunter dem Aufsichtsrat der Porsche SE.

Markus Sixtus Piëch

Kommen wir zum Piëch-Teil der Familie. Ferdinand Piëch hinterlässt insgesamt zwölf Kinder von vier Frauen. Die meisten dieser Porsche-Urenkel nehmen keine Posten im Auto-Imperium wahr. Der 1985 geborene Markus Sixtus ist der Aktivste im Unternehmen. Er ist unter anderem im Aufsichtsrat von MAN und bei Scania vertreten und im Vorstand einer der Familienstiftungen.

Anton "Toni" Piëch

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Familieninterne Konkurrenz: der Mark Zero von Anton Piëch.

(Foto: www.imago-images.de)

Der 1978 geborene Toni Piëch hat, nachdem er zwölf Jahre in China lebte und als Journalist arbeitete, seine eigene Autofirma gegründet: Piëch Automotive. Das Startup will mit einem designmäßig in der Familien-Tradition stehenden Elektro-Sportwagen Porsche und Tesla Konkurrenz machen. "Es würde mich freuen, wenn er stolz auf mich ist", sagte Toni anlässlich der Vorstellung seines Elektroflitzers über seinen Vater. Ferdinand Piëch distanzierte sich jedoch deutlich von dem Projekt: "Ich war nie dabei, ich bin nicht dabei und werde nicht bei dem Projekt beteiligt sein", sagte er vor wenigen Monaten der "Bild am Sonntag".

Ferdinand "Nando" Piëch

Der 1965 geborene Piëch-Sohn ist eines der wenigen Familienmitglieder, das regelmäßig öffentlich in Erscheinung tritt. Er ist als Immobilieninvestor tätig und übernahm vor mehr als zehn Jahren das Stuttgarter Traditionshaus "Feinkost Böhm", ein Fixpunkt der dortigen Gastronomie und High Society.

Ernst Piëch

Ferdinand Piëchs Bruder Ernst verkaufte seine Unternehmensanteile bereits vor mehr als 30 Jahren. Dennoch sieht er sich als Hüter des Erbes seines Großvaters Ferdinand Porsche. Von dem, so erzählte der inzwischen 90-Jährige dem "Stern", habe er einst persönlich das Autofahren gelernt. Zum Andenken an den Porsche-Gründer gründete Ernst Piëch das Museum "Ferdinand Porsche Erlebniswelten" in der Nähe von Salzburg. Der Name von Ernsts Sohn Florian wurde zwischenzeitlich von Experten auch für Aufsichtsratsposten im VW-Konzern gehandelt. Dass daraus nichts wurde, könnte damit zu tun haben, dass sein Familienzweig keine Anteile am Unternehmen mehr besitzt.

Hans-Michael Piëch

Ferdinand Piëchs Bruder Hans-Michael war im Machtkampf zwischen Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche der lachende Dritte. Er übernahm bei Ferdinands Ausscheiden aus dem Unternehmen einen Großteil von dessen Anteilen und ist nun der größte Einzelaktionär der Familie. Als Aufsichtsratsmitglied bei Volkswagen und vor allem mit seiner Sperrminorität bei der Porsche SE, die wiederum den VW-Konzern kontrolliert, hat er den vielleicht größten Einfluss auf das Auto-Reich. Auch wenn der Chef des Porsche-Zweigs, Wolfgang Porsche, formell den Posten des Chefaufsehers bei der Familienholding innehat.

Stefan Piëch

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Stefan Piëch führt den Kinderfilmproduzenten Your Family Entertainment.

(Foto: imago/Horst Galuschka)

Von den sechs Kindern Hans-Michael Piëchs sind mehrere in verschiedenen Funktionen im Konzern in Erscheinung getreten. Die prominenteste Rolle von ihnen spielt derzeit der 1970 geborene Stefan Piëch als Aufsichtsrat bei der Porsche-Holding. Hauptberuflich ist er allerdings in einer ganz anderen Branche tätig: Er ist Chef des Unternehmens Your Family Entertainment, das Kinderfilme produziert und vertreibt. Unter anderem besitzt es die Rechte des Klassikers "Fix und Foxy" und betreibt einen gleichnamigen Kinderkanal.

Louise Kiesling

Louise Kiesling ist die Tochter von Ferdinand Piëchs verstorbener Schwester Louise Daxer-Piëch. Sie studierte Kunst und Design. Lange war sie als Designerin in Österreich und Großbritannien tätig. Mit der Autobranche beschäftigte sich sie beruflich erst im Alter von 50 Jahren, als sie 2007 begann, Fahrzeugdesign zu studieren. Das Studium schloss sie 2012 ab. 2015, als Ferdinand Piëch im Streit aus dem VW-Aufsichtsrat ausschied, wurde sie überraschend Mitglied des Gremiums. Kieslings Bruder Joseph Ahorner ist Aufsichtsratsmitglied bei der Holding Porsche SE und bei mehreren VW-Tochterunternehmen, darunter der Sportwagenschmiede Lamborghini.

Quelle: n-tv.de, mbo

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