Wirtschaft

Umstrittenes Kraftwerk ans Netz Datteln 4 soll vier Kohlestandorte ersetzen

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Am vergangenen Freitag gab es Proteste von Klimaschützern am Kraftwerk Datteln 4 im Ruhrgebiet.

(Foto: imago images/Jochen Tack)

Im Kohlekompromiss wurde eigentlich festgelegt, dass das Kohlekraftwerk Datteln 4 nicht mehr ans Netz geht - nun soll im Sommer aber genau das passieren. Laut Betreiber Uniper und Minister Altmaier wird dank eines Deals dennoch CO2 eingespart werden.

Der Kraftwerksbetreiber Uniper will nach der Inbetriebnahme des umstrittenen neuen Kraftwerks in Datteln seine anderen Steinkohlekraftwerke schrittweise abschalten. Betroffen sind die drei Kraftwerksblöcke in Gelsenkirchen-Scholven, von denen der älteste 52 Jahre alt ist, sowie das vor 44 Jahren in Betrieb genommene Kraftwerk Wilhelmshaven an der Nordsee.

Bis spätestens Ende 2025 sollen weitere 1400 Megawatt an den Standorten Staudinger in Hessen (43 Jahre alt) und Heyden in Nordrhein-Westfalen (33 Jahre alt) folgen. Letzteres ist das derzeit größte Kohlekraftwerk Deutschlands. Danach werde Datteln 4 das einzige verbleibende Uniper-Steinkohlekraftwerk im Bundesgebiet sein. Das Kraftwerk in Datteln im Ruhrgebiet soll entgegen einer Empfehlung der Kohlekommission im Sommer ans Netz gehen.

Dagegen protestieren Umweltschützer heftig. Die Bundesregierung hat aber zugesagt, dass dafür zusätzlich Steinkohlekapazität vom Netz geht, so dass keine zusätzlichen Treibhausgase entstehen. Uniper betonte, die geplanten Abschaltungen erfolgten freiwillig. "Klar ist Stand heute: Uniper wird keine Entschädigungszahlungen erhalten."

Uniper spricht von 40 Prozent CO2-Einsparung

Datteln 4 sei Teil der Strategie, den Kohlendioxidausstoß des Unternehmens zu senken, heißt es in der Mitteilung. Durch die Stilllegung der alten und ineffizienten Anlagen würden die Emissionen um bis zu 40 Prozent zurückgehen. Zusammen mit den seit 2015 bereits erfolgten Stilllegungen könnten insgesamt 18 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden, erklärte Uniper. Für die Kraftwerksstandorte werde man alternative Konzepte entwickeln.

"Unser Ziel ist es, einen aktiven und konstruktiven Beitrag zum Erreichen der CO2-Reduktionsziele und zu einem zügigen und nachhaltigen Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland zu leisten", erklärte Uniper-Chef Andreas Schierenbeck. "Wir wollen ein Zeichen setzen, dass den Diskussionen der letzten Jahre nun auch Taten folgen."

Die Kohlekommission hatte in ihrem Abschlussbericht vor einem Jahr eigentlich empfohlen, Datteln 4 nicht mehr ans Netz zu nehmen. Doch die Bundesregierung hatte sich in den Verhandlungen mit Uniper anders entschieden, was auf heftigen Widerstand bei Umweltverbänden stieß. Auch mehrere Mitglieder der Kohlekommission wandten sich gegen den Kompromiss.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier von der CDU begründete den Schritt jedoch mit geringeren Kosten für den Steuerzahler und höheren CO2-Einsparungen, da für Datteln 4 nun ältere Kohlekraftwerke zuerst vom Netz gehen sollen. Mitte Januar hatte auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet das "hochmoderne Kraftwerk" verteidigt. Es nicht ans Netz zu bringen, hätte zu Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe geführt.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/DJ