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Wie dünn ist die Börsenluft? Dax schließt so hoch wie nie

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Jede Party hat ein Ende. Die Frage ist, ob sie um vier oder erst um sechs Uhr vorbei sein wird.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit Wochen jagen die US-Märkte mit Rückenwind von Donald Trump und seiner Steuerreform von einem Rekord zum nächsten. Nun zieht der Dax nach - und Anleger fragen sich, ob hier solide Bewertungen oder nackte Gier den Ton angeben.

Zwei Monate hat sich der Dax Zeit für sein neues Rekordhoch genommen. Investoren fanden die Indizes S&P 500 und Dow Jones attraktiver. Eegen des starken Euro bekamen deutsche Aktien kaum ein Bein auf den Boden. Offenbar ist die Investorenliebe jetzt neu entflammt. In Kurs-Gewinn-Verhältnis-Maßstäben ist der Dax immerhin auch weitaus attraktiver als die US-Konkurrenz. Die Stimmung für Deutschland ist prächtig. Das unterstreichen sowohl die jüngsten Konjunkturdaten, als auch der frisch veröffentlichte ZEW-Index.

Ungebrochener Optimismus

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DAX 13.137,70

Einige Investoren sind jedoch wegen der Dauer des jüngsten Bullenmarkts besorgt. Vor allem in Sachen Stabilität wirkt er beängstigend. Niemals zuvor in der Geschichte gab es eine derart lange Phase, in der weder Dax, Dow Jones oder S&P 500 einen wirklich schwachen Handelstag mit Verlusten von zwei oder drei Prozent hingelegt hätten.

Niemals zuvor lag eine nennenswerte Korrektur derart lange zurück. Die Experten großer Banken erwarten allesamt ein prima Aktienjahr 2018, dass sich viele Dax-Titel weit von ihren langjährigen Durchschnitten in Sachen Kurs-Buchwert-Verhältnis entfernt haben, wird ignoriert. Adidas, Infineon, Deutsche Post oder auch Thyssen liegen bei fast dem Doppelten des Buchwert-Durchschnitts der letzten zehn Jahr.

Trotzdem wird ein sattes weltweites Wachstum für die vom Export abhängigen deutschen Firmen eingepreist, sprich in die Kurse einkalkuliert. Volkswirte sind zuversichtlich, dass die Wachstumsrate 2018 stark bleiben wird. Die Zykliker, also Unternehmen aus konjunkturabhängigen Sektoren, machen 55 Prozent des Indexgewichts aus und damit mehr als in fast jedem anderen Index der Welt.

Dax vs. US-Wirtschaft

Gestützt werden könnte die Weltwirtschaft in diesem Jahr von der US-Wirtschaft, deren schuldenbasiertes Wachstum gerade erst zu einem erneuten Government-Shutdown geführt hat. Risiken dieser Gelddruckpolitik werden momentan ignoriert und die Neigung, das Depot abzusichern oder defensiv zu agieren, ist so niedrig wie seit Jahren nicht mehr, Fondsmanager sind euphorisch.

Dass die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen zuletzt mit einem Niveau von 2,6 Prozent merklich anzogen, wird noch vernachlässigt und bremst die Aktienparty nicht. Das Kuriose: gerade im Vergleich zu den USA sieht der Dax noch billig aus. So ist das 2018er-KGV für US-Aktien aus dem S&P 500 auf 19 geklettert, was im langfristigen Vergleich nichts anderes als irre teuer ist.

Die Argumente für den Dax entstehen daher primär im Vergleich. So sagen Analysten für 2018 einen Anstieg der Gewinne der Dax-Unternehmen um knapp 11 Prozent auf 985 Punkte vorher, gefolgt von einem Plus von 8,8 Prozent auf 1.071 Punkte. Deshalb erfolgt der Rekord und das Comeback beim Dax jetzt fast zwangsläufig, zumal er mit einem 2018er-KGV von 13,5 bei Weitem nicht so hoch bewertet ist wie der S&P500. Allerdings liegt die Bewertung auch in Deutschland um 15 Prozent über dem Schnitt der vergangenen Jahre. Die Dividendenrendite von 2,8 Prozent ist im Vergleich zum Zinsmarkt attraktiv.

Anleger müssen sich entscheiden

In einem konjunkturell stabilen Umfeld und einer moderaten Betreuung des Zinsumfelds durch Fed und EZB ist ein Investment im Dax weiterhin vertretbar, wenn Anleger beispielsweise zu einem Bonuspapier wie der WKN DM7661 und einer Renditeerwartung von 7 Prozent p.a. greifen.

Wer jedoch bereits voll investiert ist, der feiert die Party lieber nahe der Ausgangstür und mischt seinem Depot mit einem Dax-Put WKN DD0M4V und Basis 13.500 auf diesem hohen Niveau wenigstens etwas Puffer bei. Fällt nämlich der US-Aktienmarkt doch einmal zurück, wird der Dax sich dem kaum entziehen können.

Um in der Partysprache zu bleiben - die Musik spielt um drei Uhr nachts und es ist nur die Frage, ob die Party um vier oder erst um sechs Uhr vorbei sein wird.

Quelle: n-tv.de

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