Wirtschaft

Schlecker-Nachfolger scheitert Dayli rutscht in die Pleite

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Rudolf Haberleitner

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Für Rudolf Haberleitner und mehr als 3400 Dayli-Mitarbeiter ist es ein harter Schlag: Unter dem Druck nervöser Gläubiger muss der ehrgeizige Unternehmer nun doch Insolvenz anmelden. Der Vorstoß in die Schlecker-Lücke in Deutschland scheint vorerst gescheitert.

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Rund eine halbe Million Euro pro Tag, ohne Waren: Dem Dayli-Chef laufen die Kosten davon.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der österreichische Schlecker-Nachfolger Dayli ist insolvent: Die Drogeriekette hat am Landesgericht Linz einen Antrag auf Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eingebracht. Das bestätigte ein Sprecher des Gerichts. Laut Dayli sind von dieser Entscheidung 3468 Arbeitnehmer betroffen.

"Gründe für die Insolvenz sind unter anderem, dass Teile des Nahversorger-Konzepts nicht wie geplant umgesetzt werden konnten", teilte Dayli über eine Kommunikationsagentur mit. Die "TAP 09 Beteiligungs GmbH" von Firmenchef Rudolf Haberleitner habe ihre Anteile unmittelbar vor dem Antrag bei Gericht an die "ICU Unternehmensberatung GmbH" von Martin Zieger abgetreten. Ob sich Haberleitner damit komplett aus dem Projekt Dayli zurückzieht, blieb zunächst unklar. Die Fortführung der Firma sei geplant, hieß es lediglich.

Die Lage des österreichischen Schlecker-Nachfolgers hatte zuletzt bereits deutlich verschärft: Gläubiger des Unternehmens setzten eine Frist bis zum heutigen Donnerstag. Hätte die Drogeriekette nicht selbst die Hände gehoben, hätten die Geldgeber einen Insolvenzantrag bei Gericht eingebracht. Hinter dieser Ankündigung steht der Kreditschutzverband 1870 (KSV), der eine große Gruppe der Gläubiger vertritt.

Dayli kämpft seit längerem ums Überleben und suchte zuletzt dringend einen Investor. "Das noch vorhandene Vermögen gehört unverzüglich unter Kontrolle des Insolvenzgerichtes gestellt", hatte der KSV gefordert. Firmenchef Haberleitner hatte sich in einer schriftlichen Mitteilung irritiert über die Ankündigung geäußert: "Wir befinden uns gerade in einer entscheidenden Phase. Wir verhandeln mit Investoren und Banken und sehen immer noch eine Chance, das Unternehmen ohne Insolvenz zu retten."

Die Ausgaben laufen davon

Nach Schätzung des KSV fielen zuletzt pro Arbeitstag in den noch bestehenden 783 österreichischen Filialen rund eine halbe Million Euro an Personal- und Sachkosten an. Der Wareneinsatz sei dabei nicht eingerechnet. Der KSV wolle deshalb nicht länger abwarten. Insgesamt schätzte der KSV die offenen Forderungen aller Lieferanten auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Mit dem Insolvenzantrag ist das Projekt Dayli vorerst gescheitert - und das noch vor dem offiziellen Start in Deutschland. Haberleitner hatte vor einem Jahr angekündigt, mit seiner in Pucking ansässigen TAP Dayli GmbH in Österreich und Deutschland rund 1300 ehemalige Schlecker-Filialen mit neuem Konzept wiederbeleben zu wollen. Haberleitner schwebte damals eine Art moderner Tante-Emma-Laden mit Bistro und zahlreichen Dienstleistungen vor. Viele Experten sahen die Pläne von Beginn an kritisch.

Pleite nach österreichischem Recht

Im Juni wurden bereits 103 Filialen in Österreich geschlossen. Rund 330 Mitarbeiter verloren ihren Job. Anfang Juli kündigte Haberleitner bereits an, dass Dayli ein Sanierungsverfahren einleiten müsse, wenn nicht rasch eine neue Finanzierung gefunden werde. Ein Sanierungsverfahren entspricht in Österreich einer Form eines Insolvenzverfahrens.

Haberleitner geriet zuletzt auch in die Schlagzeilen, weil er mitteilte, dass er in Italien von vermeintlichen Geschäftspartnern um eine Million Euro geprellt worden sei. Entsprechende Medienberichte bestätigte er der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Bei der Suche nach einem Investor sei er in Udine auf Betrüger hereingefallen. Kolportierte Ermittlungen der italienischen Polizei in diesem Zusammenhang wegen des Verdachts der Geldwäsche bestritt Haberleitner aber.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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