Wirtschaft

Börsenkurse steigen Der Zollkrieg verliert seinen Schrecken

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Zum Gähnen: ein Börsenhändler in Seoul.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

US-Präsident Trump verkündet die bislang umfangreichsten Strafzölle im Handelsstreit mit China. Peking reagiert umgehend mit Vergeltungsmaßnahmen. Der Zollkrieg ist damit allerdings nur scheinbar eskaliert.

Alle haben Donald Trump gewarnt: 6000 Eingaben gingen vor der jüngsten Zollentscheidung beim Büro des Handelsbeauftragten des US-Präsidenten ein. In den meisten dieser Schreiben rieten Unternehmen und Verbände dringend von einer Verschärfung des Handelskonflikts mit China ab. "Eine weitere Eskalation hätte erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, würde in allen Ländern Arbeitsplätze und Wachstum gefährden und die Ärmsten am schwersten treffen", schrieb der Chef der Welthandelsorganisation Roberto Azevêdo in einem Zeitungsbeitrag.

Verglichen mit den massiven Warnungen fällt die Reaktion auf die neuen US-Zölle auf chinesische Importe im Umfang von 200 Milliarden Euro sowie Chinas umgehend angekündigten Vergeltungsmaßnahmen gelassen aus. Die Börsen schienen zunächst kaum Notiz zu nehmen. Die Leitindizes in Japan, China und Südkorea legten sogar teils deutlich zu. Auch auf dem deutschen Parkett geht es aufwärts. 

Die Ruhe an den Finanzmärkten lässt sich erklären: Zum einen hatten Anleger die jüngste Schritte in Washington und Peking erwartet. Insider aus beiden Regierungen hatten die Zollerhöhungen gegenüber internationalen Medien angekündigt. Auf diese Berichte hatten Anleger bereits in den vergangenen Wochen reagiert und die wahrscheinlichen Folgen in ihre Entscheidungen eingepreist.  

Zudem gibt ein Detail der offiziellen chinesischen Erklärung zu den Vergeltungszöllen sogar einen neuen Anlass zur Hoffnung auf eine Lösung des Konflikts. Am Wochenende hatte es in Peking noch geheißen, man werde sich auf keinen Fall mit der US-Regierung an den Verhandlungstisch setzen, solange diese China "die Pistole an den Kopf" halte. Trump müsse also erst einlenken, bevor es zu Gesprächen kommen könnte. Das hatte Ängste vor einer langanhaltenden Eskalation bestärkt. Nun sprach das chinesische Handelsministerium jedoch lediglich davon, dass die neuen Zölle, neue "Unsicherheiten" in die Verhandlungen brächten.

Von einer kategorischen Absage der Gespräche, die Washington schon für kommende Woche vorgeschlagen hatte, ist in Peking keine Rede mehr. Das lässt Beobachter auf einen "Deal" hoffen, noch bevor die angekündigten Zölle und Gegenzölle im kommenden Jahr in vollem Umfang in Kraft treten.

Auch die US-Regierung bemühte sich, die Wirkung der eigenen Zölle abzuschwächen. Für Zulieferungen, die US-Firmen für ihre Produktion benötigen, gewährte sie eine Reihe von Ausnahmen. Dies zeige, dass es Trump vor allem darum gehe, "Schlagzeilen zu machen", und nicht um die tatsächlichen Auswirkungen. Sorgen vor Folgen für die chinesische Konjunktur konterten chinesische Staatsmedien umgehend mit Berichten über ein angebliches neues Infrastrukturprogramm, mit dem Peking die Wirtschaft massiv ankurbeln könnte.

Quelle: n-tv.de, mbo

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