Wirtschaft

Software-Milliardär Dietmar Hopp Der bescheidene Machtmensch

imago45811247h.jpg

Gibt gern, entscheidet gern: Dietmar Hopp.

(Foto: imago images/Michael Weber)

Dietmar Hopp hat einen Großteil seines Milliarden-Vermögens für gute Zwecke in seiner Heimatregion gespendet. Viel mehr, als er in sein umstrittenes Fußballengagement in Hoffenheim gesteckt hat. Doch dieser Reichtum bedeutet auch Macht - und die weiß Hopp einzusetzen.

Seinen sagenhaften Reichtum, sagt Dietmar Hopp oft mit der für ihn typischen Bescheidenheit, habe er vor allem dem Glück zu verdanken, "zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein". Die richtige Zeit, das war 1972, als Hopp mit vier Mitstreitern in Weinheim die Firma Systemanalyse und Programmentwicklung, kurz SAP, gründete. Der richtige Ort, das war die IT-Branche, die damals begann, die gesamte Wirtschaft zu revolutionieren. Doch Glück allein war es keineswegs, dass SAP mit seiner Software bei dieser Revolution in den kommenden Jahrzehnten ganz vorn dabei war und die Gründer zu Milliardären machte. Das geniale Konzept und die harte Arbeit der Softwarepioniere war Voraussetzung dafür - und maßgeblich auch das Managementgeschick von Hopp selbst. Das "Handelsblatt" kürte ihn vor einigen Jahren zum besten Manager der Dax-Geschichte.

Der 1940 geborene Hopp erlebte, wie er in einem Interview erzählte, als Kind in Hoffenheim "Tage, da hatten wir nichts zu essen". Um sein Taschengeld aufzubessern, habe er Kohlen geschleppt. Diese Erfahrungen seien der Grund, warum er sich schon früh vornahm, reich zu werden. Heute ist SAP das mit Abstand wertvollste Unternehmen in Deutschland und Hopp einer der reichsten Deutschen. Die Finanzagentur "Bloomberg" schätzt sein Vermögen auf aktuell gut 8 Milliarden Euro, das Wirtschaftsmagazin "Forbes" sogar auf 13,5 Milliarden Euro. Neben einem Anteil von mehr als fünf Prozent an SAP steckt Hopps Vermögen vor allem in Biotech-Unternehmen, in die er rund eine Milliarde Euro investierte - so viel wie kein anderer Investor dieser Branche in Deutschland.

Hopp ist jedoch nicht nur einer der reichsten, sondern auch einer der großzügigsten Deutschen. Einen Großteil seiner SAP-Aktien mit einem Wert von aktuell knapp sieben Milliarden Euro hat Hopp schon vor mehr als 20 Jahren in eine Stiftung eingebracht. Die Dividendeneinnahmen daraus - mehr als 700 Millionen Euro bislang - fließen unter anderem an Krankenhäuser, in die Krebsforschung, in Sport und Bildungsprojekte. Dagegen nehmen sich die rund 350 Millionen Euro fast bescheiden aus, die Hopp, bislang in den Fußballverein investierte, bei dem er in seiner Jugend einst selbst spielte. Trotzdem ist es fast ausschließlich dieses Engagement bei seinem Heimatverein TSG 1899 Hoffenheim, mit dem Hopp in den vergangenen Jahren bundesweit Schlagzeilen macht - oft negative. 

Die hoppsche Heimatverbundenheit schlägt sich auch in der Auswahl seiner Wohltätigkeitprojekte nieder: Fast immer geht es dabei um praktische Hilfe im Norden Baden-Württembergs, hier sei er geboren und "verwurzelt", habe "den Menschen viel zu verdanken", sagte Hopp einmal im Interview mit der "Zeit". Der Anspruch eines Bill Gates, mit seiner Stiftung die größten Probleme der Menschheit zu lösen, ist ihm dagegen fremd. "Wenn mich ein Bürgermeister um die Hilfe für ein neues Hospiz bittet, dann muss ich nicht lange überlegen", beschrieb Hopp sein Vorgehen.

"Vadder" lässt sich nicht gern reinreden

Die enormen Spendensummen und Investitionen in seiner Heimat brachten Hopp viel Dankbarkeit ein. Etwa von Eltern krebskranker Kinder, die im Universitätskrankenhaus Heidelberg dank Hopps Millionenzuwendungen mit modernster Technik gerettet werden konnten, von Sportvereinsmitgliedern für neue Clubhäuser, von Lokalpolitikern für die Finanzierung von Projekten aller Art. Nur ganz wenige in der Region stellen sich dagegen offen gegen Hopp. Und die müssen damit rechnen, die enorme Macht, die mit dessen Reichtum einhergeht, zu spüren zu bekommen.

So soll es auch dem SPD-Kandidaten bei der Bürgermeisterwahl am SAP-Hauptsitz in Walldorf einst ergangenen sein, als er öffentlich zu bedenken gab, dass sich der Ort nicht völlig von einer Firma abhängig machen sollte. Auch den günstigen Gewerbesteuersatz, von dem SAP profitierte, kritisierte er. Hopp reagierte, in dem er mit der Abwanderung des Weltkonzerns aus der kleinen Gemeinde drohte, und dürfte damit zur Niederlage des SPD-Kandidaten beigetragen haben. Als die Staatsanwaltschaft einmal gegen Hopp ermittelte, wegen des - am Ende widerlegten - Verdachts, er habe Mittel aus seiner gemeinnützigen Stiftung für private Zwecke eingesetzt, war Hopp so entrüstet, dass er eine neue Stiftung mit 2,5 Millionen Euro ausstattete, um gegen die angebliche "Willkür" der Justiz vorzugehen.  

Reinreden lässt sich Hopp nicht gerne. Schon früher nicht bei der Führung des Konzerns, wo ihn die Angestellten angesichts der familiären Atmosphäre liebevoll "Vadder Hopp" nannten: Als einige von ihnen auf die Idee kamen, einen Betriebsrat zu gründen, drohte der Vater wieder damit, die Zentrale ins Ausland zu verlegen. Und auch über die Wohltaten, in die seine Milliarden fließen, will er bis heute lieber allein entscheiden. Höhere Steuern für Reiche lehnt der deshalb vehement ab. Aber immerhin versicherte er: Ins Ausland gehen würde er deshalb nicht.

Quelle: ntv.de