Wirtschaft

Warnsignale im Börsen-Boom Der gefährliche Cocktail für Ihr Geld

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Alarmbereit: Hohe Bewertungen, niedrige Cash-Quoten und sorglose Anleger gehören zu den Anzeichen für eine bevorstehende Korrektur.

(Foto: imago images / onw-images)

Die Kurse an den Aktienmärkten kennen seit Jahresbeginn nur eine Richtung: in die Höhe. Der größte Vermögensverwalter der Welt prophezeit sogar eine Kursexplosion "nach oben". Dennoch - oder gerade deswegen - sollten Anleger in Alarmbereitschaft sein.

Unter Börsianern ist es schon eine Art Running Gag: Nach langen erfolgreichen Börsenphasen blasen die großen Investmentgesellschaften oft nochmal zum Einstieg. Ob aus Freude an der euphorischen Stimmung oder weil man vielleicht selbst einige Aktien zum Höchstpreis loswerden will, das sei einmal dahingestellt.

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Larry Fink von Blackrock, dem größten Manager von Anlegergeld weltweit, ist so ein Beispiel: In den vergangenen Jahren äußerte er sich dreimal sehr positiv zum Aktienmarkt und jedes Mal ging es bald danach nach unten. Vor gut einer Woche war es nun wieder soweit. Fink äußerte beim US-Fernsehsender die Befürchtung, der Markt könne förmlich "nach oben explodieren", weil sehr viel Geld im Umlauf sei.

Eine Geldschwemme ist durch die sehr expansive Geldpolitik der Notenbanken weltweit tatsächlich vorhanden, doch Anleger sind bereits kräftig investiert. Das zeigt zumindest die geringe Cash-Quote von Anlegern in den USA, die monatlich von der American Association of Individual Investors erhoben wird. Aktuell notiert die Cash-Quote bei rund 15 Prozent, dem niedrigsten Niveau seit März 2018. Außerdem liegt sie deutlich unter ihrem historischen Durchschnitt von 23 Prozent.

Anzeichen für eine Korrektur

Auch andere Entwicklungen, die von einem hohen Grad an Optimismus geprägt sind, signalisieren eher die Gefahr einer Korrektur als einer Kursexplosion. So notierten Mitte Februar mehr als 90 Prozent der Aktien im S&P 500 bereits über ihrer 50-Tagelinie, was alleine schon einen Überschwang signalisiert. Doch seitdem sind die Kurse im Schnitt weiter um mehr als 5 Prozent gestiegen - eine nochmalige Steigerung des ohnehin schon großen Optimismus.

Spiegelbildlich sind die Angstbarometer hierzulande und in den USA, die Volatilitätsbarometer VDAX-New und der VIX, auf das niedrigste Niveau seit Dezember 2017 beziehungsweise Anfang Januar 2018 gefallen und zeigen damit eine hohe Sorglosigkeit der Anleger. Nachdem dieses extrem niedrige Niveau erreicht wurde, kam es in der Vergangenheit immer wieder häufig zu Turbulenzen an den Aktienmärkten, so wie Ende Januar 2018. 

Ein untrügliches Signal für ein heißes Börsenpflaster sind außerdem die zahlreichen Börsengänge. Hier drängt sich ein Vergleich zur Jahrtausendwende auf. Die 16 Neuemissionen des Jahres 2018 in Deutschland erreichten das höchste Volumen seit 1999, was vor allem auf das Konto der Börsengänge von DWS, Siemens Healthineers und Knorr Bremse geht. Für dieses Jahr wurden allerdings angekündigte große Börsengänge verschoben, etwa von der VW-Trucksparte Traton oder das IPO der Antriebssparte von Continental.

Heißer US-IPO-Markt

Dagegen hat der IPO-Markt in den USA Fahrt aufgenommen. Wagniskapitalgeber schwimmen in Anlegergeld und kaufen fleißig Start-ups auf der Suche nach Renditechancen. Dadurch bekommen auch Unternehmen sehr viel Geld, die noch hohe Verluste schreiben. Auch hier bietet sich eine Parallele zu 1999 an. Damals wie heute haben mehr als 70 Prozent der Unternehmen, die an die Börse kamen, kein Geld verdient. Der Unterschied besteht nun darin, dass die Bewertungen heute um ein vielfaches höher sind als 1999.

Gleichzeitig steigen auch die Bewertungen der Unternehmen: In den vergangenen Jahren hat sich der Wert der sogenannten Einhörner, also Unternehmen, die in vorbörslichen Finanzierungsrunden mit einer Milliarde Dollar oder mehr bewertet werden, in etwa verfünffacht. Der Fahrdienst Lyft ist eines der jüngsten Beispiele hierfür: Bei einem Verlust von mehr als 900 Millionen Dollar 2018 ist das Unternehmen beim Börsengang mit mehr als 23 Milliarden Dollar bewertet worden.

Daher sollten die aktuellen Risikofaktoren nicht vernachlässigt werden. Im Gegensatz zu Blackrock, vergisst zum Beispiel dessen europäischer Konkurrent und Fondsanbieter Lyxor nicht die Gefahren zu erwähnen: Dazu gehört den Geldmanagern zufolge unter anderem ein möglicher neuer Zollstreit zwischen den USA und deren Handelspartnern. Europäische und japanische Autobauer seien daher bereits in Alarmbereitschaft - Anleger sollten es auch sein.

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Quelle: n-tv.de