Wirtschaft

Neuer Bahnchef kommt "in Kürze" Deutsche Bahn muss mit Verspätung rechnen

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Sieben Jahre Chef der Deutschen Bahn: Rüdiger Grube, hier auf dem Dach des Bahntowers in Berlin (Archivbild).

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Schlag hat gesessen: Mit seinem überraschenden Rückzug von der Konzernspitze brummt Ex-Bahnchef Grube der Bundesregierung eine gewichtige Personalfrage auf. Hektisch laufen im Hintergrund politische Rangierarbeiten auf allen Gleisen.

Die Deutsche Bahn soll nach dem Willen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt rasch einen Nachfolger für ihren zurückgetretenen Chef Rüdiger Grube bekommen. "Es wird in Kürze soweit sein", sagte der CSU-Politiker. Er rechne allerdings "nicht heute oder morgen" damit.

Grube war im Streit mit dem Aufsichtsrat am vergangenen Montag überraschend zurückgetreten. Als möglicher Kandidat gilt der Bahnvorstand und frühere CDU-Politiker Ronald Pofalla, gegen den allerdings aus der SPD Bedenken laut wurden.

Die Parteivorsitzenden der großen Koalition wollen nach Angaben von CSU-Chef Horst Seehofer bei ihrem Treffen zu Wochenbeginn in München nicht über die Personalie beraten. "Die Nachfolge des Bundesbahnvorstandes steht nicht auf der Tagesordnung", sagte Seehofer. Beobachter hatten zuvor darüber spekuliert, dass es bei dem Treffen womöglich bereits zu einer Einigung kommen könnte.

SPD lehnt Ronald Pofalla ab

Die Besetzung des prominenten Postens ist hochpolitisch: Das Vorschlagsrecht für den Vorstandschef liegt traditionell beim Kanzleramt. Der Koalitionspartner SPD, der zudem indirekt noch über das Wirtschaftsministerium im Aufsichtsrat vertreten ist, hat aber faktisch ein Vetorecht.

Die SPD-Verkehrsexpertin und Bahn-Aufsichtsrätin Kirsten Lühmann sprach sich bereits klar gegen Ex-Kanzleramtsminister Pofalla als neuen Bahnchef aus. Der Aufsichtsrat habe Pofalla erst vor acht Wochen zum neuen Netz-Vorstand ernannt, den Technik-Bereich davon aber wegen Pofallas fehlender Erfahrung ausgegliedert, sagte Lühmann dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". "Ich halte diese Entscheidung immer noch für gut und richtig. Und dann kann ich aber nicht acht Wochen später sagen, er ist geeignet, Vorstandsvorsitzender zu werden."

Lühmann plädierte für einen Kandidaten von außerhalb des Konzerns, der möglichst schon im März präsentiert werden sollte. Sie sei auch dagegen, einen Übergangskandidaten für zwei oder drei Jahre zu benennen.

Grube: "Es tut weh"

Zuvor hatte die "Bild am Sonntag" berichtet, dass die Suche nach einem Nachfolger für Grube beim Treffen von Kanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Sigmar Gabriel von der SPD und CSU-Chef Seehofer zur Inneren Sicherheit am Montag in München ebenfalls angesprochen werde. Favorit für Grubes Nachfolge sei der frühere Kanzleramtsminister und derzeitige Bahn-Vorstand Pofalla.

Im Gegenzug könnte der SPD-Mann und Ex-Tui-Chef Michael Frenzel an die Spitze des Aufsichtsrats rücken, schrieb das Blatt. Nach "BamS"-Informationen gibt es in der CSU allerdings Vorbehalte gegen Frenzel als Oberkontrolleur der Bahn. Bislang übernimmt Finanzvorstand Richard Lutz Grubes Aufgaben. Weil ihm aber die für den Spitzenposten erforderliche Parteibindung fehlt, halten es Beobachter für wenig wahrscheinlich, dass er das Amt dauerhaft besetzen kann.

Grube selbst scheint seinen unvermittelten Rückzug mittlerweile zumindest teilweise zu bedauern. Der "BamS" sagte der langjährige Bahnchef, dass ihm die Entscheidung schwergefallen sei. "Es tut weh, 300.000 Bahner unerwartet zurückzulassen", so Grube wörtlich. Hintergrund des Rücktritts war ein Streit um Grubes Vertragsverlängerung. In einem Brief an die Bahn-Mitarbeiter schrieb Grube, dass der Aufsichtsrat eine bereits zugesicherte Verlängerung bis 2020 auf zwei Jahre habe verkürzen wollen.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/rts

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