Wirtschaft

Sewing plaudert Deutsche-Bank-Chef leiht Geld beim Fahrer

Der Boss der Deutschen Bank gewährt seltene private Einblicke. Bei einer Talkrunde verrät er unter anderem, warum er sich bei seinem Fahrer kurzzeitig verschuldete und warum sich seine Kinder nicht über Negativzinsen ärgern müssen. Außerdem gebe es zu viele Banken, so der Bank-Boss.

Christian Sewing wägt gewöhnlich in der Öffentlichkeit jedes einzelne Wort genau ab. Der Chef der Deutschen Bank, der gerade den größten Jobabbau in der Geschichte des Unternehmens durchzieht, spricht selten im lockeren Plauderton über sein Privatleben und schon gar nicht über die Bank, die sich seit Jahren in einer existenziellen Dauerkrise befindet. Eine seltene Ausnahme machte Sewing bei einer Talkrunde in Düsseldorf. Auf die Frage, wie viel Bargeld er gerade dabei habe, gestand er: "Ich hab mir vorhin sogar was von meinem Fahrer geliehen, weil ich dachte, ich hätte nichts dabei." Aber er war nur kurz Schuldner: "Ich habe dann glücklicherweise doch noch was gehabt ...", so Sewing.

Beim "Ständehaus-Treff" der "Rheinischen Post" gewährte Sewing noch weitere Einblicke. So mache seine Familie Bankgeschäfte "zu 95 Prozent online mobil" - also via Smartphone. Er selbst sei "fast noch der Traditionalist" und gehe auch mal in die Filiale. Zuhause spreche er mit seinen Kindern nicht über Geld, sagte der vierfache Vater. Sie hätten ohnehin kein Guthaben, bei dem sie sich über niedrige Zinsen ärgern könnten.

Vielmehr komme der 19-jährige Sohn "am Wochenende oft mal nach Hause und fragt dann, ob wir nicht zusammen zur Tankstelle fahren können - die Tankfüllung muss ich dann bezahlen". Ansonsten kontrolliere er nicht die Konten der Kinder - nur prüfe er schon mal, so Sewing, dass sie nicht über den Online-Konkurrenten Paypal bezahlen - "dann würde es Beef in der Bude geben".

Aber nicht nur über seine Familie, sondern auch über die Bank und sein beispielloses Sparprogramm sprach Sewing freimütig. Einerseits gab er sich zuversichtlich, dass der Umbau auch ohne die Aufnahme neuen Kapitals gelingen werde. Er sei "nicht die letzte Patrone der Deutschen Bank, sondern eine gute", sagte Sewing auf eine entsprechende Frage. Aber falls die Reform in einigen Bereichen nicht gelingen sollten, hat er einen knallharten Plan-B: "Wenn man einen Bereich binnen drei Jahren nicht drehen kann, dann muss man sich trennen." Im Blick hat der dabei offensichtlich vor allem Teile des Investmentbankings.

Zugleich führte der Chef der tief in den roten Zahlen steckenden Großbank, Europa sei "overbanked", es gebe schlicht zu viele Banken in Europa und Deutschland. Was das genau für die Deutsche Bank bedeutet, sagte Sewing allerdings nicht - immerhin hatte eine Umfrage der "Welt am Sonntag" kürzlich ergeben, dass inzwischen fast die Hälfte der Entscheider in Unternehmen hierzulande die Existenz der Deutschen Bank als unbedeutend für den Wirtschaftsstandort halten.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/rts

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