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Donnerstag, 28. Juni 2018

Für Krisen nicht gewappnet: Deutsche Bank fällt im Fed-Test durch

Den ersten Teil des jährlichen Stresstests der Federal Reserve Bank besteht die Deutsche Bank noch, im zweiten Teil scheitert sie haushoch. Die Fed erkennt eklatante Planungslücken. Das hat nicht unerhebliche praktische Konsequenzen.

Die Deutsche Bank hat dem zweiten Teil ihres Stresstests durch die US-Notenbank Federal Reserve nicht standhalten können. In einem am Donnerstag nach Börsenschluss veröffentlichten Bericht bemängelt die Fed, dass die Deutsche Bank in den USA in ihren Planungen und internen Abläufen nicht ausreichend für Krisensituationen gewappnet sei. In allen Bereichen der Kapitalplanung wurden demnach "weitverbreitete und bedenkliche Defizite" festgestellt.

Das Ergebnis ist wenig überraschend. Dass es im zweiten Durchgang Schwierigkeiten geben würde, galt als wahrscheinlich. Laut Medienberichten wurde der US-Ableger der Deutschen Bank von der Fed und der Einlagensicherung FDIC bereits zuvor als Problemfall eingestuft. Das Institut musste in den letzten Monaten hohe Strafen wegen verschiedener Regelverstöße in den USA zahlen, dabei auch aufgrund mangelnder interner Kontrollen und Aufsichtsversagen. In dem nun veröffentlichten Bericht konstatiert die Fed gravierende Mängel in der Datenverarbeitung, den Voraussagen über Einnahmen und Verluste sowie in den internen Kontrollsystemen. Diese Schwächen weckten Besorgnisse hinsichtlich der Fähigkeiten der Deutsche-Bank-Tochter, "ihre Kapitalbedürfnisse auf vorausschauender Basis festzulegen".

Den vor einer Woche veröffentlichten ersten Teil des Tests hatte die Deutsche Bank noch bestanden. Dieser bewertete die Kapitalreserven für den Fall einer Rezession. Die US-Notenbank gelangte zu dem Schluss, dass die US-Tochter des Instituts - ebenso wie die übrigen 34 getesteten Banken - selbst bei einem schweren Einbruch der Konjunktur und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf zehn Prozent noch immer Geld an Unternehmen oder Privathaushalte verleihen könnten. Die Deutsche Bank hatte erfreut auf die ersten Ergebnisse des jährlichen Stresstests reagiert. Zu dem negativen Ergebnis des zweiten Testteils äußerte sie sich dagegen bislang nicht.

Anders als der erste Teil des Stresstests, der sich auf Reaktionen auf ökonomische Krisensituationen von außen fokussiert, legt der zweite Teil seinen Schwerpunkt auf die internen Planungsprozesse, mit denen sich die Banken für Krisen wappnen. In diesem Bereich der Fed-Analyse war die Deutsche Bank in den USA bereits in den Jahren 2015 und 2016 durchgefallen. Beim diesjährigen Test ist die Deutsche Bank die einzige der 35 von der Notenbank geprüften Banken, die bei dem Test versagte. Die praktische Konsequenz für das Institut ist, dass es nun jeden einzelnen seiner Kapitaltransfers an das Mutterhaus in Frankfurt am Main von der Fed genehmigen lassen muss. Die US-Tochter bekommt von der Notenbank zudem vorgeschrieben, an der Behebung der festgestellten Defizite zu arbeiten.

Die Stresstests bei den größten Banken in den USA waren als Reaktion auf die Finanzkrise von 2008 eingeführt worden. Sie sind Teil der sogenannten Dodd-Frank-Reformen, die den US-Finanzsektor gegen weitere Krisen wappnen und damit die US-Steuerzahler vor kostspieligen Bankenrettungen bewahren sollten.

Quelle: n-tv.de