Wirtschaft

"Blutbad" Fusionsplan notwendig Deutsche Bank ist nicht "brutal" genug

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Dauerbaustelle: Aufseher verweisen auf den noch nicht abgeschlossenen, aktuellen Konzernumbau bei der Deutschen Bank.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Zusammenschluss von Commerzbank und Deutscher Bank könne nur dann Erfolg haben, wenn die Kosten des entstehenden Konzerns mit einem "Blutbad" gesenkt würden, heißt es bei den zuständigen Aufsichtsbehörden. Das traut man den Managern aber kaum zu. Zudem laufen die Gewerkschaften Sturm.

Nach der offiziellen Bestätigung der Fusionsgespräche zwischen Commerzbank und Deutscher Bank melden sich zahlreiche Kritiker und Zweifler zu Wort. Neben Gewerkschaften, Vertretern öffentlicher Banken äußern auch Aufseher Bedenken gegen einen Zusammenschluss der beiden größten deutschen Banken zu einem sogenannten nationalen Champion. Dem Management der Deutschen Bank fehle die notwendige "schonungslose Brutalität", um eine Fusion der beiden unter hohen Kosten und geringen Erträgen leidenden Geldhäuser erfolgreich durchzuziehen, zitiert die "Financial Times" (FT) einen hochrangigen Bankenaufseher.  

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Ein Zusammenschluss der Deutschen Bank und der Commerzbank, der unter anderem von Bundesfinanzminister Olaf Scholz unterstützt wird, müsste unter anderem von der Europäischen Zentralbank, der Bundesbank und der Bafin genehmigt werden. Der "Financial Times" zufolge würden die Aufseher dabei vor allem Kostensenkungen durch einen rigorosen Stellenabbau bestehen. Sie seien besorgt, dass eine fusionierte Riesenbank andernfalls in Schieflage und zum Problemfall für die Eurozone werden könne. "Sollte der Deal schiefgehen, stünden wir vor Aufsichtsproblemen, die wir unbedingt vermeiden wollen", sagte ein Vertreter der Behörden der "FT".

Durch einen Zusammenschluss von Deutscher und Commerzbank würde das zweitgrößte Geldinstitut der Eurozone mit einer Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro entstehen. Ein wirtschaftlicher Vorteil ergäbe sich aber nur, wenn der neue Bankkonzern Doppelstrukturen konsequent abbaute. Gemeinsam haben die beiden Banken derzeit weltweit etwa 130.000 Mitarbeiter. Analysten zufolge müssten 20.000 Arbeitsplätze oder mehr gestrichen werden.

Ein solches "Blutbad" trauen die Aufseher der Deutschen Bank allerdings nicht zu. Sie verweisen insbesondere auf das jahrelange Hin und Her mit der Postbank, die 2010 von der Deutschen Bank übernommen wurde, dann wieder verkauft werden sollte und nun doch in den Konzern integriert wird.

"Fusionen führen nicht automatisch in goldene Zukunft"

Der zu erwartende Stellenabbau ruft auch die Gewerkschaften auf den Plan. Sowohl die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi als auch die Bankengewerkschaft DBV bekundeten ihre Ablehnung. "Sollte die Fusion kommen mit dem erwartbaren großen Stellenabbau, würden wir sicher mit unseren Mitteln dagegen vorgehen", sagte ein DBV-Sprecher der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Die Erfahrung mit früheren Bankenfusionen wie der von Commerzbank und Dresdner Bank hat gezeigt, dass sie keineswegs automatisch in eine goldene Zukunft führen."

Von den Volks- und Raiffeisenbanken ist scharfe Kritik vor alle an der Rolle der Bundesregierung bei den Fusionsgesprächen zu hören. "Es ist nicht Aufgabe des Staates, nationale oder europäische Champions zu schaffen", sagte Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken. "Champions entstehen im Wettbewerb als Folge guter unternehmerischer Entscheidungen."

Große Unternehmen seien oft nicht die besseren Unternehmen und wenn sie scheiterten, treffe es am Ende nicht selten den Steuerzahler, so Kolak. "Vor diesem Hintergrund ist es an der Zeit, dass der Bund sich möglichst bald aus dem Thema Großbankenbeteiligung zurückzieht." Der Bund hält auch zehn Jahre nach der Rettung in der Finanzkrise noch gut 15 Prozent an der Commerzbank.

Quelle: n-tv.de, mbo/rts