Wirtschaft

1,5 Milliarden über CoCo-Anleihen Deutsche Bank polstert Kapital auf

Als erstes deutsches Geldhaus bietet die Deutsche Bank Anlegern neuartige CoCo-Anleihen an - und macht sie damit im Krisenfall zu Verlustträgern. Es ist das dritte Mal innerhalb eines Jahres, dass die Bank den Markt anzapfen muss.

Die Deutsche Bank beschafft sich mit neuartigen Instrumenten Milliarden als zusätzlichen Kapitalpuffer für Krisenzeiten und wappnet sich so für den Stresstest der Europäischen Zentralbank. Um ihre Verschuldungsquote zu verbessern, bevor die Aufseher im Sommer das Institut auf Herz und Nieren prüfen, begibt die Bank ab Anfang Mai Options-Genussscheine über zunächst 1,5 Milliarden Euro. Insgesamt will die Bank damit bis Ende 2015 sogar rund 5 Milliarden Euro einsammeln. Am Dienstag legt die Bank ihre Zahlen für das erste Quartal vor.

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Das Besondere an den Papieren: Fällt die Eigenkapitalquote der Deutschen Bank unter 5,125 Prozent, werden sie abgeschrieben. Soll heißen: Eigentlich sind sie eine Art Anleihe, aber im Krisenfall verwandeln sie sich und müssen Verluste voll tragen. Im Englischen werden die Zwitter-Papiere deswegen "Contingent Convertible Bonds", kurz CoCos genannt, was sich etwa mit Eventual-Wandelanleihe übersetzen lässt. Jedes Wertpapier ist mit einem Optionsschein ausgestattet, der den Inhaber zum Kauf einer Stammaktie der Deutschen Bank AG berechtigt. Mit einer Stückelung von jeweils über 100.000 Euro richtet sich die Bank vorrangig an institutionelle Investoren.

Deutsche Bank hinkt beim Kapital hinterher

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Als erstes deutsches Geldhaus begibt die Deutsche Bank Coco-Anleihen. Damit haften Investoren für Verluste.

(Foto: picture alliance / dpa)

Solche CoCo-Anleihen nutzen Banken anderswo schon lange, um ihr Kapital aufzupolstern. Ähnliche Papiere hatten zuletzt französische Großbanken begeben, die klassischen CoCo-Anleihen mit einem Zwangstausch in Aktien sind vor allem in der Schweiz verbreitet. Die Deutsche Bank ist aber das erste deutsche Geldhaus, das solche exotischen Hybrid-Anleihen herausgibt. Auch andere deutsche Banken beobachten den Testlauf der Deutschen Bank gespannt, weil sie ebenfalls solche Papiere platzieren wollen - etwa die Aareal Bank, die Commerzbank und einige Landesbanken.

Erst vor Ostern hatten die Finanzbehörden aus steuerlicher Sicht grünes Licht dafür gegeben. Um ihre CoCo-Papiere an den Mann zu bringen, startet die Deutsche Bank in der kommenden Woche eine Roadshow. Eine Telefonkonferenz für Investoren und Analysten ist zudem am 7. Mai 2014 geplant.

Die Ausgabe der CoCo-Papiere ist ein deutliches Zeichen, dass die Deutsche Bank bei der Kapitalausstattung hinterherhinkt: Aktuell erfüllt das Geldhaus mit 3,1 Prozent die gesetzlich vorgeschriebene Verschuldungsgrenze von 3,1 Prozent der Bilanzsumme nur mit Ach und Krach. Zudem ist es bereits das dritte Mal innerhalb eines Jahres, dass die Bank den Markt anzapfen muss, um ihr Kapital zu stärken.

Schon im vergangenen April hatte sie ihr Kapital um drei Milliarden Euro erhöht, im Mai dann weitere 1,5 Milliarden Euro über andere Kapitalinstrumente eingesammelt. Bei ihrem Antritt im Jahr 2012 hatten die Bankchefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain noch angekündigt, das Kapital mit einem Stufenplan selbst schrittweise aufzubessern, indem sie Gewinne einbehalten. Wegen fragwürdiger Geschäfte in der Vergangenheit war der Profit der Bank aber im vergangenen Jahr deutlich eingebrochen. Deshalb zapft sie nun den Markt an, um frisches Geld einzusammeln.

Quelle: n-tv.de, mit Reuters

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