Wirtschaft

Mehr als 100 Tonnen in Frankfurt Deutsche Börse hortet Gold

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Starker Anstieg seit Jahresbeginn: Die Nachfrage nach Gold (hier im Tresor der Bundesbank) und auf Gold basierten Wertpapieren steigt deutlich.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Niedrigzins der Europäischen Zentralbank verursacht erhebliche Nebenwirkungen aus. Sparer versuchen, ihre Rücklagen möglichst wertstabil in Sicherheit zu bringen. Eine Folge: Mitten in Deutschland türmen sich gewaltige Mengen Edelmetall auf.

Die Niedrigzinsen haben die Nachfrage nach Gold als Anlage bei der Deutschen Börse auf ein Rekordhoch getrieben. Inzwischen lagern mehr als 100 Tonnen des Edelmetalls in den Tresoren in Frankfurt, wie der Konzern mitteilte. Seit Jahresbeginn sei der Bestand um rund 70 Prozent gestiegen.

Gold, Feinunze
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Neues Gold kommt immer dann dazu, wenn Kunden die sogenannte Xetra-Gold-Anleihe erwerben. Für jeden Anteilschein wird ein Gramm Gold hinterlegt. Gold gilt vielen Anlegern in turbulenten Zeiten gemäß einer alten Faustregel als "sicherer Hafen" - obwohl auch der Goldpreis starken Schwankungen unterworfen sein kann.

Ein weiteres Argument für Gold sehen viele Investoren in der Schwäche anderer Geldanlagen: Klassische Sparprodukte wie etwa Sparbücher oder Festgeldkonten werfen wegen der Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) kaum noch etwas ab. Mitunter liegt die angebotene Verzinsung unterhalb der Inflationsrate. Langfristig verlieren Sparer damit also Geld.

Ein Kilo bleibt ein Kilo

Die Suche nach Auswegen aus dieser Misere lässt Investoren zu Alternativen greifen. Edelmetall bietet Anlegern greifbare Vorteile und ein Gefühl von Sicherheit, das abstraktere Anlageformen nicht vorweisen können. "Xetra-Gold" zum Beispiel können sich Anleger auf Wunsch auch ausliefern lassen. Gehandelt wird Gold hier allerdings nicht in der international üblichen Feinunze und Dollar, sondern in Gramm und Euro. Dafür können skeptische Anleger die Seriennummern und andere Detaildaten der eingelagerten Barren einsehen.

"Das Recht des Investors auf Lieferung der verbrieften Menge Gold wird nicht wie bei anderen Anlagen in Gold durch Abzug von Managementkosten oder anderen Gebühren verringert", wirbt die Emittentin Deutsche Börse Commodities, ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem neben der Deutschen Börse auch die Commerzbank, die Deutsche Bank und die DZ Bank beteiligt sind. "1000 Xetra-Gold Schuldverschreibungen verbriefen auch in 30 Jahren noch ein Kilogramm Gold."

Keine Zinsen, keine Ausschüttung

Profitieren können Gold-Anleger dabei jedoch nur von einem erhofften Preisanstieg. Auf eine Verzinsung des angelegten Geldes wie bei herkömmlichen Anlageprodukten - oder gar eine Gewinnausschüttung wie bei Aktien - müssen Anleger bei der Investition in Gold verzichten. Das verwaltete Vermögen von Xetra-Gold beläuft sich den Angaben des Unternehmens zufolge aktuell auf 3,8 Milliarden Euro.

Die Anleger können sich der Deutschen Börse zufolge ihr Edelmetall jederzeit aushändigen lassen. Seit der Einführung von Xetra-Gold im Jahr 2007 wurden den Angaben zufolge insgesamt 4,5 Tonnen Gold ausgeliefert. Die Übergabe an den Anleger ist allerdings nicht ganz billig: "Die Lieferung von 1 Kilogramm Gold innerhalb Deutschlands ist ab Euro 315 möglich", schreibt die Herausgeberin der Xetra-Gold-Wertpapiere. Für Überstellungen ins Ausland werden je Kilo mindestens 2950 Euro fällig.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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