Wirtschaft

Index-Geschäft vor Ausbau Deutsche Börse will Stoxx komplett

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Investoren haben die Deutsche Börse zu Übernahmen im Index-Geschäft ermuntert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auf Übernahmen setzt der neue Chef der Deutschen Börse: Nun soll unter anderem der Stoxx komplett gekauft werden, mit der Schweizer Börse wird darüber bereits verhandelt. Der deutsche Börsenbetreiber hofft auf die steigende Beliebtheit einer bestimmten Geldanlage.

Die Deutsche Börse will ihre Position im boomenden Index-Geschäft durch zwei Zukäufe ausbauen. Das Unternehmen verhandelt mit der Schweizer Börse Six darüber, die bisher gemeinsam betriebenen Töchter Stoxx und Indexium komplett zu übernehmen. Als Kaufpreis sind 650 Millionen Schweizer Franken (623 Millionen Euro) im Gespräch, wie beide Konzerne mitteilten.

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Damit setzt die Deutsche Börse unter ihrem neuen Vorstandschef Carsten Kengeter wieder verstärkt auf Übernahmen. Der langjährige Investmentbanker hat Anfang des Monats die Nachfolge von Reto Francioni angetreten, der großen Deals nach der geplatzten Fusion mit der Nyse Anfang 2012 eine Absage erteilt hatte. Kengeter ist dagegen offen für größere Übernahmen. Finanzkreisen zufolge hat er auch ein Auge auf die Devisenhandelsplattform 360T geworfen.

Bei Six hat das Unternehmen Insidern zufolge erst vor Kurzem wegen einer Komplettübernahme der Index-Töchter vorgefühlt. Derzeit hält die Deutsche Börse 50,1 Prozent an Stoxx und 49,9 Prozent an Indexium. Die Schweizer sind verhandlungsbereit, weil das internationale Index-Geschäft nicht unbedingt zu ihrem Kerngeschäft gehört.

Steigende Beliebtheit von ETFs verspricht Wachstum

Ob die Übernahme am Ende zustande kommt, ist Finanzkreisen zufolge aber offen. Die heiße Phase der Gespräche habe gerade erst begonnen. "Jetzt wird's erst richtig spannend", sagte ein Insider. Er rechnet in den kommenden vier bis sechs Wochen mit einer Entscheidung. Investoren haben die Deutsche Börse zu Übernahmen im Index-Geschäft ermuntert. Es verspricht wegen der steigenden Beliebtheit von börsennotierten Indexfonds (ETFs), die beispielsweise auf dem Dax oder dem Euro-Stoxx-50 basieren, hohes Wachstum.

ETFs haben in den vergangenen Jahren meist besser abgeschnitten als aktiv betreute Fonds. Zudem sind sie günstiger - zum Abbilden eines Indexes werden schließlich keine gut bezahlten Fondsmanager benötigt. Für Börsenbetreiber ist das Index-Angebot interessant, weil sie dadurch unabhängiger von Marktschwankungen werden. Sie erhalten von Finanzinstituten Lizenzgebühren, wenn diese ETFs auf einen Index auflegen, und können zudem die dazugehörigen Handelsdaten weiterverkaufen. Viele Börsenbetreiber, die seit der Finanzkrise unter rückläufigen Handelsumsätzen leiden, bauen ihr Index-Geschäft deshalb aus.

Banken wollen Index-Geschäft loswerden

Die Londoner Börse hat im vergangenen Jahr knapp drei Milliarden Dollar für den Index-Anbieter Russell auf den Tisch gelegt - und wurde davon von Investoren gefeiert. Auch die Deutsche Börse sucht in dem Bereich schon länger nach Zukaufsmöglichkeiten. Insidern zufolge haben sich die Frankfurter unter anderem das Index-Geschäft der britischen Bank Barclays angeschaut, sich aber vorläufig gegen eine Offerte entschieden.

Einige Banken wollen ihr Index-Geschäft Finanzkreisen zufolge losschlagen, weil die Aufsichtsbehörden den Bereich nach dem Skandal um die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor stärker kontrollieren wollen.

Quelle: ntv.de, kst/rts

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