US-Ausfuhren beflügelnDeutsche Exporte legen im Mai überraschend zu

Die deutschen Exporte schwächeln lange und dann stürzt der Iran-Krieg die Welt zusätzlich in eine Krise. Umso überraschender, dass die Ausfuhren im Mai zulegen. Wichtiges Zugpferd sind dabei die USA.
Die deutsche Wirtschaft hat sich im Mai überraschend gut geschlagen: Nach Einzelhandelsumsätzen, Industrieaufträgen und Produktion wuchsen auch die Exporte unerwartet. Die Warenausfuhren stiegen wegen der höheren Nachfrage aus den USA und China um 0,9 Prozent zum Vormonat auf 137,9 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das war bereits das vierte Plus in Folge. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang von 0,3 Prozent gerechnet. Die Importe schrumpften dagegen um 2,5 Prozent auf 118,8 Milliarden Euro.
"Für die deutsche Wirtschaft war der Mai ein guter Monat", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Die vielerorts befürchtete wirtschaftliche Delle im zweiten Quartal dürfte ausbleiben." Noch fehlten zwar die Juni-Daten. Der Mai habe aber so deutlich überrascht, dass es selbst bei einem kleinen Rückschlag im Juni zu einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes reichen dürfte. Im ersten Quartal hatte es zu einem Plus von 0,3 Prozent gereicht. Wegen des Iran-Kriegs hatten viele Experten eine Stagnation oder sogar ein Minus für das Frühjahr erwartet. Für das Gesamtjahr 2026 sagen die meisten Ökonomen ein Wachstum von etwa einem halben Prozent voraus, angekurbelt auch durch milliardenschwere staatliche Investitionen in Infrastruktur und Aufrüstung.
Die meisten Ausfuhren in ein einzelnes Land gingen im Mai erneut in die USA: Dorthin wurden deutsche Waren im Wert von 14,1 Milliarden Euro geliefert und damit 23,1 Prozent mehr als im Vormonat. "Den Exporten hilft, dass die US-Wirtschaft weiter dampft", sagte der Chefvolkswirt von ABN Amro Deutschland, Alexander Krüger. Sein Kollege Gitzel sieht darin aber noch keine Trendwende im transatlantischen Handel. "Die Handelshemmnisse haben sich mit den Trump'schen Zöllen erhöht, gleichzeitig verlagern viele Unternehmen ihre Produktion direkt in die USA", sagte Gitzel. Damit dürfte das Exportvolumen über den Atlantik nachhaltig geringer ausfallen.
EU-Staaten importieren weniger
Das deutsche China-Geschäft legte um 7,1 Prozent zum Vormonat auf 6,2 Milliarden Euro zu. Die Exporte in die EU-Staaten sanken entgegen dem Trend um 1,1 Prozent auf 78,3 Milliarden Euro. Belastet werden könnte die deutsche Exportwirtschaft künftig vom wiederaufgeflammten Iran-Krieg. US-Präsident Donald Trump hatte das vorläufige Waffenstillstandsabkommen mit dem Iran für nichtig erklärt. Die USA griffen nach eigenen Angaben erneut Ziele im Iran an, der wiederum mit Attacken auf Kuwait und Bahrain reagierte.
Dabei hatte es zuvor nach Deeskalation im Nahen Osten ausgesehen. Das Barometer für die Exporterwartungen stieg deshalb im Juni auf minus 3,7 Punkte, von minus 5,7 Zählern im Mai, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Unternehmensumfrage mitteilte. "Die Exporteure sind noch skeptisch, ob die geopolitische Unsicherheit nachhaltig abnimmt", sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. "Zudem ist die internationale Konkurrenz weiterhin stark."