Wirtschaft

643 Millionen Euro Entschädigung Deutsche Firma soll Buffett betrogen haben

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Star der Investoren: Warren Buffett bei der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway im vergangenen Jahr.

(Foto: imago images/Xinhua)

In einem aufsehenerregenden Deal kauft ein Unternehmen des Starinvestors Warren Buffett 2017 für 800 Millionen Euro einen deutschen Mittelständler. Später behauptet der Käufer, der angebliche Hidden Champion hätte seinen Wert mit Fake-Geschäften aufgebläht. Ein Schiedsgericht bestätigt den Vorwurf.

Anfang 2017 schaute die Welt plötzlich auf Krefeld. Dort schlug Warren Buffett, der wohl berühmteste lebende Investor, zu: Ein Tochterunternehmen seiner Holding Berkshire Hathaway kaufte eine mittelständische Firma, von der selbst in Deutschland die meisten Menschen noch nie gehört hatten, die Wilhelm Schulz GmbH. Plötzlich berichteten internationale Medien begeistert über den hoch spezialisierten Hersteller von Röhren und Röhrenteilen unter anderem für den Flugzeugbau. Ein typischer deutscher Hidden Champion, ein unbekannter Weltmeister, für den die Berkshire-Tochter Precision Castparts (PCC) 800 Millionen Euro zahlte.

Wie ein Schiedsgericht in den USA befand, waren das allerdings 643 Millionen Euro zu viel. Schulz habe vor dem Verkauf seine Bilanz durch gefälschte Rechnungen und Bestellungen aufgebläht. Tatsächlich habe kurz vor der Übernahme sogar das "ernste Risiko" einer Insolvenz bestanden. Der reale Wert der Firma habe bei 157 Millionen Euro gelegen. "Die Beweise weisen stark auf Betrug hin", so das Urteil der Kammer des Internationalen Zentrums für Streitbeilegung. PCC hat nun bei einem US-Bundesgericht beantragt, die Entscheidung zu bestätigen.

Der ehemalige Eigentümer der Wilhelm Schulz GmbH, Wolfgang Schulz, weist die Vorwürfe zurück. "Wir sind vom Ausgang des Schiedsverfahrens enttäuscht und halten die Entscheidung für falsch. Unsere Anwälte prüfen daher aktuell mögliche rechtliche Schritte", teilte ein Sprecher des Krefelder Unternehmens der "Rheinischen Post" mit. "Wir sind zuversichtlich, dass sich nachweisen lässt, dass PCC durch den Kauf des Unternehmens kein Schaden entstanden ist."

Doch nicht nur die US-Justiz beschäftigt sich mit den Vorwürfen gegen Schulz. Auch die Düsseldorfer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität ermittelt in dem Fall. Schon 2018 sei bei der Staatsanwaltschaft in Krefeld eine entsprechende Anzeige eingegangen. Die komplexen Ermittlungen seien dann an die Spezialisten in Düsseldorf übergeben worden. Die Vorwürfe gegen insgesamt acht Beschuldigte lauteten Betrug, Urkundenfälschung und Bilanzfälschung, heißt es weiter in dem Bericht. Ein Ende der Ermittlungen sei noch nicht absehbar.

Quelle: ntv.de, mbo