Wirtschaft

Normalität erst im Jahr 2021? Deutsche Firmen in China quälen sich

imago0085009224h.jpg

EIn chinesischer Arbeiter in einem VW-Werk in Quingdao im Nordosten des Landes. Deutsche Unternehmen in Fernost leiden nach wie vor unter den Auswirkungen der Krise.

(Foto: imago images/VCG)

Reisebeschränkungen, langsames Internet und teure Kredite - die Corona-Krise hält deutsche Firmen in China auf Trab. Auch wenn die Volksrepublik das Virus seit März weitestgehend im Griff hat. Das könnte Folgen für die globalen Lieferketten haben.

Deutsche Unternehmen in China leiden nach Darstellung der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) unter schweren Umsatzeinbußen durch die Corona-Krise, die sich länger als erwartet hinzieht. "Die Rückkehr des Geschäfts auf Vor-Krisen-Niveau wird sich voraussichtlich auf nächstes Jahr verschieben", sagte Ulf Reinhardt von der AHK in China bei der Vorlage einer Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen in Peking. Während fast drei Viertel eine Erholung der Produktionsfähigkeiten sehen, ist die Unsicherheit weiter "besonders groß". Zwei Drittel plagt der Rückgang der Nachfrage.

So verschiebt oder streicht die Hälfte der Unternehmen anstehende Investitionsentscheidungen. "Jedes zweite befragte deutsche Unternehmen in China erwartet 2020 einen zweistelligen Rückgang im Absatz", sagte Reinhardt. "Eine beunruhigende Zahl." Zu den größten Herausforderungen zählten auch die Beschränkungen der Reisemöglichkeiten nach China und Probleme mit den Geldströmen für kleine und mittelständische Firmen.

In China waren vor mehr als sieben Monaten die ersten Infektionen mit dem Coronavirus entdeckt worden. Seit März hat das Land das Virus aber weitgehend in den Griff bekommen, während sich die Pandemie in anderen Ländern stark ausbreitet. Die Lungenkrankheit Covid-19 schaffe neue Herausforderungen, verstärke aber auch alte Probleme wie etwa mit den Investitionsbedingungen sowie mit dem Zugang zum Internet und zur Finanzierung vor Ort, hält die Umfrage fest.

Als zweitgrößte Volkswirtschaft spielt China nach Ansicht der Handelskammer eine Schlüsselrolle für eine Erholung der Weltwirtschaft. Die deutschen Unternehmer suchen aber mehr Planungssicherheit für Investitionsentscheidungen in China.

"Unternehmen befürchten technologischen Kalten Krieg"

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise und des Handelskrieges der USA mit China sorgen sich die Geschäftsleute auch wegen Tendenzen hin zu einer Entkoppelung der Volkswirtschaften und möglichen Auswirkungen auf die globalen Lieferketten. "Einige Unternehmen befürchten einen aufkommenden technologischen Kalten Krieg, mit dem parallel Systemstandards entstehen", heißt es auch vor dem Hintergrund des Handelskrieges der USA mit China.

Um die Zuversicht zu verbessern, sollte China demnach möglichst bis Ende des Jahres die Verhandlungen über das Investitionsschutzabkommen mit der EU abschließen. "Es wäre ein wichtiges Signal", sagte Yasmine Riechers von der Kammer. Das Abkommen soll mehr Marktzugang und faire Wettbewerbsbedingungen schaffen, Hürden für Investitionen abbauen und die Rolle von Staatsunternehmen verringern. 44 Prozent der deutschen Unternehmen fordern endlich Gleichbehandlung mit chinesischen Firmen. Dass China wegen der Pandemie die Grenzen für Ausländer praktisch dicht gemacht hat, plagt 89 Prozent.

Um Chinas Reisebeschränkungen abzubauen, fordern die Unternehmen einheitliche Tests und Quarantänevorschriften, die auf Gegenseitigkeit beruhen sollten. "Für erfolgreiche Investitionen müssen ausländische Experten hierherkommen", sagte Clas Neumann von der Kammer. Auch müssten bestehende Aufenthaltsgenehmigungen für im Ausland gestrandete deutsche Unternehmensvertreter wieder in Kraft gesetzt werden.

Forderung nach schnellerem Internetzugang und günstigen Krediten

Da die Krise die Digitalisierung vorantreibe, sei auch unbeschränkter und schnellerer Zugang zum Internet nötig, forderte die Kammer, ohne direkt auf die Zensur durch die "Große Firewall" in China einzugehen, die viele ausländische Webseiten und soziale Medien sperrt. Auch seien "transparente und angemessene" Regeln zur Cybersicherheit nötig, die auch grenzüberschreitenden Datenverkehr erlauben müssten.

Da viele Unternehmen gerade auch in der Corona-Krise schnell knapp bei Kasse sind, fordert die Handelskammer zudem besseren Zugang zu Krediten in China. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen könnten keine oder nicht ausreichend Finanzierungen durch chinesische Banken bekommen. Hier seien transparente, angemessene und auch leichter zu erfüllende Kreditvorschriften nötig. Auch müsse der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr einfacher werden.

Quelle: ntv.de, cbr/dpa