UniCredit ist abgetauchtDie Commerzbank demonstriert Geschlossenheit gegen den unsichtbaren Gegner

Der größte Aktionär fehlt bei der Hauptversammlung der Commerzbank: die italienische Großbank UniCredit, die das Frankfurter Traditionshaus schlucken möchte. In der Halle herrscht Heimspielstimmung.
Bei der Hauptversammlung der Commerzbank in den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden dreht sich an diesem Mittwoch fast alles um jemanden, der gar nicht da ist: um UniCredit. Übernahmepläne, Machtfragen, Zukunftssorgen: Das Thema schwebt über der Halle wie eine Gewitterwolke. Die Italiener selbst? Fehlanzeige. Niemand ist bei der Aktionärsversammlung persönlich vor Ort, obwohl UniCredit der mit Abstand größte Anteilseigner ist. Kein großer Auftritt, kein Manager aus Mailand, keine Charmeoffensive.
Während UniCredit in Abwesenheit zur Hauptfigur dieser Hauptversammlung wird, inszeniert sich die angegriffene Commerzbank demonstrativ als eingeschworene gelbe Gemeinschaft. Schon am Eingang leuchtet es knallgelb. Die Farbe der Marke Commerzbank. Rund 200 Mitarbeiter tragen T-Shirts mit der Aufschrift: "We own yellow". Eine Art textile Kampfansage Richtung Mailand. Übersetzt ungefähr: unsere Bank, unsere Farbe, unsere Nerven.
Die Stimmung wirkt erstaunlich geschlossen. Nicht euphorisch, aber trotzig. Als Aufsichtsratschef Jens Weidmann den Einsatz der Belegschaft lobt, gibt es langen Applaus. Besonders laut natürlich aus der gelben T-Shirt-Fraktion. Kurz hat die Hauptversammlung etwas von einem Heimspiel mit Dax-Bilanz. Selbstverständlich ist die Eintracht von Unternehmensführung und Belegschaft nicht. Nicht nur in der Vergangenheit trugen Arbeitnehmer und Arbeitgeber bei der Commerzbank erbitterte Auseinandersetzungen über Sparprogramme und Entlassungswellen aus. Auch im Abwehrkampf gegen UniCredit setzt das Management unter anderem auf Arbeitsplatzabbau in großem Stil.
Und dann betritt Vorstandschefin Bettina Orlopp die Bühne. Rotes Kleid, irgendwo zwischen Rot und Magenta. Kein UniCredit-Rot natürlich. In diesen Tagen kann hier jede Farbnuance politisch interpretiert werden.
Dabei ist die Kulisse insgesamt deutlich kleiner als früher. Keine riesige Festhalle in Frankfurt mehr, sondern die sachlicheren, günstigeren Rhein-Main-Hallen. Gut gefüllt, aber nicht pompös. Auch das passt zur neuen Commerzbank: effizienter, schlanker, kostenbewusster.
Nur bei einem Thema spart hier heute niemand: bei den Emotionen rund um UniCredit. Obwohl niemand aus Mailand da ist, beherrscht die Bank den ganzen Saal. Das muss man auch erstmal schaffen.