Wirtschaft

Goldlöckchen-Umfeld Die Herbstrally bleibt im Schwung

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die Aktienkurse schwanken derzeit so wenig wie noch nie. Gemeinsam mit der extrem hohen Liquidität sorgt das für ein gutes Umfeld für weiter steigende Aktienkurse.

Die Aktienkurse schwanken kaum: Der VDax-New notiert nur noch bei rund zwölf Punkten. Der Volatilitätsindex misst anhand der Dax-Optionen die an den Terminmärkten erwarteten Schwankungen für die nächsten 30 Tage. Da Börsianer Volatilitäten vor allem als Risiken interpretieren, bedeutet ein niedriger Indexwert, dass sich die Anleger nur wenig Sorgen machen.

Zur Einordnung: Derzeit notiert der VDax-New historisch niedrig. Im Mittel der vergangenen Jahre bewegte er sich lange deutlich über 20, in Spitzenzeiten von Lehman-Zusammenbruch und Griechenland-Krise stieg das Angstbarometer sogar auf bis zu 60 Zähler. Ähnliches gilt für das US-Pendant VIX. Auch hier herrscht derzeit unter den Anlegern vor allem eins: Sorglosigkeit.

Ob dieses mangelnde Risikobewusstsein angesichts des Konflikts mit Nordkorea, der Absetzbewegungen Kataloniens oder einer wahrscheinlichen weiteren Zinserhöhung in den USA gerechtfertigt ist, spielt eigentlich keine Rolle. Entscheidend ist: Die Anleger scheinen sich momentan durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen.

Gleichzeitig schwimmen die internationalen Finanzmärkte in Geld. Allein die Bilanzsummen der Europäischen Zentralbank EZB und der amerikanischen Fed summieren sich auf mehr als 8000 Milliarden Euro. Mit diesem in den Finanzmärkten zirkulierenden Geld ließen sich alle 30 Dax-Konzerne Deutschlands mehr als sechseinhalb Mal kaufen. Die Bilanzsummen der Bank of Japan und anderer Notenbanken sind bei dieser Rechnung noch nicht einmal berücksichtigt.

Goldlöckchen-Umfeld

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Thomas Buckard ist seit dem Jahr 2000 Gründungsmitglied und Aktionär der MPF AG. Als Vorstand ist er für die Kundenakquisition und -betreuung zuständig. Zuvor arbeitete der passionierte Bergsteiger im Private Banking der Deutsche Bank AG.

Trotz der extrem hohen Liquidität bewegt sich die Inflation auf einem niedrigen Niveau. Gleichzeitig wachsen die Volkswirtschaften moderat, nicht zu viel und nicht zu wenig. Angelehnt an ein angelsächsisches Kindermärchen, bei dem ein Brei nicht zu kalt und nicht zu heiß war, sprechen Anleger von einem Goldilock-Szenario – also von einem idealen Umfeld für Aktien.

Das einzige, was die Börsianer hierzulande monieren, ist der unerwartet kräftige Anstieg des Euros zum US-Dollar. Nachdem zu Jahresanfang die Parität in greifbare Nähe gerückt war, kostete ein Euro in der Spitze mehr als 1,22 US-Dollar. Und das, obwohl die Leitzinsen und die Zinsen an den Kapitalmärkten in den USA deutlich höher als in Europa sind, was im Normalfall die amerikanische Währung attraktiver macht.

Und wie geht es weiter? Der feste Euro und der schwache US-Dollar hinterlassen erste, allerdings überschaubare, Spuren. Die Wirtschaft der Eurozone wird im kommenden Jahr wohl etwas weniger stark wachsen als 2017. Die Verlangsamung dürfte jedoch im grünen Bereich sein, da viele Unternehmen vor allem in den europäischen Binnenmarkt exportieren, wo der Wechselkurs keine Rolle spielt.

Die USA werden dagegen konjunkturell etwas aufdrehen. Aufgrund der Größe des dortigen Binnenmarkts dürfte aber auch hier der Wechselkurseffekt überschaubar bleiben. Deutlich stärker könnte sich in der Vereinigten Staaten eine Steuerreform auswirken. Könnte, denn es bleibt spannend, ob es US-Präsident Donald Trump das erste Mal in seiner Amtszeit schafft, eine Ankündigung auch praktisch umzusetzen.

Unter dem Strich haben wir es an den Aktienmärkten weiter mit sehr guten Rahmenbedingungen zu tun. Es ist also durchaus denkbar, dass Dax & Co. nach dem vermeintlichen Crashmonat Oktober weiter fester tendieren. Diese Aufwärtsbewegung kann sich auch zunächst Anfang kommenden Jahres fortsetzen.

Unterschiedliche Bewertungen

Es sind allerdings regionale und Branchen-Unterschiede zu erwarten. Vor allem die Wallstreet ist hoch bewertet. Das gilt noch mehr für die amerikanischen Tech-Aktien. Facebook, Netflix oder Tesla sind allein in diesem Jahr – in Dollar gerechnet – schon zwischen 30 und 45 Prozent gestiegen. Das wirkt sich natürlich auch auf die entsprechenden Aktienbewertungen aus.

Deutlich preiswerter ist der europäische Aktienmarkt, wo sich das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis mit rund 14 im Bereich der historischen Bewertungen bewegt. Wenn sich jetzt noch der Euro-Dollar-Kurs stabilisiert, bieten sich hier weiterhin gute Investitionsgelegenheiten.

Interessant sind darüber hinaus die Schwellenländer. Hier verfügen die Aktienmärkte nach wie vor über beträchtliches Nachholpotenzial. Bis zum Jahresende dürfte somit das Börsenwetter gut bleiben – im Frühjahr 2018 muss dann allerdings mit Glättegefahr gerechnet werden.

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Quelle: ntv.de