Die Reichsten unter 30Deutscher nur noch zweitjüngster Milliardär der Welt

Das "Forbes"-Magazin kürt Johannes von Baumbach vor einem Jahr zum jüngsten Superreichen der Welt. Im aktuellen Ranking verdrängt eine 20-jährige Brasilianerin den Deutschen. Trostpflaster: Sein Vermögen beträgt das Sechsfache.
Seit 1987 listet das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" die reichsten Menschen der Welt. Dauergäste wie Elon Musk und Jeff Bezos machen das Rennen Jahr für Jahr unter sich aus. Bedeutend mehr Bewegung gibt es im Ranking der jüngsten Superreichen. Die Regeln sind einfach: Der Jüngste gewinnt, Hauptsache jünger als 30 Jahre und Milliardär.
Platz eins belegt in diesem Jahr die 20-jährige Amelie Voigt Trejes. Die Brasilianerin schaffte es mit 1,1 Milliarden US-Dollar zum ersten Mal auf die Liste - und das gleich als jüngste Milliardärin der Welt. Voigt Trejes ist eine der größten Einzelaktionärinnen des Elektromotoren-Herstellers WEG. Ihr Großvater Werner Ricardo Voigt gehörte zu den Gründern des Weltkonzerns und hinterließ ihr ein Vermögen in Aktien.
Damit ist Amelie Voigt Trejes bei weitem nicht die Einzige, der Name Voigt zieht sich durch das gesamte Ranking des Wirtschaftsmagazins. Amelies Brüder Jose und Filipe Voigt Trejes sind Zwillinge, 23 Jahre alt und verfügen wie ihre Schwester über ein Aktien-Vermögen von jeweils rund 1,1 Milliarden US-Dollar. Auch die 21-jährige Lívia Voigt de Assis und ihre 28-jährige Schwester Dora verdanken ihr Milliarden-Vermögen dem gemeinsamen Großvater. Laut "Forbes" bekleidet allerdings keiner der fünf Enkel eine leitende Position in der Firma des Großvaters.
Sieben Deutsche unter den jüngsten Superreichen
In der Milliardärsliste tauchen auch einige Deutsche auf, als erster der 20-jährige Johannes von Baumbach. Im vergangenen Jahr hatte er das Ranking der jüngsten Superreichen noch angeführt. Er ist gerade einmal drei Wochen älter als die aktuelle Nummer Eins, dafür aber sechsmal so reich. Sein Vermögen von rund umgerechnet 6,6 Milliarden US-Dollar geht auf seinen Urururgroßvater zurück, der vor mehr als 200 Jahren den Grundstein des Pharmariesen Boehringer Ingelheim gelegt hat.
Der Konzern mit Sitz im rheinland-pfälzischen Ingelheim am Rhein ist das umsatzstärkste nicht börsennotierte Pharmaunternehmen der Welt. Die Firma in Familienbesitz wird mittlerweile in vierter Generation von Hubertus von Baumbach geführt. Der Onkel des Jung-Milliardärs ist bekannt für seine Verschwiegenheit. Die Familie hat sich erfolgreich aus dem Ranking der reichsten Deutschen des "Manager Magazins" geklagt. Ihre jüngste Generation ist bei "Forbes" allerdings gut vertreten: Johannes' Geschwister Franz (24), Katharina (26) und Maximilian (28) stehen ebenfalls mit einem Vermögen von jeweils 6,6 Milliarden US-Dollar auf der Liste.
Altersmäßig auf Platz neun folgt mit Kevin David Lehmann ein weiterer Deutscher unter den 35 jüngsten Superreichen: Mit 23 Jahren darf er sich sogar noch über einen Platz in den Top Ten freuen - und über ein Vermögen von umgerechnet rund 4,9 Milliarden US-Dollar aus 50 Prozent der Anteile an der Drogeriemarktkette dm.
Ebenfalls zu den jüngsten Milliardären der Welt zählen der 25-jährige Maxim Tebar, Erbe des schwäbischen Kettensägen-Herstellers Stihl mit einem Vermögen von umgerechnet rund 1,2 Milliarden US-Dollar, sowie der 27-jährige Carl-Anton Kunz, der von seinem Großvater Anteile im Wert von etwa 1,1 Milliarden US-Dollar am Sanitärgroßhändler GC aus Bremen geerbt hat.
Überhaupt fällt das Wort "geerbt" sehr häufig auf der Liste. Aber: Immerhin 12 der 35 Superreichen dürfen sich Selfmade-Milliardäre nennen. Auffälligerweise zählen dazu alle 8 US-Amerikaner auf der Liste, während 11 der 13 Europäer ihr Vermögen geerbt haben.
Der amerikanische KI-Traum
Die drei jüngsten Milliardäre, die ihr Vermögen selbst aufgebaut haben, haben es zum ersten Mal auf die Liste geschafft: Die US-Amerikaner Surya Midha, Brendan Foody und Adarsh Hiremath sind alle 22 Jahre alt und haben es mit ihrem gemeinsamen KI-Startup Mercor zu einem Vermögen von jeweils rund 2,2 Milliarden US-Dollar gebracht. Damit lösen sie den bisher jüngsten Selfmade-Milliardär aller Zeiten ab: Vor zwei Jahrzehnten debütierte hier ein 23-Jähriger namens Mark Zuckerberg. Zugegeben, die drei hatten kräftigen Rückenwind durch den umstrittenen Milliardär Peter Thiel, der sie im Rahmen seines Fellowship-Programms fördert.
Ganz ohne Thiels Unterstützung folgt als nächster Selfmade-Milliardär der 25-jährige Michael Truell auf Platz 17. Er ist Mitgründer und Geschäftsführer von Cursor, einem beliebten KI-Programmierassistenten, den laut eigenen Angaben auch zahlreiche Tech-Riesen im Silicon Valley nutzen. Gemeinsam mit seinen Mitgründern Aman Sanger (25), Saleh Asif (26) und Arvid Lunnemark (26) erreichte Truell kürzlich eine Unternehmensbewertung von 30 Milliarden US-Dollar. Die vier lernten sich als Studenten am MIT im US-amerikanischen Cambridge kennen und finden sich keine vier Jahre nach Gründung ihres ersten Unternehmens mit einem Vermögen von jeweils rund 1,3 Milliarden US-Dollar auf der Milliardärsliste wieder.
"Steve Jobs" in Spitzenschuhen
Die jüngste Selfmade-Milliardärin heißt Luana Lopes Lara. Die Brasilianerin steht mit 29 Jahren am Ende der "Forbes"-Liste, gefolgt nur von ihrem Mitgründer Tarek Mansour. Kennengelernt haben sich die beiden ebenfalls am MIT, wo sie den Wettanbieter Kalshi gründeten. Dort können Nutzer auf alle erdenklichen Ereignisse ihr Geld setzen: Von Sportwetten über gesellschaftliche Events und politische Wahlen bis hin zu Naturkatastrophen wird hier alles zur Quote gemacht. Kalshi stand zuletzt bei Glückspielbehörden in der Kritik, in Deutschland ist das Geschäftsmodell sogar illegal. Bewertet wird das Unternehmen mit elf Milliarden US-Dollar.
Mit zwölf Prozent der Anteile hält Luana Lopes Lara etwa 1,3 Milliarden US-Dollar in Privatbesitz. Sie ist weiterhin in der Geschäftsführung aktiv, obwohl ihr Karriereweg ganz anders vorgezeichnet war: Den größten Teil ihrer Kindheit und Jugend verbrachte sie an Elite-Ballettschulen, tanzte am brasilianischen Ableger des legendären Moskauer Bolshoi-Theaters und den Schwanensee in Salzburg. Mit 18 Jahren beendete sie ihre Ballett-Karriere, durchlief innerhalb von drei Jahren das MIT und hat seitdem nur ein Ziel, wie sie "Forbes" verriet: "Ich will die nächste Steve Jobs werden."