Wirtschaft

172 Ultrareiche in DeutschlandOxfam: Milliardäre häufen Reichtum so schnell an wie nie

19.01.2026, 11:18 Uhr
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2025 wuchs das Vermögen der reichsten Menschen um 2,5 Billionen Dollar. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Weltweiter Krisen zum Trotz haben Milliardäre seit Beginn des Jahrzehnts ihr Vermögen vervierfacht. In Deutschland wurden besonders viele Menschen im vergangenen Jahr Milliardäre. In ihrem aktuellen Bericht warnt Oxfam eindringlich vor politischer Einflussnahme der Ultrareichen.

Es gibt immer mehr Milliardäre und ihr Vermögen wächst und wächst. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam zum Start des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht hat. Demnach besaßen die rund 3000 Milliardärinnen und Milliardäre weltweit im vergangenen Jahr ein Vermögen von 18,3 Billionen US-Dollar (ungefähr 15,75 Billionen Euro). Damit stieg ihr Vermögen 2025 um 2,5 Billionen Dollar, das ist im Vergleich zu den Vorjahren ein dreimal so schnelles Wachstum. Seit 2020 wurden die wohlhabendsten Menschen inflationsbereinigt um mehr als 80 Prozent reicher. Gleichzeitig lebe fast die Hälfte der Menschheit in Armut, betont Oxfam.

Die zwölf Reichsten hätten nun mehr Geld als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung, das sind mehr als vier Milliarden Menschen. Der Reichtum an der Spitze konzentriere sich in nie dagewesenem Tempo, so die Entwicklungsorganisation. "Wir befinden uns in der Ära der Milliardär*innen - und das ist keine gute Nachricht für die Welt", kommentiert Charlotte Becker, die Vorständin von Oxfam Deutschland.

Der reichste Mann der Welt, Elon Musk, verdient dem Bericht zufolge in vier Sekunden so viel, wie ein Durchschnittsmensch in einem Jahr. Er müsste pro Sekunde mehr als 4500 Dollar verschenken, damit sein Vermögen schrumpft.

Ein Drittel mehr Milliardäre in Deutschland

Auch in Deutschland ist die Zahl der Milliardärinnen und Milliardäre laut Oxfam im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, und zwar um ein Drittel auf 172. Damit habe Deutschland die viertmeisten Milliardäre weltweit. Ihr Gesamtvermögen habe inflationsbereinigt ebenfalls um rund 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar zugenommen.

Insgesamt, so rechnet Oxfam vor, verdiene ein deutscher Milliardär in weniger als anderthalb Stunden das durchschnittliche Jahreseinkommen in Deutschland. "Milliardäre verdienen durchschnittlich 6000 Dollar während eines 20-minütigen Powernaps und 145.000 Dollar während eines achtstündigen Schlafs", heißt es in dem Bericht.

Die große Lücke zwischen Arm und Reich sei auch hier "ein idealer Nährboden für antidemokratische Kräfte", warnte die Entwicklungsorganisation und erneuerte ihre Forderung an die Bundesregierung, mit höheren Steuern entgegenzuwirken. Zuletzt hatte die SPD eine höhere Steuer auf Erbschaften in Millionenhöhe vorgeschlagen, die Union lehnt das aber ab.

Sorge wegen politischer Macht

Die Wirtschaftsmacht der Milliardäre schlage sich deutlich sichtbar auch in politischer Macht nieder, so Oxfam. Das sei etwa in den USA zu beobachten, und es höhle die Demokratie immer weiter aus, kritisiert Becker. "Donald Trump steht der lukrativsten Präsidentschaft in der amerikanischen Geschichte vor und hat sein Vermögen um Milliarden erhöht, vor allem durch den Handel mit Kryptowährungen", schrieb die Zeitung "Forbes" zuletzt über den US-Präsidenten.

Dem Oxfam-Bericht zufolge investierten 100 milliardenschwere Familien im vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf die Rekordsumme von 2,6 Milliarden Dollar. Dass ein Milliardär ein politisches Amt bekleidet, sei schätzungsweise 4000-mal wahrscheinlicher als bei einem normalen Bürger. Auch sieben der zehn größten Medienhäuser seien zumindest zu einem Anteil in der Hand von Milliardären.

Dem Bericht liegen Daten aus verschiedenen Quellen zugrunde. So führte Oxfam etwa "Forbes"-Schätzungen zum Vermögen von Milliardären mit Daten der Weltbank und solchen aus dem UBS-Weltvermögensreport zusammen.

Quelle: ntv.de, gri/dpa

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