Wirtschaft

Zehn-Milliarden-Dollar-Präsident? Die Wahrheit über Donald Trumps Vermögen

"Ich bin stinkreich", sagt Donald Trump bei jeder Gelegenheit. Doch hinter der Fassade des Selfmade-Milliardärs steckt eine andere Geschichte: Pleiten. Glück. Und ein Mann, der schon immer mehr aus sich gemacht hat, als er wirklich ist.

"Ich bin wirklich reich", prahlte Donald Trump schon bei seiner Antrittsrede. "Ich bin stolz auf mein Vermögen. Ich habe einen fantastischen Job gemacht." Schrill, pompös, selbstverliebt - das ist Donald Trump, der derzeit stärkste republikanische Präsidentschaftsbewerber. Er beleidigt mexikanische Einwanderer als Vergewaltiger. Er wirft Journalisten vor laufenden Kameras aus Pressekonferenzen. Er will eine riesige Mauer an der Südgrenze der USA bauen, um illegalen Immigranten den Weg zu versperren. Bezahlen soll dafür natürlich Mexiko.

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Donald Trump stellt sich gern als Selfmade-Millardär dar.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seine Ideen und Reden sind durchgehend faktenfrei. Die Wirklichkeit würde Trump bloß auf seiner Mission stören: ins Weiße Haus einzuziehen. Donald Trumps Reichtum ist der Kern seiner Kandidatur. Geld ist für den Mann, der noch nie ein Amt bekleidet hat, der Beweis für politische Kompetenz. Die Aura des zupackenden Selfmade-Milliardärs umweht ihn. Blöd nur, dass hinter seinem Aufstieg in Wirklichkeit keine Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte steckt. Und er weniger glänzt als er behauptet - obwohl er sich alle Mühe gibt, sich aufzupolieren.

Mit dem Silberlöffel in die Pleite

Donald Trump wurde 1946 als Sohn eines New Yorker Immobilien-Tycoons geboren. Gemacht hat die Familie ihr Geld mit Hilfe der Regierung: Während der großen Depression in den 30er-Jahren baute sie subventionierte Mietskasernen. Im Krieg errichtete sie dann staatlich geförderte Unterkünfte für Marine-Soldaten. Trump verbrachte seine Jugend auf schicken Internaten und Privat-Unis. 1974 stieg er als neuer Chef in die millionenschwere Firma seines Vaters ein.

Trump baute das Unternehmen aus, investierte in Hotels, Kasinos, Golfplätze. Und machte sich zur Marke, indem er seinen Namen auf prestigeträchtige Gebäude klotzte, so wie beim "Trump Tower" an der Fifth Avenue oder dem "Trump Building" auf der Wall Street. Heute stellt sein Imperium auch Parfüm und Männermode her, auch eine Modelagentur gehört dazu. Trump dachte in größeren Dimensionen als sein Vater. "Er sagte mir immer: 'Donald, geh' nicht nach Manhattan. Das ist 'ne Nummer zu groß für uns' ", erzählte Trump in seiner Antrittsrede. "Ich sagte: 'Ich muss nach Manhattan gehen. Ich muss diese großen Gebäude bauen. Ich muss das machen, Dad'".

Doch mit seinem Streben nach Größerem führte Trump die Firma seines Vaters nicht in neue Höhen, sondern gegen die Wand. Nach 15 Jahren mit Trump an der Spitze stand das Unternehmen vor dem Ruin. 1990 musste Trump zugeben, dass die milliardenschwere Schuldenlast seinen Konzern zu erdrücken drohte. Nur ein Rettungspaket von fast 70 Banken bewahrte ihn vor der Pleite.

In den 90er-Jahren brachte Trump seine Hotels und Casinos dann an die Börse. Und obwohl der Milliardär persönlich nie den Bankrott erklärt hat, kann man das von seinem Imperium nicht behaupten: Zwei seiner Casinos in Atlantic City rutschten schon vor dem Börsengang in die Pleite. 2004 stellte dann "Trump Hotels and Casino Resorts" den Insolvenzantrag. Trump musste die Kontrolle abgeben und laut "Time-Magazine" 72 Millionen Dollar eigenes Geld in die Firma pumpen, um sie wiederzubeleben.

Ein Mann vergoldet sich selbst

"The Donald" stellt seine Pleiten heute als kalkulierte Restrukturierungen dar. Und lässt keinen Zweifel daran, was er für das Geheimnis seines Erfolgs hält: sich selbst. "Ich habe viele Menschen und Firmen geschlagen, und ich habe viele Kriege gewonnen", sagte er schon 2011. "Ich habe fair aber clever viele Milliarden Dollar verdient, was sowohl ein Beweis als auch eine Bestätigung meiner Fähigkeiten war", beweihräucherte sich der Immobilien-Mogul.

Für das Wirtschaftsmagazin "Forbes" steht Trump dagegen für den Typ Superreicher, der eher mit dem silbernen Löffel im Mund geboren wurde: "Hat eine kleine oder mittelgroße Firma geerbt und zu einem Milliarden-Vermögen ausgebaut", lautet das Urteil. Das reicht nur für eine fünf auf der zehnstufigen Selfmade-Skala des Magazins.

Doch Trump kultiviert nicht nur die Geschichte vom hart verdienten eigenen Erfolg. Er gibt sich regelmäßig auch reicher, als er wirklich ist. Bei seiner Antrittsrede donnerte er triumphierend in die Mikrofone: "Ich habe ein Nettovermögen von mehr als zehn Milliarden Dollar". Doch daran gibt es nicht erst Zweifel, seit Trump seinen Anspruch auf das Weiße Haus angemeldet hat. "Forbes" taxiert sein Vermögen deutlich niedriger, auf gerade mal vier Milliarden Dollar.

Der Finanzbericht, den Trump als Präsidentschaftskandidat veröffentlichen musste, bestätigt nur ein Vermögen von rund 1,5 Milliarden Dollar. Sein Geld legt Trump demnach bei JPMorgan und anderen Instituten an, darunter der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank. Er besitzt ein millionenschweres Depot, hat in fast zwei Dutzend Fonds und Hunderte Titel investiert, darunter US-Staatsanleihen und Aktien von Goldman Sachs.

Der Bericht lässt allerdings keine genauen Schlüsse zu, wie reich Trump wirklich ist, weil er sein Einkommen und Vermögen darin nur in Stufen angeben muss. Doch Trump wäre nicht Trump, hätte er nicht auch das für Eigen-PR zu nutzen versucht: Das System sei für Leute mit so "massivem Reichtum" nicht gemacht, ließ er per Pressemitteilung verbreiten.

Quelle: n-tv.de

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