Wirtschaft

"Mit einem Fuß in Währungskrise" Die türkische Lira war noch nie so schwach

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Seit Jahresbeginn hat die Devise im Zuge der Corona-Krise rund 18 Prozent abgewertet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Schon seit Jahresanfang ist die türkische Währung wegen der Corona-Krise auf Talfahrt. Nun stürzt die Lira auf ein neues Rekordtief ab. Das zieht weitreichende Konsequenzen nach sich.

An den Finanzmärkten gerät die hoch verschuldete Türkei immer stärker in die Bredouille. Nach tagelanger Talfahrt stürzte die türkische Lira am Donnerstag auf ein Rekordtief. Ein Dollar kostete mit 7,25 Lira so viel wie noch nie zuvor. Marktteilnehmer reagierten nervös auf ablehnende Äußerungen eines US-Notenbank-Mitgliedes bezüglich finanzieller Rückendeckung.

Die Türkei, die auf ihre zweite Rezession innerhalb von weniger als zwei Jahren zusteuert, hat die US-Notenbank und andere Zentralbanken um Zugang zu Finanzmitteln gebeten, da ihre eigenen Nettowährungsreserven von 40 Milliarden Dollar im bisherigen Jahresverlauf auf fast 25 Milliarden Dollar gesunken sind. Doch angesprochen auf die Erweiterung von Swap-Kreditlinien, die klammen Staaten wie der Türkei Zugang zu Dollar-Bargeld ermöglichen würde, machte Fed-Miglied Thomas Barkin wenig Hoffnung. Das werde nicht für alle Länder möglich sein, sagte er am Mittwoch am Rande einer Online-Podiumsdiskussion. Die Mittel der US-Zentralbank seien dazu gedacht, die Märkte zu stabilisieren und nicht dazu, Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Diese Aussagen hätten die Talfahrt der Lira beschleunigt, sagte ein Devisenhändler. "Wir denken, der Druck auf die Lira wird auf kurze Sicht anhalten."

Türkische Lira / Euro
Türkische Lira / Euro ,10

Seit Jahresbeginn hat die Devise im Zuge der Corona-Krise rund 18 Prozent abgewertet. Die Türkei zählt zu den Ländern, die erst spät mit Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus begonnen haben. Analysten sehen bei der derzeitigen Abwertungsgeschwindigkeit eine steigende Gefahr, dass eine Abwärtsspirale entsteht und Devisenverbindlichkeiten unter Druck geraten. "Wir sind bereits mit einem Fuß in einer Währungskrise", sagte Schwellenland-Experte Cristian Maggio vom Handelshaus TD Securities.

Mit der sinkenden Lira wird es für die Türkei deutlich teurer, ihre in harten Währungen wie US-Dollar und Euro gegebenen Anleihen zurückzuzahlen. Die Nervosität der Anleger spiegelte sich auch am Anleihemarkt wider. Staatsanleihen des Landes wurden verkauft, das trieb die Rendite der bis 2030 laufenden Dollar-Bonds auf 8,406 von zuvor 8,031 Prozent.

Finanzminister Berat Albayrak hatte am Mittwoch in einer Telefonkonferenz noch versucht, die Investoren zu beruhigen und die türkischen Währungsreserven als "mehr als ausreichend" bezeichnet.

Quelle: ntv.de, ysc/Reuters