Wirtschaft

Harley-Davidson mit Rückenwind Dow kratzt an 36.000 Punkten

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Anleger bereiten sich auf den Zinsentscheid der US-Notenbank vor, der am Mittwoch ansteht.

(Foto: picture alliance / newscom)

Dank einer ermutigenden Bilanzsaison präsentiert sich die Wall Street zum Monatsstart in Rekordlaune. Während der Dow an einer wichtigen Punktmarke kratzt, schießt der Nasdaq auf ein neues Allzeithoch. Der beigelegte Zollstreit zwischen den USA und der EU gibt auch Harley-Davidson einen Schub.

Die Wall Street hat nach einem volatilen Geschäft mit leichten Aufschlägen geschlossen. Zu Handelsbeginn markierten die großen Aktienindizes Rekordhochs - der Dow sprang erstmals über die Marke von 36.000 Punkten. Anschließend setzten mit zum Teil mäßigen Konjunkturdaten Gewinnmitnahmen ein. Im späten Geschäft gelang dann erneut der Dreh ins Plus.

Letztlich stieg der Dow-Jones-Index um 0,2 Prozent auf 35.914 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite legten um 0,2 bzw. 0,6 Prozent zu, wobei letzterer auf Allzeithoch schloss.

S&P 500
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Grund für die übergeordnet gute Stimmung war die ermutigende Bilanzsaison. Von den Unternehmen aus dem S&P-500, die bisher berichtet haben, übertrafen 82 Prozent die Erwartungen. Auch berichteten viele Gesellschaften von einer ungebrochen hohen Nachfrage. Damit linderten sie Ängste unter Anlegern, die sich wegen Lieferengpässen und steigender Preise Sorgen um den für die US-Wirtschaft so wichtigen privaten Konsum gemacht hatten.

"Ich sehe nicht, dass sich zu viel Besorgnis in den Markt einschleicht, und das liegt daran, dass die Bilanzsaison ziemlich stark verläuft und die meisten Unternehmen eine starke Nachfrage verzeichnen", sagte Marktstrategin Seema Shah von Principal Global Investors. Unterstützung kam auch von der Einigung im Zollstreit zwischen den USA und der EU. Prominente Nutznießer waren Harley-Davidson, die Aktie zog um 9,1 Prozent an, nachdem die EU Strafzölle auf US-Motorräder aufgehoben hatte. Der Streit um Boeing- bzw. Airbus-Subventionen war zwar schon im Juni beigelegt worden, dennoch hoben Boeing um 3,6 Prozent ab.

Harley-Davidson
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Die Konjunkturdaten lieferten derweil Licht und Schatten: Der von IHS Markit erhobene Einkaufsmanagerindex für die Industrie ermäßigte sich deutlicher als gedacht. Auch der ISM-Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes ging zurück, allerdings weniger deutlich als befürchtet. Beide Einkaufsmanagerindizes lagen aber weit im expansiven Bereich. Die Bauausgaben enttäuschten derweil aber.

Moderna auf der Verliererseite

Ansonsten ging die Bilanzsaison in eine neue Runde mit Zahlenausweisen von - unter anderem - Trivago (unverändert) und ON Semiconductor (+14,3%). Bei Trivago bremste der Ausblick, denn das Hotelbewertungsportal rechnete für den Winter noch nicht mit einer vollständigen Erholung der Reisetätigkeit. ON Semiconductor hatte die Gewinnerwartungen indes deutlich übertroffen.

Moderna Inc.
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PG&E sanken dagegen um 1,6 Prozent. Der Versorger war aufgrund von Bränden und Kosten im Zusammenhang mit seiner Insolvenz nach Kapital 11 in die Verlustzone gerutscht. Novavax sprangen um 15,8 Prozent empor. Der Covid-19-Impfstoff des Unternehmens hatte in Indonesien eine Notfallzulassung erhalten. Auch in Kanada kam das Unternehmen voran.

Bei Moderna (-2,3%) gab es weniger gute Nachrichten. Die US-Gesundheitsbehörde FDA verschob die Entscheidung über den Antrag auf Zulassung des Corona-Impfstoffs für Jugendliche. Tesla stiegen um 8,5 Prozent, der Elektroautobauer hatte einen neuen Liefervertrag für Batterien unterzeichnet.

Anleger warten auf Notenbank-Ankündigung

Am US-Rentenmarkt war Abwarten angesagt, es passierte nicht viel. Anleger bereiteten sich darauf vor, dass die US-Notenbank am Mittwoch die schrittweise Reduzierung ihrer Anleihekäufe ankündigen werde, hieß es. Nachdem die kanadische Zentralbank in der vergangenen Woche die Möglichkeit einer Zinserhöhung schon im April 2022 ins Spiel gebracht hatte, warteten Akteure gespannt darauf, ob die Fed ebenfalls Zinserhöhungen zu einem früheren Zeitpunkt in Aussicht stellen werde als bislang am Markt erwartet.

Tesla
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"Der Markt ist sehr besorgt darüber, dass die Inflation ein weitaus größeres Problem darstellt, als die Zentralbanken Mitte des Jahres zugeben wollten, und sie in eine Phase der Inflationsbekämpfung eintreten", sagte Shah.

Der Dollarindex verlor nach seinem Freitagsanstieg 0,3 Prozent. Die Straffung der Geldpolitik in den USA sei bereits weitgehend eingepreist, zuletzt habe es hier deutliche Anpassungen gegeben, hieß es. Der Euro stabilisierte sich nach seinem Rücksetzer vom Wochenschluss. Nach Einschätzung von ING dürfte die Gemeinschaftswährung aber besonders leiden, sollte die US-Notenbank damit beginnen, ihre Stimuli zu reduzieren, während zugleich die EZB nach Einschätzung des Marktes 2022 die Zinsen wahrscheinlich nicht erhöhen werde.

Der Ölpreis wurde von der Erwartung eines weiterhin knappen Angebots gestützt. Die Akteure am Ölmarkt erwarten, dass die Opec+-Staaten bei ihrer Konferenz in dieser Woche trotz des engen Marktes zögern werden, die Fördermengen zu erhöhen.

Der Goldpreis erholte sich gestützt von der Dollarschwäche von seiner Talfahrt zum Wochenschluss, blieb aber unter der wichtigen Markte von 1.800 Dollar je Feinunze. Mit der zu erwartenden Straffung der Geldpolitik dürften kurzfristig die Bären trotz der hohen Inflation die Oberhand behalten, so Analysten.

Quelle: ntv.de, jpe/DJ

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