Wirtschaft

Reiche Saudis sollen zahlen Drohnenangriff erschwert Mega-Börsengang

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Mohammad bin Salman ist de facto der Herrscher Saudi-Arabiens.

(Foto: REUTERS)

Die Drohnenattacken auf die saudische Öl-Infrastruktur schaden dem geplanten Börsengang des Energie-Giganten Aramco. Das gefällt Kronprinz bin Salman nicht. Nun drängt die Regierung Superreiche, viel Geld in den Börsengang zu pumpen. Einige sind nicht gerade Freunde des Prinzen.

Der saudische Kronprinz Mohammad bin Salman hat ein Problem. Er will den staatlichen Öl-Riesen Aramco an die Börse bringen und strebt dabei eine Bewertung von zwei Billionen Dollar an. Doch es ist zweifelhaft, dass diese Marke erreicht wird. Und deshalb haben reiche Familien des Königreichs auch ein Problem.

Wie die "Financial Times" (FT) berichtet, setzt die Regierung einige der wohlhabendsten Saudis unter Druck, damit sie bei dem Börsengang Aktienpakete kaufen und somit das Vertrauen internationaler Investoren in Aramco stärken - gerade nach den Drohnenangriffen auf die Öl-Infrastruktur des Landes.

Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Mitglieder einiger der ins Visier genommenen Familien waren Ende 2017 Opfer einer von bin Salman initiierten Verhaftungswelle. Der Kronprinz ließ das Ritz Carlton in der Hauptstadt Riad damals vorübergehend in ein Luxusgefängnis umwandeln und dort mehrere Dutzend Mitglieder der saudischen Elite bis zu zwei Monate festhalten.

Offiziell handelte es sich um eine Anti-Korruptionskampagne. Die Behörden klagten allerdings weder jemanden offiziell an, noch veröffentlichten sie konkrete Vorwürfe. Stattdessen verkündete bin Salman bei der Freilassung der Festgehaltenen, diese hätten akzeptiert, insgesamt mehr als 100 Milliarden Dollar an den Staat "zurückzugeben". Einige der Gefangenen gaben an, sie seien gefoltert worden.

"Patriotische Pflicht"

Im Zuge des Aramco-Börsengangs wird der "FT" zufolge beispielsweise ein reicher Geschäftsmann gedrängt, rund 100 Millionen Dollar zu investieren. Er habe zu denjenigen gehört, die im Ritz Carlton festgehalten wurden. "Er wird nun ermutigt, seine patriotische Pflicht zu erfüllen", zitiert die Zeitung einen Berater des Geschäftsmannes. "Aber es gibt eine Grenze dabei, wie patriotisch er sein will."

Zu der Gruppe soll auch Prinz al-Walid ibn Talal, gehören, der vor seiner Festsetzung als reichster Mann des Landes galt. Zeitweise wurden dem Vernehmen nach rund 800 Milliarden US-Dollar auf mehr als 2000 seiner Konten eingefroren. Ein Großteil davon ist noch immer nicht freigegeben. Ihm sei vorgeschlagen worden, er solle mit dem Geld Aramco-Aktien kaufen, so die "FT". Die saudische Regierung wies den Bericht der britischen Zeitung derweil als "gegenstandslos und falsch" zurück.

Der Börsengang des weltweit größten Ölkonzerns ist für den Kronprinzen von enormer Bedeutung. Zunächst sollten auf einen Schlag fünf Prozent von Aramco an die Börse gebracht werden. Doch Interessenten und Analysten zweifelten daran, dass der Konzern tatsächlich zwei Billionen Dollar schwer ist. Sie schätzen den Wert auf eine Summe zwischen 1 und 1,5 Billionen Dollar. Der Börsengang wurde daraufhin aufs Eis gelegt, nun unternimmt Aramco einen neuen Versuch - doch Schritt wird kleiner ausfallen als bisher geplant.

Bis zum Jahresende will der Öl-Gigant der Nachrichtenagentur Reuters zufolge an der Börse in Riad ein Prozent platzieren. Ein weiteres Prozent soll 2020 folgen - und dann soll ein weiterer Teil an einer ausländischen Börse platziert werden. Als Favorit gilt London. Das Kalkül von bin Salman: Je höher die Bewertung beim Börsengang in Riad getrieben wird, desto näher kommt er der angestrebten Zwei-Billionen-Marke.

Bin Salman hat viel vor

Bin Salman ist dringend auf das Geld aus dem Börsengang angewiesen, da er damit den Umbau der saudischen Wirtschaft finanzieren und das Land unabhängiger von den Öl-Einnahmen machen will. So ist etwa ein gigantisches Infrastruktur-Projekt namens Neom geplant, wo sich etwa Firmen aus der Tech-, Energie- und Unterhaltungsbranche ansiedeln sollen.

Der starke Mann Saudi-Arabiens braucht für seine Pläne Investoren aus dem Ausland - doch die reagieren bislang wenig euphorisch. Das liegt beispielsweise an Korruption, Vetternwirtschaft, bürokratischen Hürden und Zweifeln daran, ob die ehrgeizigen Projekte wie Neom überhaupt umgesetzt werden.

Und dann sind da noch die Drohnenangriffe auf zwei wichtige Öl-Anlagen. Sie legten mehr als die Hälfte der Ölproduktion des Landes lahm und haben damit gezeigt, wie verwundbar die für Saudi-Arabien lebenswichtige Infrastruktur ist. Die Börsen-Pläne von Aramco sind damit nicht einfacher geworden.

Quelle: n-tv.de

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