"Falls etwas schiefgeht"Dubai plant komplett neuen Hafen außerhalb des Persischen Golfs

Dubai hat mit Jebel Ali einen der größten Häfen der Welt und eines der wichtigsten Drehkreuze für den Handel zwischen Asien, Europa und Afrika. Seit dem Beginn des Iran-Kriegs steht das Logistikzentrum allerdings praktisch still. Der Hafenbetreiber DP World arbeitet nun laut einem Bericht an einer Alternative.
Als Konsequenz aus dem Iran-Krieg und der monatelangen Blockade der Straße von Hormus plant der Hafenbetreiber DP World aus Dubai, einen neuen Hafen an der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) anzulegen. Wie die "Financial Times" unter Berufung auf Insider aus dem Unternehmen berichtet, umfassen die Pläne einen neuen Mehrzweckhafen im Emirat Fujairah, das wie Dubai Teil der VAE ist, sowie die Erweiterung des bestehenden Hafens von Fujairah um einen Container-Terminal. Fujairah liegt am Golf von Oman, der zum indischen Ozeans gehört. Dubai dagegen liegt an der Küste des Persischen Golfs, der für Schiffe ausschließlich durch die Straße von Hormus erreichbar ist.
DP World betreibt ein globales Logistiknetzwerk mit Häfen auf allen Kontinenten. Kernstück ist der Hafen Jebel Ali in Dubai. Er ist einer der größten Häfen der Welt und ein wichtiger Containerumschlagplatz für den Handel zwischen Asien und Europa sowie Afrika. Seit Beginn des Iran-Kriegs und der Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran steht dieses Logistikzentrum im Nahen Osten jedoch praktisch still. Der Umschlag brach der FT zufolge um 90 bis 95 Prozent ein. Die VAE waren Ziel mehrerer Tausend Drohnen- und Raketenangriffe aus dem Iran. Auch der Hafen Jebel Ali wurde getroffen.
Selbst in Phasen der Waffenruhe in den vergangenen Wochen erholte sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nur zu einem kleinen Teil. Nach den jüngsten gegenseitigen Angriffen und einer weiteren iranischen Attacke auf ein Handelsschiff ist der Verkehr wieder weitgehend zum Erliegen gekommen.
Ein Teil der Waren der Emirate wird bereits zu den existierenden Häfen am Golf von Oman umgeleitet. Auch einen Teil seines Rohöls exportiert das Land über eine Pipeline zur Ostküste außerhalb des Persischen Golfs. Die Häfen in Fujairah und Khor Fakkan sind jedoch deutlich kleiner als die Häfen von Dubai und Abu Dhabi am Persischen Golf. Seit Monaten arbeiten sie am Rande ihrer Kapazität. Der Hafenbetreiber Gulftainer aus dem Emirat Sharjah hat deshalb bereits angekündigt, den Containerhafen von Khor Fakkan für zwei Milliarden Dollar zu erweitern.
Mit der Schaffung eines komplett neuen Hafens geht der Plan von DP World noch darüber hinaus. Der FT zufolge finden derzeit Gespräche zwischen dem börsennotierten Logistikkonzern und der Regierung der VAE zur Finanzierung des Projekts statt. Ziel ist es, die Emirate für mögliche künftige Konflikte mit dem Iran abzusichern und unabhängiger von der Straße von Hormus zu machen.
DP World plant, zunächst mehrere Hundert Millionen Dollar in den neuen Hafen zu investieren. Die Gesamtsumme könnte der FT zufolge deutlich steigen, je nachdem, welche Kapazität die neue Anlage haben soll. Weiter heißt es, dass der Hafen schon in ein bis eineinhalb Jahren seinen Betrieb aufnehmen soll. Ein dauerhafter Ersatz, auch teilweise, für das Drehkreuz Jebel Ali, das auch das industrielle Zentrum Dubais bildet, soll der neue Hafen dem Bericht zufolge nicht werden. "Es ist eine Absicherung, falls etwas schiefgeht", zitiert die FT einen Insider.