Wirtschaft

Stabile Heringsquoten EU schont den Nordsee-Kabeljau

99039036.jpg

Die Kabeljau-Mengen, die Nordsee-Fischer künftig fangen dürfen, wurden zum Schutz der Bestände halbiert.

(Foto: picture alliance / Bernd Wüstnec)

Die deutschen Nordsee-Fischer müssen sich im kommenden Jahr umstellen. Sie dürfen erheblich weniger Kabeljau fangen. Auch beim wirtschaftlich wichtigen Hering werden die Bestände weiter geschont. Dafür dürfen mehr Makrelen ins Netz gehen.

Deutsche Nordsee-Fischer müssen im kommenden Jahr mit deutlich niedrigeren Kabeljau- und Seelachs-Fangmengen auskommen. Darauf verständigten sich die EU-Fischereiminister in Brüssel. Bei anderen wichtigen Fischarten - etwa bei der Makrele - ist nach Angaben aus Diplomatenkreisen hingegen ein deutliches Plus vorgesehen. Die EU-Kommission sieht damit Nachhaltigkeitsziele erreicht. Von Umweltschützern kommt hingegen Kritik.

  • Beim Kabeljau ist demnach eine Halbierung der erlaubten Fangmenge vorgesehen. Auf Deutschland entfallen dann noch rund 1600 Tonnen.
  • Beim Seelachs ist ein Minus von 15 Prozent geplant (rund 8300 Tonnen).
  • Der Makrelen-Fang kann hingegen deutlich ausgeweitet werden. Die Minister hoben die erlaubte Fangmenge hier um 41 Prozent an. Auf Deutschland entfallen dann rund 23.400 Tonnen.
  • Die Obergrenze für Scholle wird um drei Prozent zu reduziert.
  • Beim Schellfisch ist dagegen ein Plus von 23 Prozent geplant.
  • Beim für Deutschland ebenfalls wichtigen Hering bleibt die im Vorjahr massiv gesenkte Fangmenge mit rund 39.400 Tonnen unverändert.

Die EU-Staaten legen jedes Jahr die sogenannten zulässigen Gesamtfangmengen für die Nordsee und den Nordost-Atlantik fest. Auf dieser Basis entfallen auf die einzelnen Länder durch festgeschriebene Verteilungsschlüssel die jeweils nationalen Fangmengen. Die EU-Kommission schlägt die Quoten in der Regel auf der Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen vor. In den anschließenden Verhandlungen geht es dann darum, die Interessen der Fischfangindustrie gegen Umweltbelange abzuwägen und den Fortbestand der Fischarten zu sichern. Die Fangquoten gelten jeweils für ein Jahr.

Die Obergrenzen gelten für einzelne Fischbestände - das heißt für eine Fischart in einem bestimmten Meeresgebiet. Wenn die erlaubte Fangmenge erreicht ist, muss das jeweilige Land den Fischfang dort vorübergehend einstellen.

Erholung der Bestände nicht verhindern

"Einige dieser Lösungen sind schmerzhaft", sagte der finnische Minister Jari Leppä. Vor allem beim Kabeljau seien wegen des schlechten Zustands der Bestände Einschnitte nötig gewesen. "Die Flotten werden kommendes Jahr auf einem Level fischen, das die Erholung der Bestände nicht verhindern wird", sagte der neue EU-Fischereikommissar Virginijus Sinkevicius.

Deutliche Kritik kam hingegen von Umweltverbänden. In Zeiten des Umwelt-Notstands könnten die Regierungen nicht einfach weitermachen wie bisher, sagte Pascale Moehrle, Direktorin der Meeresschutzorganisation Oceana. Überfischung müsse dringend gestoppt werden. Stella Nemecky von der Naturschutzorganisation WWF sagte mit Blick auf den Kabeljau: "Dem Bestand ging es erst seit Kurzem endlich wieder besser - nach einem Bestandszusammenbruch Mitte der 2000er und vielen Jahren Erholungsplan."» Doch zu früh angehobene Fangmengen zeigten traurige Wirkung.

Bereits im Oktober hatten die EU-Fischereiminister die Fangquoten für die Ostsee für 2020 festgelegt. Dabei gilt de facto östlichen Teil ab kommendem Jahr ein Fangverbot für Dorsch und Hering. In der für deutsche Fischer wichtigen westlichen Ostsee sinkt die Quote für Hering um 65 Prozent und für Dorsch um 60 Prozent.

Die EU-Staaten wollen den deutschen Ostseefischern Stilllegungsprämien gewähren, wenn die Fangquoten bei Hering und Dorsch deutlich reduziert werden. Um die Regelung in Kraft zu setzen, ist noch eine Einigung mit dem Parlament und der Kommission nötig.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa