Wirtschaft

"Neue Instrumente" EZB trifft sich zur Notfall-Sitzung

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Die Kapitalmarktzinsen in südeuropäischen Ländern sind stark gestiegen.

(Foto: REUTERS)

Die Europäische Zentralbank hält eine Sondersitzung ab. In den vergangenen Tagen sind die Zinsen an den Kapitalmärkten stark gestiegen, während sich die Stimmung an den Aktienmärkten deutlich verschlechtert hat.

Der Rat der Europäischen Zentralbank hält am heutigen Mittwoch eine außerordentliche Ratssitzung ab. Zur Tagesordnung der Sitzung machte die EZB zwar keine Angaben. Doch es besteht kein Zweifel daran, dass es um den Markt für Staatsanleihen gehen wird.

Die EZB hatte vergangene Woche auf ihrer jüngsten Zinssitzung eine Reihe von Zinserhöhungen angekündigt. Daraufhin war der Renditeabstand (Spread) zwischen den Staatsanleihen Deutschlands und denen höher verschuldeter südlicher Euro-Länder, insbesondere Italien, auf den höchsten Stand seit über zwei Jahren geklettert. Für solche stärker verschuldeten Euro-Länder könnten die höheren Risikoaufschläge zu einem Problem werden, da sie die Aufnahme neuer Schulden verteuern.

Besonders deutlich stiegen in den vergangenen Tagen die Kapitalmarktzinsen in südeuropäischen Ländern. In Italien liegt der Zins für zehnjährige Staatsanleihen wieder über der Marke von vier Prozent. Ende März hatte der Zins nur halb so hoch gelegen. Ein Grund für diese Entwicklung ist die Ankündigung der EZB, ihre Neukäufe von Staatsanleihen Anfang Juli einzustellen.

"Dieses Engagement kennt keine Grenzen"

Vor diesem Hintergrund kündigte die EZB an, gegen die Ausweitung der Spreads vorzugehen. Direktorin Isabel Schnabel sagte, dass die Notenbank die Entwicklung am Anleihemarkt genau beobachte und gegen einen ungeordneten Anstieg der Finanzierungskosten stärker verschuldeter Länder der Eurozone einschreiten werde. Schnabel ist bei der EZB für die konkrete Umsetzung der Geldpolitik zuständig. Das Engagement für den Euro sei das Werkzeug der Notenbank gegen eine solche Fragmentierung, sagte sie und ergänzte: "Dieses Engagement kennt keine Grenzen."

Das erinnert an die Ankündigung "Whatever it takes" des ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi. Auf dem Höhepunkt der Eurokrise hatte er 2012 angekündigt, "alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten". Die zuvor stark gestiegenen Zinsen für Staatsanleihen der Euro-Krisenländer fielen schlagartig.

Auch Schnabel kündigte an, auf neue Notfälle werde die EZB mit bestehenden und neuen Instrumenten reagieren. Diese könnten unterschiedlich ausgestaltet werden und würden innerhalb des Mandats verbleiben, sagte sie. Schnabel zufolge ist ein Werkzeug, um die Renditeabstände einzudämmen, die flexible Wiederanlage der Gelder aus abgelaufenen Anleihen im Rahmen des billionenschweren Bond-Kaufprogramms PEPP. Die EZB kann laut der Direktorin zudem in sehr kurzer Zeit Antworten finden, sollte die Geldpolitik gefährdet sein.

Die Ankündigung zeigte bereits Wirkung: Die Spreads gingen zurück, der Euro gewann an Wert.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa

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