Wirtschaft

Nach kurzer, schwerer Krankheit Ehemaliger HRE-Chef Funke ist tot

111386769.jpg

Der am 29. April 1955 in Gelsenkirchen geborene Funke war von 2003 bis 2008 Vorstandschef der HRE.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bankmanager Georg Funke steht zuletzt im vergangenen Jahr im Fokus von Justiz und Medien. Damals wird ihm der Prozess wegen der Beinahe-Pleite der Hypo Real Estate gemacht. Nun wird bekannt: Der 63-Jährige ist bereits vor einiger Zeit verstorben.

Der ehemalige Chef der Münchner Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE), Georg Funke, ist tot. Das bestätigte sein Rechtsanwalt Wolfgang Kreuzer. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet. Funke sei bereits vor einiger Zeit nach kurzer, schwerer Krankheit im Ausland gestorben, berichtete Kreuzer. Zum genauen Todeszeitpunkt konnte der Vertraute des früheren Bankmanagers keine Angaben machen.

Funke galt vielen Kritikern vor allem in der Bundesrepublik als ein "Gesicht der Finanzkrise". Sein Name ging um die Welt, als ein Milliardenloch bei der HRE den Finanzplatz Deutschland im September 2008 in eine Schockstarre versetzte. Der Bund war gezwungen, die Bank zu verstaatlichen sowie mit Finanzhilfen und Bürgschaften über insgesamt rund 135 Milliarden Euro vor dem Kollaps zu retten. Unzählige Aktionäre verloren ihr Geld. Dass der Bankchef nach seiner Ablösung auch noch auf Gehalts- und Pensionszahlungen in Millionenhöhe klagte, schien dem Ganzen die Krone aufzusetzen.

HRE stand plötzlich ohne ausreichende Mittel da

In der Öffentlichkeit wurde Funke so für viele zum Symbol des Zockers und des Gier-Bankers. Sogar beim Spaziergang im Wald sei er verfolgt worden, sagte sein Anwalt. Aber Funke fühlte sich zu Unrecht verfolgt. Er verkaufte seine Villa in München und verlegte seinen Wohnsitz nach Mallorca. Auf der liebsten Ferieninsel der Deutschen handelte er fortan mit Luxusimmobilien und ließ in mehreren Interviews wissen, dass er keine Schuld für das HRE-Drama trage.

Der gebürtige Gelsenkirchener hatte sich seit seinem Betriebswirtschaftsstudium immer mit Immobilien beschäftigt. Seine Laufbahn startete der Familienvater 1972 bei der Westdeutschen Wohnhäuser AG in Essen. 1984 kam er zur damaligen Hypo-Bank, übernahm dann in der HypoVereinsbank die Leitung des Immobilienbereichs in Großbritannien und rückte 2003 an die Spitze der Hypo Real Estate - bis zum großen Knall 2008.

Die HRE hatte vor allem gewerbliche Immobilien finanziert und sich das Geld dafür mit Pfandbriefen besorgt. Als die US-Investmentbank Lehman Brothers Pleite ging, brachte das die wechselseitige Kreditvergabe der Banken zum Erliegen - und auch die HRE stand plötzlich ohne ausreichende Mittel da. Zugleich stand damit auch für andere Firmen und Branchen viel auf dem Spiel, weil die HRE über Finanzprodukte mit anderen Banken eng verwoben war. Die Staatsanwaltschaft warf Funke vor, die Lage der HRE in der Jahresbilanz für 2007 und im Halbjahresbericht 2008 bewusst geschönt zu haben.

Richter stellten Prozess ein

Doch von den Vorwürfen blieb nicht viel übrig. Vor einem Jahr stellte das Landgericht München den Prozess gegen Funke ein. Zuletzt waren ihm ohnehin keine falschen Zahlen oder Fakten mehr vorgeworfen worden, sondern nur noch eine Überschreitung seines Spielraums bei der Bewertung der Liquidität der Bank.

Weil diese mögliche Taten zudem ein Jahrzehnt zurücklagen und Funke durch die Vorwürfe sowie massive persönliche Angriffe stark belastet worden sei, stellten die Richter den Prozess ein. Der einstige Immobilien-König musste am Ende 18.000 Euro zahlen - an gemeinnützige Initiativen. Danach wurde es still um Georg Funke.

Quelle: ntv.de, Roland Losch, dpa