Wirtschaft

Billige Konserven bei Mere Ehepaar Schöbel testet Russen-Discounter

Manfred Schöbel beim Einkauf zwischen Paletten und Kartons.

Manfred Schöbel zwischen Paletten und Kartons.

(Foto: Nikola Endlich)

Mere eröffnet seinen ersten Markt in Deutschland. Während Aldi und Lidl längst Bio-Produkte anbieten, bringt der neue russische Konkurrent die Urform des Discounter-Prinzips zurück. Die Rentner Manfred und Sabine Schöbel fahren zur Eröffnung in die Filiale nach Leipzig.

Als sich um neun Uhr morgens zum ersten Mal die Türen des Mere-Supermarktes öffnen, hat Manfred Schöbel schon einen langen Weg hinter sich. Der 68-jährige Rentner aus Sachsen-Anhalt geht für gewöhnlich in Halle einkaufen. Gemeinsam mit seiner Frau Sabine ist er aber rund sechzig Kilometer mit dem Auto nach Leipzig gefahren. "Wenn ich dafür 20 Prozent weniger zahle als bei anderen Märkten, nehme ich das in Kauf", sagt Schöbel.

Mit dem Versprechen derart niedriger Preise hatte das Unternehmen TS-Markt bereits im Vorfeld Kunden gelockt. Die deutsche Tochter des russischen Lebensmittelhändlers Torgservis eröffnet an diesem Morgen am nördlichen Stadtrand von Leipzig gleich neben der Autobahn ihren ersten Discounter in Deutschland. Laut der eigenen Website plant TS-Markt langfristig bis zu 100 Filialen hierzulande, die den Marktführern Lidl und Aldi Konkurrenz machen sollen. Die Strategie: einfach noch günstiger sein.

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Lange Schlangen bei der Eröffnung im Discounter.

(Foto: Nikola Endlich)

Seinen Leitspruch dafür hat Mere auch gleich auf die Scheiben geklebt: "Tiefstpreise jeden Tag" steht auf leuchtend gelbem Untergrund hinter Manfred Schöbel und seiner Ehefrau am Eingang des Supermarktes. "Wir wollen schauen, was es hier für kleine Preise zu kaufen gibt", sagen die Schöbels, bevor sie ihren Einkaufswagen über den weißen Fliesenboden rollen, vorbei an Palettenreihen und rot-blau metallenen Schwerlastenregalen, auf denen bis unter die Decke Kartonagen gestapelt sind.

Billigpreise: Kaffee für 1,97 Euro je 500 Gramm, Mais für 0,44 Euro je 400 Gramm

Bereits vor der Eröffnung wurde berichtet, dass die russischen Filialen von Torgservis mehr einem Warenlager, als einem typischen deutschen Supermarkt glichen. Auf Bildern von manchen der knapp 1000 Geschäfte, die der Lebensmittelhändler eigenen Angaben zufolge in Osteuropa und Asien betreibt, sind spärliche Einrichtungen zu sehen. Das heißt: Paletten und Kartons. Nachdem die deutschen Vorreiter Aldi und Lidl jahrelang damit erfolgreich waren, haben sie ihre Verkaufsflächen längst gewandelt, ihr Sortiment ausgebaut, und verkaufen auch Bio-Artikel. Der sibirische Lebensmittelhändler hat sich dagegen auch in Deutschland für das klassische-Discounter Prinzip entschieden.

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So günstig kann hausgemachte Blutwurst sein.

(Foto: Nikola Endlich)

Unter dem grellen Neonlicht der Mere Filiale in Leipzig stapeln sich auf den Paletten Haushaltsartikel wie Besen und Plastikschüsseln in leuchtendem Grün und Orange. Lebensmittel heißen hier "Koncentrat Pomidorowy" - Tomatenmark zum Kilopreis von 1,51 Euro. Oder "Kukurydza" - Mais für 0,44 Euro je 400 Gramm. Längst nicht alle Lebensmittel stammen aus Osteuropa. Auf einem der Schwerlastenregale gleich neben der Kühlabteilung stehen etwa auch 500-Gramm-Packungen Röstkaffee aus Nordrhein-Westfalen für 1,97 Euro das Stück.

Manfred Schöbel packt gleich sechs Päckchen des deutschen "Edel Moccas" in seinen Einkaufswagen. Bei Rewe und Lidl seien die gemahlenen Bohnen oft viel teurer, meint er. Das Ehepaar bekommt gemeinsam 1.600 Euro Rente im Monat, wovon sie noch den Kredit ihres Häuschens abstottern. Bei dem monatlichen Einkauf spielt der Preis eine große Rolle für die beiden. Ist Mere also eine gute Alternative zu herkömmlichen Discountern? "Hier gibt es gute Sachen, die normalerweise teurer sind", sagt Sabine Schöbel.

Ein wenig Käse hätten die Schöbels schon gerne gekauft

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Kukurydza heißt hier der Mais.

(Foto: Nikola Endlich)

Aber längst nicht alles, was die Schöbels kaufen wollen, finden sie auch bei Mere. Weder Süßwaren noch Frischeartikel gibt es in dem Markt. Auch nach frischen Molkereiprodukten oder Brot suchen die Schöbels vergeblich. Ein Mitarbeiter versichert auf Nachfrage, das Sortiment solle künftig erweitert werden. Um welche Produkte es sich dabei handelt, könne er aber nicht genau sagen. Ein wenig Käse hätten die Schöbels schon gerne gekauft.

Im Einkaufswagen des Ehepaars landen am Ende vor allem große Konservendosen, voll mit Ananas oder Gläser mit abgekochtem Gemüse wie Pilzen und Spargel sowie Kartons voll mit H-Milch. Eine Stunde nach der offiziellen Eröffnung haben die Schöbels ihre Einkäufe erledigt. An den drei Kassen reichen die Schlangen mittlerweile bis an das andere Ende der rund 1000 Quadratmeter großen Ladenfläche. Mit Blick auf den eigenen randvollen Einkaufswagen sagt Manfred Schöbel: "Das muss sich hier lohnen."

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Großeinkauf bei den Schöbels.

(Foto: Nikola Endlich)

Nach rund 20 Minuten Wartezeit spuckt die Kasse dann einen rund ein Meter langen Bon aus. 74,16 Euro stehen da als Summe. Von den 150 Euro, die das Ehepaar für den Einkauf mitgenommen hatte, bleibt den Schöbels also noch einiges übrig. Ob die beiden künftig regelmäßig zum Großeinkauf in den russischen Discounter fahren, müssten sie sich noch überlegen, sagt Manfred Schöbel. Schließlich koste der Sprit für die lange Autofahrt ja auch Geld.

Quelle: n-tv.de

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